Katie Melua: Von Georgien auf die Weltbühne
Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Tag zwei für mich am Waterfront Festival. Heute mit Katie Melua und etwas ruhigeren tönen als gestern.
Nach dem gestrigen Auftritt von The Boss Hoss, stehe ich heute Abend erneut im Kongresshaus, wo mich Katie Melua und Support-Act Moira erwarten. Auch heute prägt die Hitze draussen, das Erscheinungsbild vieler Besucher. Das Durchschnittsalter ist jetzt wesentlich höher als gestern. Neben viel mehr weissen Kleidungsstücken gibt es auch mehr weisse Haare. Einige der Anwesenden Zuschauer sind erstaunt, dass es um 19:30 Uhr zuerst noch eine Vorband gibt. Sie haben damit gerechnet, dass Katie viel länger spielt.
Der Abend beginnt dann aber mit Moira aka Carola Wirth, welche ihr im Sommer 2022 erschienenes französisch sprachiges Album «île du bonheur» im Gepäck hat. Hiervon performt sie während ihrem dreiviertel stündigem Set ein paar Songs. Carola ist ein kleiner Wirbelwind. Sie kann kaum stillstehen und bewegt sich immer wieder. Klatschend hüpft sie sogar über die Bühne und spornt die Gäste an, mitzumachen. Zwischendurch gibt es immer wieder ein paar Sätze in lupenreinem Schweizerdeutsch, was so manch einer vermutlich nicht erwartet hat.
Was mir schon gestern aufgefallen ist und heute erneut wieder «stört», das Licht. Heute stört es insofern sogar die Zuschauer. Ich sehe ein paar, welche den auf dem Stuhl gelegenen Flyer missbrauchen, um Schatten zu generieren. Mich selbst stört es, wenn sich ein Bandmitglied etwas bewegt, dann steht dieses schnell ausserhalb des Lichtkegels und somit im Dunkeln. Dennoch erntet die Truppe um Carola Wirt einen herzlichen Applaus, als sie sich verabschiedet und uns noch viel Spass für den restlichen Verlauf des Abends wünscht.
Während dem Umbau bemerke ich, dass eine weitere Reihe Frontscheinwerfer eingeschaltet werden. Mein Fotografenkollege und ich sind gespannt, wieviel Licht dass man uns nun schenkt. Wir hatten schon gewitzelt, dass sich Katie zum Glück nicht einen solch ausgeprägten Bewegungsdrang hat, wie Carola und wir auch Langzeitbelichtungsaufnahmen machen könnten.
Weit gefehlt, denn als Katie Melua und ihre Bandmitglieder die Bühne betreten, ist diese von hellem Licht erstrahlt. Sie stimmt A Love like that an. Wie vermutet, steht Katie relativ statisch am Mikrofon und beglückt die Zuhörer mit ihrer zarten Stimme. Der nächste Titel könnte nicht besser passen, Quiet Moves denn ich verschiebe mich von der rechten zur linken Seite um noch andere Blickwinkel und vor allem auch den Keyboarder zu erwischen. Für den dritten Song, the Flood entscheide ich mich, schon hoch in die Galerie zu gehen, um mit der grossen Linse noch ein paar Bilder auf den Sensor zu bannen.
Mit ihrer unverwechselbaren Stimme und ihren gefühlvollen Songs eroberte Katie Melua die Herzen von Millionen Fans weltweit. Geboren 1989 in Tiflis, Georgien, zog sie mit ihrer Familie im Alter von neun Jahren nach Belfast, Nordirland. Ihre musikalische Reise begann früh: Schon als Kind lernte sie Klavier und Gitarre und sang in Chören. Mit 15 Jahren schrieb sie ihren ersten Song und weckte damit das Interesse von Mike Batt, einem renommierten Musikproduzenten. Unter seiner Anleitung entwickelte sie ihren eigenen Stil, der Elemente von Folk, Jazz und Pop vereint.
2005 veröffentlichte Melua ihr Debütalbum «Call Off the Search», das direkt in die britischen Charts einstieg. Mit Hits wie Nine Million Bicycles und The Closest Thing to Crazy etablierte sie sich als Shootingstar der Musikszene. In den folgenden Jahren folgten weitere erfolgreiche Alben, darunter «Piece by Piece» (2006), «Pictures» (2008), «The House» (2010) und «Secret Symphony» (2013). Meluas Musik zeichnet sich durch ihre emotionale Tiefe und ihre poetischen Texte aus. Sie singt über Liebe, Verlust, Hoffnung und die Suche nach dem Sinn des Lebens. Ihre Songs berühren Menschen auf der ganzen Welt und haben ihr zahlreiche Auszeichnungen eingebracht, darunter mehrere Brit Awards.
Neben ihrer Musikkarriere engagiert sich Melua auch für soziale und humanitäre Zwecke. Sie ist Botschafterin der Wohltätigkeitsorganisation «Save the Children» und setzt sich für den Schutz von Kindern in Not ein. Heute lebt Melua in London und geniesst eine erfolgreiche Karriere als Sängerin, Songwriterin und Musikerin. Sie ist eine der erfolgreichsten britischen Künstlerinnen der Gegenwart und inspiriert mit ihrer Musik und ihrem Engagement Menschen auf der ganzen Welt.
Ich gönne nun meiner Kamera und meinen Fingern etwas Ruhe und verstaue alles zurück in meinen Fotorucksack. Für den Rest der Show setze ich mich dann in der Galerie auf meinen Platz und schalte den Geniess Gang ein. Ihre Musik verlädt einem wirklich zum Träumen, auch wenn der Musikstil vielleicht nicht unbedingt meiner ist. Doch man ist ja offen für anderes.
Was mich dann aber umso mehr stört, dass man solch eine feine Stimme so arg durch den Verstärker quetschen und mit 110 Dezibel in den Sall schiessen muss. Für meinen Geschmack war das Konzert viel zu laut. Hier würde das Credo: «weniger ist mehr», gelten. Nichtsdestotrotz lasse ich mich dahin treiben zu Songs wie Piece by Piece, those sweet Days und I cried for you.
Das Waterfront Festival geht für mich hier zu Ende, obwohl Katie morgen Abend nochmals auftritt. Es war schön, wieder mal im Kongresshaus zu sein. Eigentlich schade, dass hier nicht mehr Konzerte stattfinden. Für mich ist das Waterfront Festival die Zürcher Alternative zur Baloise Session oder das Jazz Festival in Montreux. Ein Vögelchen hat mir gezwitschert, dass es nächsten Sommer eine Vorsetzung geben wird, welche wir sicherlich nicht verpassen werden.
Eventdatum: 19.07.2024
Fotograf: Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Location: Kongresshaus, Zürich
Veranstalter: act entertainment / Waterfront Festival
Zuschauerzahl: unbekannt
Katie Melua
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/1288-katie-melua-von-georgien-auf-die-weltbuehne#sigProId7e500a7e79
Moira
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/1288-katie-melua-von-georgien-auf-die-weltbuehne#sigProIdf5429ce9c0
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Marcel Kaul
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