H2U Openair Uster 2021 - Sonntag
Janine Schönbächler / szenemagazin.ch
Heute reise ich wieder mal in die Stadt, die meine berufliche Zukunft im Jahre 2019 prägte. Nicht zum Arbeiten, sondern an das H2U Openair auf dem Zeughausareal in Uster. Die Jubiläums-Ausgabe wird mit einer begrenzten Kapazität durchgeführt, letztes Jahr ist das Openair leider Corona zum Opfer gefallen ist. Heute werden sie 1200 Besucher auf dem Gelände begrüssen. Sonntag ist Familientag, deshalb ist der Einlass kostenlos und es sind entsprechend viele Familien mit Kindern anwesend.
«Al Pride» beginnen mit leisen Tönen
Die Band «Al Pride» aus Baden betritt die Bühne und ich bin überwältigt von der Grösse des Ensembles. Ihr Übungsraum befindet sich 14 Meter neben einer Bierbrauerei und deshalb wundere ich mich nicht, dass jeder eine Bierflasche in der Hand hält. Die Gruppe ist in den letzten Jahren zu einer achtköpfigen Band zusammengewachsen. Erst waren sie ein Trio, dann ein Quintett und jetzt stehen sie im Oktett im Scheinwerferlicht. Von Freunden die gerne zusammen Musik machen, sind sie zu versierten Musikern und einer eingespielten, erstklassigen Band geworden. Man spürt ihre Freude und das gute Zusammenspiel und dass sie Bier lieben: Denn ein Schluck zwischendurch tut gut. Unterstützt von drei Bläsern und zwei Leadstimmen wird ihre Musik von verschiedenen Einflüssen geprägt. Der erste Teil des Konzerts ist sanft und reduziert.
«Wir sind heute melancholisch, deshalb diese leisen Töne. Aber ihr seid lauter als am letzten Konzert in Winterthur, obwohl es dort mehr Leute hatte.»

In der zweiten Hälfte werden die Songs immer rhythmischer und kraftvoller, so dass man nicht mehr ruhig stehen kann und mittanzt. Sie stimmen den Song «People» an und singen gemeinsam mit den Festivalbesuchern im Regen. Den Besuchern werden Regenmäntel verteilt, damit sie das Konzert trotz des Wolkenbruchs geniessen können. Al Pride spielt viele ihrer bekannten Lieder, auch meinen persönlichen Lieblingstitel «If You Go Down».
Obwohl beim Leadsänger während des Konzerts die Gitarrensaite reisst, hat dies dem Konzert keinen Abbruch getan: Einer der Musiker der später auftretenden Band «Dabu Fantastic» ersetzt die Saite flugs. Das Konzert ist trotz Regen alles in allem ein grosses Hörerlebnis für Gross und Klein. Kurzum: Das präzise und emotional aufgeladene Zusammenspiel der Band lässt das Festival unvergesslich werden.
«Ginger and the Alchemists» auf der Talents-Bühne
Die Band kommt aus Winterthur und formierte sich vor drei Jahren. Sie überzeugen durch ihre melancholische und ehrliche Musik, die das Publikum auf eine neue Ebene führt. Manchen kommt der verbalisierte, mehrstimmige Gesang zu monoton rüber. Für mich persönlich ist es eine besondere, neue Mischung aus akustischen und elektronischen Elementen.
«Kennt ihr das Gefühl, wenn man in den Urlaub reist: Man sitzt im Flieger und aus dem Lautsprecher erklingt ‘Boarding completed’. Eine Mischung aus Begeisterung und Freude. Genau das Gefühl spüre ich gerade. Ich freue mich, hier zu sein. Und das gemeinsam mit meinen Jungs. Denn meistens spiele ich alleine oder zu zweit.»

Carole singt mal sanft, dann wieder mal laut. Die Texte mit viel Tiefgang stammen aus der Feder der Frontfrau und handeln von den Höhen und Tiefen des Lebens. Sie erschafft Geschichten, die das Leben schreibt. Sie wirkt dabei stark, aber ebenso zerbrechlich. Wegen des Regens sind leider wenig Zuschauer vor der Bühne, da die meisten Schutz unter einem Dach suchen. Ihre Musik hört man allerdings auf dem ganzen Festivalgelände, sodass man auch aus der Ferne der traurigen Melancholie lauschen kann.
«Dabu Fantastic» verscheuchen den Regen
Dabu Fantastic ist eine 2008 gegründete Schweizer Band aus dem Zürcher Oberland und stand bereits 2016 am H2U auf der Bühne. Trotz schlechtem Wetter zieht es das Publikum zahlreich zur Bühne. Ich persönlich bin auch ein grosser Fan der Band. Durch ihre spritzigen Songs aus dem Leben und ihrer Bühnenpräsenz sind ihre Konzerte immer unvergesslich. Auch in meinem Alltag sind ihre Lieder ständiger Begleiter, auch auf meinen Reisen nach Canada auf dem Yukon River.
Der Frontsänger David «Dabu» Bucher kommt aus Mönchaltdorf und ist jedem Zürich-Oberländer auf dem Festivalgelände bekannt. Er ist trotz seines Erfolgs am Boden geblieben und für jedermann zugänglich. Das spürt man auch während des Konzerts, wie er mit dem Publikum spielt und mit ihnen agiert.
«Jetzt kommt ein Lied darüber, dass wenn es einem Scheisse geht, es bald wieder bergauf geht.»

Er stimmt das Lied «Vo vorn» an und alle Festivalbesucher tanzen in ihren roten und weissen Regenmänteln mit. Er singt weitere Songs wie «Min Ort», den er seinem Heimatort Mönchaltdorf gewidmet hat. Weitere Hits folgen wie «Angelina», «Frisch Usem Ei». Es regnet immer noch in Strömen, aber das lässt die Band nicht bremsen. Tropfnass tanzen sie auf der Bühne und erfreuen die Zuschauer.
«Vermisse es, gemeinsam mit euch zu singen. Deshalb singen wir jetzt das Lied ‘Sunne’. Bei diesem Song kommt immer die Sonne.»
Tatsächlich kommt die Sonne wieder und das Tanzen macht mehr Spass, wenn man von oben nicht mehr nass wird. Die Stimmung ist ausgelassen und frei und ich spüre, wie sehr mir Livemusik und ihre Emotionen gefehlt haben. Die Zeit geht viel zu schnell vorbei und der letzte Song erklingt. «Wenn's Mir Wieder Guet Gaht» ist ein Titel, der während der Corona-Pandemie entstanden ist.
Die Abschiedsworte der Band berühren mein Herz: «Wie schon öfters gesagt habe ich die letzten anderthalb Jahre das direkte Pingpong der Liebe vermisst, das man während eines Konzerts haben kann, ohne dass man einen scheiss Bildschirm einschalten muss. Ohne Bildschirm ist es doch viel einfacher. Ihr schaut mich an, und euch, und so schenken wir uns direkt Liebe. Und das geht nur live an einem Konzert. Ich danke euch für die Liebe, die ich heute von bekommen habe und nehme die nach Hause und zehre daran. Geht auch mit dieser Liebe nach Hause, denn die Welt braucht genau diese Liebe.»
Das waren berührende Schlussworte, mit denen das dreitägige Openair beendet wurde. Danke Uster für das tolle Openair und die Stunden der Normalität.
Eventdatum: 21.08.2021
Text: Janine Schönbächler / szenemagazin.ch
Fotograf: Janine Schönbächler / szenemagazin.ch
Location: Zeughausplatz, Uster
Veranstalter: H2U
Zuschauerzahl: 1200
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/612-h2u-openair-uster-2021-sonntag#sigProId297b5fdd3a
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