Die grosse Schlagerparty im Hallenstadion
Janine Schönbächler / szenemagazin.ch
Fröhlich gehe ich nach so langer Zeit wieder ins Hallenstadion. So sehr habe ich es vermisst. Endlich wieder eine Fotografen-Kollegin treffen und natürlich freue ich mich auch auf die tolle Musik, die mich heute erwartet. Mit Herzklopfen betrete ich das Hallenstadion und Wowww, das Gefühl wieder hier zu sein übermannt mich. Die Halle ist mit gut 4000 Personen ordentlich gefüllt und das gemischte Publikum freut sich auf die zahlreichen fantastischen Acts heute. Viele sind festlich bekleidet in Dirndl und Lederhosen. Fast wie am Oktoberfest.
Es wird dunkel und pünktlich um 16:00 Uhr kann die Party beginnen.
Linda Fäh
Linda Fäh betritt strahlend die Bühne. Sie wurde dadurch bekannt, als im Jahr 2009 ihr Haupt das Miss Schweiz Krönchen zierte. Sie zeigt mit ihrem Gesang, dass sie nicht nur hübsch ist, sondern auch dass sie über die Jahre hinweg stark an sich und ihrem Gesang gearbeitet hat. Ich war positiv überrascht – im Gegensatz zu damals, als ich sie 2010 an einem Event hörte und wenig begeistert war. Aber heute kam nur noch ein «wow» über meine Lippen. Ihr neues Lied «Ringe anprobieren» hat sie während der Corona-Zeit geschrieben und dachte dabei viel an die Paare, die nicht heiraten konnten. Um sie ein bisschen zu trösten, schrieb sie diesen wunderschönen Song.
«So genug gesessen! Steht auf und singt und tanzt mit mir, denn so einen grossen Chor hatte ich schon lange nicht mehr.»
Gesagt, getan und das ganze Publikum steht, klatscht und singt mit Linda den Song «Lange, lange wach». Zum Schluss singt sie mit dem Publikum bekannte Titel wie «Wahnsinn» von Wolfgang Petry und andere Partykracher. Die Halle bebt und es ist einfach schön, wieder so eine grossartige Stimmung zu spüren. Anschliessend moderiert Linda mit Bravur und Eleganz durch die Show heute Abend.
Calimeros
Eine legendäre Schweizer Band, die seit 45 Jahren die Krone des Schlagers tragen. Sie entstand 1976 aus einer Idee als Unterhaltungsband bei einem Vereinsabend des Sportclubs Uetendorf. Sie entführen uns in andere Welten und auf eine kleine Weltreise mit ihren Hits wie «Kreta», «Sommer, Sonne, Honolulu» und «Bahama Sunshine».
Natürlich dürfen sie ihren Hit «Du bist wie die Sterne so schön» nicht weglassen. Dieses Lied hat meine Kindheit geprägt, denn das war das Lieblingslied meines leider zu früh verstorbenen Papas. Es lief während den Autofahrten hoch und runter und ich sang immer mit. Damals konnte ich den Text noch. Das Publikum steht auf, die Handys leuchten und das ganze Hallenstadion schunkelt und singt mit. Die Stimmung ist aufgedreht und man spürt einmal mehr, wie sehr es die Zuschauer geniessen, nach so langer Zeit wieder an einem Konzert zu sein. Die Künstler ihrerseits freut es, endlich wieder aufzutreten und ihre Liebe zur Musik mit den Besuchern zu teilen.
«Es ist sooooo schön, wieder auf der Bühne zu sein und für so ein grosses Publikum zu singen. Meine Frau ist auch froh darüber. So muss sie nicht immer das gleiche hören.»

Die Schlagerpiloten
Da Ross Antony wegen einer TV-Show abgesagt hat, flogen die schick gekleideten Piloten ins Hallenstadion. Doch wer sind diese schicken Piloten, fragte ich mich. Die Gruppe gibt es seit 2018 und besteht aus bereits etablierten Künstlern. Musik-Produzent Stefan Peters, Komponist und Produzent Frank Cordes sowie der professionelle Tänzer Kevin Marx bereichern die Gruppe.
«Wir freuen uns, heute bei euch zu sein und lassen die Halle beben, so dass man uns bis zum Nordpol hört.»
Die Piloten nehmen uns mit ihren schönen Songs wie «Die Sterne von Santo Domingo» auf Reisen mit. Dass sie Profis sind, merkt man, denn sie flirten fleissig mit unseren Kameras und dem Publikum. Dieses tanzt in den Gängen und niemand sitzt mehr beim nächsten Song «Ich schick Dir einen Ballon». Von der Bühne tönt es: «Singt lauter ich höre euch nicht, denn ich bin nicht mehr der Jüngste.» Im Saal wird es immer lauter und mit dem Song «Amore mio» verabschieden sie sich.
Die Draufgänger
Fesche Jungs in Lederhosen und eine junge Dame betreten die Bühne. Eine Band mit Geschichte in der Schlagerwelt. Gegründet wurde sie im Jahr 2002, aber bekannt wurden sie 2007 durch ihren Auftritt beim Grand Prix der Volksmusik, wo sie überraschend das Finale erreichten. Durch die fesche und spritzige Art der Österreicher erobern sie die Herzen des Publikums in Sekundenschnelle. Ich liebe ihre Musik, da ich selbst halbe Steiermärkerin bin und ihre Musik mir ein Gefühl von Heimat übermitteln.
Ihr heutiger Auftritt mit ihrem neuen Song «Mars», der erst vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde, bringt die Konzertbesucher in Fahrt. Aber vielleicht ist es auch das Bier, das in Strömen fliesst. Sie spielen einige ihren bekannten Songs wie «Cordula Grün», «Küss die Hand, schöne Frau» und weitere Titel. Ihre steirische freundliche Art lässt die Herzen der Anwesenden höherschlagen. Ganz besonders, wenn sie jemanden aus dem Publikum zum Jodeln auf die Bühne holen, um herauszufinden, ob die Schweizer oder Österreicher besser jodeln können. Wer gewinnt? Natürlich die Österreicher.
Mein Lieblingssong ist «Happy Wife - Happy Life», was natürlich stimmt. Wenn die Frau glücklich ist, ist es auch der Mann. Das gilt auch in meinem Leben. Mein Fazit steirische Musik auf höchstem Niveau mit viel Humor und Spass der tollen Band, immer gerne wieder anzuschauen und natürlich zu hören.
Nik P.
Bei ihm ist Romantik garantiert und seine 20 Bühnenjahre sind deutlich zu spüren. Er und seine Band füllen das Hallenstadion mit ihrer unvergesslichen Präsenz. Nik P. singt den Hit «Ein Stern», den er komponierte, aber vor allem durch DJ Ötzi bekannt wurde. Der Titel ist einer meiner Lieblingssongs und als Teenager half er über viel Kummer hinweg. Das Publikum steht, die Lämpchen leuchten und an manchen Orten wird ein Tränchen verdrückt. Nicht umsonst wird er als Romantiker des Schlagers bezeichnet, denn seine Lieder berühren das Herz.
«Ohne Wenn und Aber», «Geboren um dich zu lieben», «Wo die Liebe deinen Namen ruft» sind nur einige Hits, die ihn bekannt machten. Wenn er singt, bekomme ich Gänsehaut. Man muss ihn einfach live gehört haben.
Jürgen Drews
Der Star vom Ballermann; und so fühle ich mich gerade. Das Publikum ist ganz euphorisch, als der 76-jährige Drews die Bühne betritt. Aber kurz darauf enttäuscht er wieder, als er nach nur 3 Songs die Bühne wieder verlässt. Er kommt dann aber nochmal zurück, weil er noch für weitere Lieder Zeit hatte. Die Stimmung wird zum Glück wieder besser, als er seine Titel «Ein Bett im Kornfeld», «Ich bau dir ein Schloss», «Ich bin der König von Mallorca» zum Besten gibt. Seine Songs kennt jeder und sind richtige Partykracher.
Das Publikum ist ausgelassen und spürt im Herzen die Sonne von Mallorca. Auch Drews selbst zeigt uns, warum er die Krone von Mallorca verdient hat. Man merkt ihm sein Alter nicht an, als er auf der Bühne kniet und tanzt. Der letzte Song «Wenn die Wunderkerzen brennen» erklingt, ein wunderschöner Titel, den manches Liebespaar am Flughafen begleitet, wenn die eine Hälfte auf Reisen muss. Ein krönender Abschied des Königs von Mallorca.

Matthias Reim
Eine weitere Legende betritt die Bühne. Fans bringen ihm Babyschuhe an die Bühne, weil ihm seine Frau Christin Stark sein siebtes Kind schenkte. Er ist sichtlich gerührt. Reim hat bereits 6 Kinder von 5 Frauen. Auf seinen Auftritt habe ich mich besonders gefreut, da ich als Teenager ein grosser Fan war und jedes Lied mitsingen kann. Mit seiner Debüt-Single «Verdammt, ich lieb’ Dich» wurde er über Nacht im deutschen Raum bekannt.
«Es ist so geil, wieder hier im Hallenstadion zu sein. Glaubte nicht mehr daran, nach bald 38 Jahren hier nochmals zu spielen, als noch die Fahrrad-Rennbahn hier drin war und die Holzböden über dem Eisfeld geknarrt haben. Ich dachte, ihr wollt mich nicht mehr.“
Das Publikum antwortet darauf lautstark: «Nein, sicher nicht». Er stimmt den Song «Sowieso für dich das Letzte» an und die Zuschauer toben. Seine Lieder sind ehrlich und aus dem Leben. Sie handeln von Liebeskummer wie zum Beispiel der Titel «Einsamer Stern», über Freundschaft und alltägliche Situationen. Deshalb wird er von Erfolg gekrönt und ist so nahe den Fans. Einer der neusten Tracks hat er in der Corona-Zeit geschrieben: «Nächsten Sommer» ist ein berührender Song. Natürlich darf «Verdammt, ich lieb’ Dich» nicht fehlen. Niemand ist mehr zu halten. Die feschen Mädels in ihren Dirndln tanzen jeden Mann an und machen nicht mal vor der Security halt. Für mich eines der grossen Highlights heute Abend.
Melissa Naschenweng
Ein Kärnten Girl, das lieber Lederhose trägt statt einem Dirndl. Schon die Kleinsten zählen zu ihren Fans. Wie zum Beispiel ein Junge, der auf den Schultern seines Vaters sitz. Melissa lädt ihn auf die Bühne ein und sie singen zusammen ein Lied. Der Kleine ist ungefähr 5 oder 6 Jahre alt und singt textsicher mit.
Melissa wirbelt auf der Bühne herum und ist kaum zu bremsen. Für mich ist sie ganz klar die österreichische Helene Fischer. Ohne ihre Herzel-Harmonika ist Melissa nur ein halber Mensch. Seit ihrer Kindheit steht die 30-Jährige auf der Bühne, die aus einer Musiker-Familie stammt. Ihre Songs sprühen nur so von Energie. Titel wie «I steh auf Bergbauernbuam», «Dein Herz verliert», «LederHosenRock» zeigen ihre die wahre weibliche Emanzipation. Das Publikum ist während ihrer Show total aus dem Häuschen und feiert das österreichische Dirndl.
Beatrice Egli
Die Schweizer Helene Fischer: Sie ist die erste Schweizerin mit Platz eins in den deutschen Single Charts – und natürlich auch bei uns in der Schweiz. Ein richtiger Fan wurde ich eigentlich erst letztes Jahr, als sie «Mini Schwiiz, mini Heimat» veröffentlicht hat.
«Während der Pandemie habe ich die Schweiz erforscht und entdeckt, dass es ein so schönes Land ist. Dies ist ein besonderer Moment, das Lied endlich live vor Publikum zu singen. Die Freude ist unbeschreiblich.»
Ein wunderschöner Song, der bei mir viele Emotionen und Gänsehaut auslöst. Besonders ihre Texte, die immer eine Geschichte haben und den Menschen viel Freude und Trost schenken im Leben. Beatrice Egli sagt: «Liebe dich selbst, denn es ist egal was andere Leute sagen oder denken. Denn DU bist wichtig und wenn du dich selbst liebs,t kommt alles gut.“ Sie stimmt den Titel «Alles was du brauchst» an, gefolgt von «Ganz egal». Ihr grösstes Abenteuer war aber die Besteigung des Matterhorns, obwohl es nicht immer einfach war. Zu diesem Erlebnis hat sie das Lied «Matterhorn» geschrieben. Beatrice ist so nahbar und verstellt sich nicht auf der Bühne, so dass ihr am Schluss die Sprache wegbleibt und die Tränchen nur so kullern. Aber es ist genau das, was sie Herzen berührt, weil sie nichts verstecken muss und Emotionen zeigt. Für mich eine der emotionalsten Momente dieses Abends.
Stubetegäng
Ich durfte schon vor kurzem über die Stubetegäng berichten, als ich am Mutschellen Fest war. Für mich immer noch eine der besten Familienbands der Schweizer Musikgeschichte. Heute sind sie ein bisschen nervös, denn sie sind dieses Jahr von 0 auf 100 richtig durchgestartet. Vor 4000 Leuten im Hallenstadion zu spielen hätten sie sich nie erträumt. Klar, ihre Musik mit Comedy macht Songs wie «So eini wie du», «Göschene Airolo», «Petra Sturzenegger» einfach unvergesslich.
Das war der letzte Akt und mittlerweile ist es 22:40 Uhr. Danke Stargarage und Hallenstadion für die tadellose Organisation. Beim nächsten Mal bin ich gerne wieder dabei, wenn es heisst: «Die grosse Schlagerparade kommt ins Hallenstadion».
Eventdatum: 30.10.2021
Location: Hallenstadion, Zürich
Text: Janine Schönbächler / szenemagazin.ch
Fotograf: Janine Schönbächler / szenemagazin.ch
Veranstalter: Stargarage
Zuschauerzahl: ca. 4000
Linda Fäh
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Calimeros
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Die Schlagerpiloten
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Die Draufgänger
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Nik P.
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Jürgen Drews
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Matthias Reim
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Melissa Naschenweng
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Beatrice Egli
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Stubetegäng
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