Italo-Rock vom Feinsten mit Gianna Nannini
Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Uns wird heute Abend Italo-Rock vom feinsten versprochen. Die Rockröhre Gianna Nannini spielt im bestuhlten Hallenstadion. Dies hält die Leute nicht davon ab, über die Hälfte der Show zu stehen.
Mit kleiner Verspätung gehen die Lichter im Hallenstadion aus und die Scheinwerfer an. Die Bandmitglieder kommen von links und rechts auf die Bühne. Gianna Nannini stösst mittig zu uns und eröffnet mit L'aria sta finendo, gefolgt von Primadonna und Revolution. Für uns Fotografen ist nun Schluss. Die hinter uns sitzenden Zuschauer begrüssen dies, wobei die Bühne genug hoch war, dass wir nicht wirklich störten. Schnell den Fotorucksack draussen abgeben und wieder retour in die Halle. Ich muss gestehen, ich bin kein ausgesprochener Fan von ihr, doch in meiner Jungend hörte man sie halt sehr oft am Radio und es gibt doch den einen oder anderen Song, den ich ganz gut finde. Den ersten den ich dann erkenne ist Profumo und ich reise langsam zurück in meine Kindheit. Zwei Jahre jünger ist das für mich wieder bekannte I maschi. Dieses Lied hat sogar etwas Schweizer Blut drin, denn es wurde vom Schweizer Produzenten Armand Volker mitproduziert
Gianna Nannini gehört definitiv zu den Alteingesessenen in der Rockgeschichte. Mein Mangel an Italienischkenntnissen hinderte mich aber damals als Jungspund nicht, ihr zu lauschen. Damals wie heute ist ihre rauchige Stimme ihr Markenzeichen. Bereits 1976 im Alter von 22 hat sie ihr erstes Studioalbum «Gianna Nannini» herausgebracht. Dazu kann ich leider keine Chartplatzierungen finden. Ihr erstes in den Schweizer Charts vermerktes Album ist «Puzzle», das während 15 Wochen in der Hitparade war und sogar Platz eins erreicht hat. Ohne jetzt irgendwelche Leute in irgendwelche Töpfe zu drücken, damals hatte es in der Schweiz wesentlich mehr aus Italien Stammende als heute. Dies zeichnete sich auch in den Charts ab. «Profumo» und «Malafemmina» erreichen Platin, jedoch können nie den Platz eins erobern.
Zu dieser Zeit war der Name Nannini nicht nur aus der Musikwelt bekannt, sondern auch im Sport. Ihr Bruder fährt in den 80er- und 90er-Jahren Autorennen. Von 1986 bis 1990 dann in der höchsten Motorsportklasse, der Formel 1. Ihre späteren Alben sind zumindest in der Schweiz nicht mehr ganz so erfolgreich. Das im Jahr 2011 erschienene «Io e te» schafft es auf Platz vier, erhält aber keine Auszeichnung. Dafür das Album «Grazie» aus dem Jahre 1996. Es schaffte es zwar nur bis auf Platz 12, wurde dennoch mit Gold ausgezeichnet. Für die Fussball-WM 1990 schrieb sie mit Eduardo Bennato den WM-Eröffnungssong Un’estate italiana. Zum Film Momo von Michael Ende lieferte sie den Soundtrack. Nach verschiedensten Experimenten mit der elektronischen Musik kehrt Nannini zu ihrem 30. Bühnenjubiläum wieder zur Rockmusik zurück. Meine erste direkte Begegnung mit ihr hatte ich 2015 am Rock meets Classic. Damals durfte ich auch eines meiner ersten Meet&Greets mit Rick Parfitt fotografieren.
Heute Abend werden vor allem Klassiker gespielt, so hören wir auch noch Scandalo, Noti senza curoe und Hey bionda. Jeder einzelne Song wird nach dessen Ende von den Anwesenden gefeiert und beklatscht. Spätestens bei Io steht das ganze Parkett und singt mit. Jeder weitere Song bringt mehr Leute zum Aufstehen, auch auf den Rängen. Zeitlich springt sie mit ihren Canzoni in der Zeit umher. Fotoromanza gehört dann wieder zu den älteren Stücken. Spätestens bei Bello e impossibile gibt es kein Halten mehr. Rund um mich herum stehen alle und tanzen mit. Auch America und Latin Lover sind zwei Hits, die mir wieder etwas sagen und in Erinnerungen an die Ferien in Rimini wecken. Danach stellt sie die Band vor und sie verlassen die Bühne. Das Publikum fordert mit Klatschen, Stampfen und Rufen eine Zugabe.
Nachdem sie sich verabschiedet hat und von der Bühne gegangen ist, wird eifrig umgebaut. Es wird eine Harfe aufgestellt und alles für deren Einsatz vorbereitet. Für den heutigen Abend wurde uns ein Special Guest angekündigt. Noch bevor sie retourkommen, geht bei uns die Raterunde los, wer es sein könnte: Ramazotti, Jovanotti oder Pausini? Die Band kommt wieder auf die Bühne und Gianna stellt einen für sie grössten Musiker vor (so weit wie mich mein Italienisch bringt), Andreas Vollenweider. Begleitet wird er von einer Cello-Spielerin. Zusammen stimmen sie Meravigliosa Creatura an. Nach dem Song zieht Vollenweider wieder von dannen und Nannini spielt noch vier weitere Zugaben, Sei nell’anima, Volare und Aria. Der letzte Zugabesong hat es nicht mal auf die offizielle Setlist geschafft, sie beendet die Show mit Un’estate italiana. Mit der Show vom 2.12. in Genf beendet sie ihre In teatro-Tour 2022.
Eventdatum: 01.12.2022
Fotograf: Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Location: Hallenstadion, Zürich
Veranstalter: Gadget abc Entertainment Group AG
Zuschauerzahl: ca. 5500
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/977-italo-rock-vom-feinsten-mit-gianna-nannini#sigProId7113295e9b
Bilder Reto Turotti / ena
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/977-italo-rock-vom-feinsten-mit-gianna-nannini#sigProIdbe95157eef
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Marcel Kaul
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