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Football am Pfingstsonntag in Lugano, eine gute Idee?

Football am Pfingstsonntag in Lugano, eine gute Idee? Marcel Kaul / szenemagazin.ch

Für das zweitletzte Spiel in der regulären Saison reisen die Spartans am heutigen Pfingstsonntag nach Lugano. Ob dies eine gute Idee war oder ob sie ihre Energie im Stau vor dem Gotthard verlieren, das wird sich zeigen.

Wir haben schlechte Erinnerungen an Lugano. Letztes Mal wurden wir richtig heftig verregnet und mussten das Spiel sogar für längere Zeit unterbrechen. Heute sagt uns der Regenradar, dass wir vermutlich trocken bleiben werden. Obwohl genau heute die meisten froh wären, wenn es eine kurze Abkühlung gibt. Der Kunstrasen strahlt enorme Wärme ab und während dem Spiel höre ich viele sagen, dass es sich wie ein Brennen anfühlt. Der Coin-Toss geht an die Gastgeber, die sich für die Second Half Option entscheiden. Ihr Startkick wird von dem Spartans in Empfang genommen und beinahe bis an die 30 Yard-Linie getragen. Beide Teams bringen ihren ersten Run nicht durch und können jeweils kein neues First Down erzielen. Colin Anderaus Passspiel findet zwar einen Abnehmer, aber der trägt die falschen Farben: Die Rebels können ihre erste Interception verbuchen. Ihre Offense geht nun aufs Feld und sie versuchen ebenfalls ein Wurfspiel. Die Zurich State Spartans vergelten aber ihren vorherigen Ballverlust ebenfalls mit einer Interception, jedoch mit besserer Position auf dem Feld als sie vorhin hatten. Ihr Angriffsspiel startet nun an der gegnerischen 35 Yard-Linie. Es folgt ein weiterer Wurf mit Ziel Philipp «Garti» Gartmann. Er wird jedoch überworfen und somit gibt es noch kein neues First Down. Es kommt zu einem weiteren Angriffswechsel, da die Spartans ihren Run nicht erfolgreich beenden.

Die Gastgeber scheitern erneut mit ihren ersten drei Versuchen, die 10 Yards zu überwinden. Im Vierten stellen sie sich zum Punten auf, doch ihr Kicker lässt den Ball fallen und kann ihn nicht loswerden. Unterdessen sind unsere Defensive-Linemänner im Anmarsch und ich sehe einen ganz ungewohnten Ballaufleser. Michi Egli schnappt sich den Ball und rennt, was er aus seinen Beinen herausquetschen kann, und schafft es bis in die Endzone. Die Freude und Erstauntheit sind gross. Ich gehe mal davon aus, dass dies sein erster Touchdown ist. Der Fieldgoalkick wird wird abgeblockt und so verpassen die Spartans den Zusatzpunkt. Nicht nur Michi ist gerannt, auch die Zeit verstreicht. Wir haben nicht mehr ganz drei Minuten auf der Spieluhr im ersten Viertel und es steht 0:6. Dann sehe ich wieder einen verdrehten Fuss und es kommt zu einem Spielunterbruch. Dieser dürfte etwas länger dauern, da es nicht ein Spieler ist, der am Boden liegt, sondern die Seitenlinien-Schiedsrichterin, die auch die Chain-Crew leitet. Was ist passiert? Die Rebels sind in der Vorwärtsbewegung und Dylan Wohler stürzt sich auf den Ballträger. Er verfehlt ihn knapp und rollt auf dem Boden, dann nach rechts weg in Richtung der Schiedsrichterin. Sie hat jedoch nur das Geschehen der stehenden Spieler im Blickfeld und übersieht Dylan, der sie inzwischen rollend erreicht hat. Sie bleibt mit ihrem Fuss an ihm hängen und stolpert über ihn hinweg. So wie ich es gesehen habe, ist daraufhin noch ein Rebels-Spieler über sie hinweggerollt und hat die Sache nicht besser gemacht.

Schnell stellen die beiden anwesenden Sanitäterinnen fest, das können sie nicht alleine händeln, sie brauchen Verstärkung. Der Krankenwagen wird gerufen, doch da in Lugano gerade alle unterwegs sind, muss der aus Bellinzona herbeieilen. Nach meinem kurzen Kontrollblick über den Platz stelle ich fest, dass weder eine Tragbahre noch ein Rollstuhl vorhanden sind.  Sie wird nach der Ankunft des Krankenwagens und Notarztes vorsorglich verarztet und dann mit einem Tuch auf die Rollbahre gehoben und unter Beifall aller Anwesenden vom Platz gerollt. Der eigentlich seinen freien Tag geniessende Schiedsrichter Andreas Schröder, der das Spiel als Gast schaute, wurde kurzerhand als Backup herbeigeholt. Inzwischen habe ich erfahren, dass die Schiedsrichterin einen doppelten Beinbruch im Unterschenkelbereich hat. Grüsse und Genesungswünsche gehen von uns natürlich raus. Nach einer kurzen Aufwärmung wird das Spiel nach ziemlich genau 45 Minuten wieder fortgesetzt. Ein erstes Mal zeigt Davide De Lucia sein Können und beschert den Spartans zweimal hintereinander ein neues First Down. Zu guter Letzt bleibt den Gästen aber nur der Fieldgoalversuch mit möglichen drei Punkten, aber dieser ist leider nicht erfolgreich. Der Whitehead hebt den Ball in die Luft, dreht ihn und zeigt uns damit den Seitenwechsel und das Ende des ersten Viertels an.

Die Rebels können gut in das zweite Viertel starten und rücken der gegnerischen Endzone immer näher. Ein weiter Pass bringt sie an die 20 Yard-Linie und wegen einem illegalen Tiefblock brummen die Schiedsrichter den Spartans noch eine 15 Yard-Strafe auf. Diese wird dann auf halbe Goaldistanz geändert und so starten die Gastgeber von der 10 Yard-Linie aus. Die #89 der Rebels erhält den Ball und kann in die Endzone eindringen, Touchdown. Auch der Zusatzpunkt mit dem Fieldgoal sitzt und es steht nun 7:6 für die Lugano Rebels. Ihr Kick wird von Fabio Ernst in Empfang genommen und bis zur eigenen 34 Yard-Linie getragen. Dann haben sie jedoch Mühe, weiter zu kommen und es ist 3rd & 8 to go. Ein weiter Pass von Colin Anderau auf Philipp «Hägi» Hägeli, dieser tänzelt sich durch die Verteidigung und spurtet über das ganze Feld bis in die Endzone. Es steht nun 7:13 nach dem verwerteten Fieldgoal. Wenn eine Uhr vorhanden wäre, würde diese noch Fünf Minuten anzeigen, stattdessen erfahre ich dies von den Schiedsrichtern. Geschätzt hat es etwa 50 Fans, die sich um das Spielfeld herum platziert haben, einige von ihnen mit aufgespannten Regenschirmen. Nein, nicht weil es regnet, sondern weil die Sonne mittlerweile ordentlich auf uns niederbrennt. Der Rebels QB sieht seinen Wide-Receiver und passt auf ihn. Nicola «Ibra» Gall steigt jedoch höher und sorgt für einen Incomplete Pass. Nachdem die Rebels erneut den Ball nicht kontrollieren können und der geplante Kick misslingt, kommt es sogar zu einem Fumble für die Spartans und sie können an der eigenen 38 Yard-Linie in den Angriff übergehen. Dieser bringt aber keine Resultatänderung, denn kurz nach dessen Beginn endet schon die erste Halbzeit und wir gehen mit dem 7:13 in die Pause. Der Hunger treibt mich dann an den Grillstand, wo ich mir einen Burger gönne. Er ist nicht schlecht, aber auch kein Gourmetburger, sondern er erfüllt den Zweck, mir den Hunger zu stillen. Heute müssen wir auf eine Halftimeshow verzichten, denn die Cheerleader sind nicht mit nach Lugano gereist.

 

Bild:  Marcel Kaul / szenemagazin.ch

 

Die zweite Hälfte beginnt mit viel Bewegung. Diese wird jedoch nicht durch Spielzüge ausgelöst, sondern durch ausgesprochene Strafen. So gibt es auf Seite der Rebels eine Fünf Yard-Strafe und auf Seite der Spartans 40 Yards wegen Facemask, unsportlichen Verhaltens. Inzwischen stehen die Rebels fünf Yards von der Grundlinie entfernt. Trotz den nur noch fünf fehlenden Yards tun sich die Rebels sehr schwer. Die #58 Yannic «Yänne» Brülhart bringt jetzt sogar den QB der Rebels zu Boden und zeigt mit Blick zu uns seine Freude, nachdem er dem Whitehead einen kurzen Blick gewidmet hat. Dies vermutlich, um zu checken, ob dieser etwas gegen das Tackle hat. Dieser Blick wird jedoch vom Schiedsrichter anders gewertet und wirft die gelbe Flagge. Verdikt, ein zweites unsportliches Benehmen von Yänne in Folge, ja dasjenige von vorhin war auch von ihm, daraus resultiert nun sein Spielausschluss. Nun startet eine grosse Diskussion, ob dieser Ausschluss rechtens war. Der Entscheid bleibt und Yänne muss unter die Dusche und kann beim nächsten Spiel erst ab dem dritten Viertel mitmachen. Die Rebels scheinen nun etwas verwirrt zu sein, denn sie lassen einen Fumble zu. Somit übernehmen die Spartans wieder das Spiel an der eigenen 6 Yard-Linie. Der aufgestaute Frust und Ärger lassen die Spartans jetzt raus. Colins Pass landet wieder bei Hägi und wieder kann dieser über das ganze Feld laufen und das Resultat auf 7:19 erhöhen. Der Fieldgoal-Kick landet an der rechten Aussenseite des rechten Torpfostens. Es bleibt also bei 7:19 mit noch 2:30 auf der Uhr als Resultat. Die Rebels sind erneut im Angriff und aus unserer Sicht hat Ibra eine Interception gefangen. Von den Schiedsrichtern wird diese jedoch nicht gegeben, da der Ball vorher den Boden berührt hat. Die konnten wir natürlich nicht sehen, da Ibra uns den Rücken zugewendet hatte. Doch Jan Bachmans Interception ist regulär und zählt. Dadurch müssen die Gastgeber ihr Angriffsrecht wieder abgeben. Bei 4th und 6 folgt der letzte Seitenwechsel und wir starten das vierte Viertel.

Die Spartans bringen den vierten Versuch nicht durch und dafür können die Rebels Yards gutmachen. Sie haben ein neues First Down an der gegnerischen 29 Yard-Linie herausgespielt. Wir sehen einen Late-Hit der Spartans und mit der daraus resultierenden Strafe können die Gastgeber an der 9 Yard-Linie ihren Versuch zum Touchdown starten. Noel Schmid hätte beinahe eine Interception fangen können, doch er greift knapp daneben. Sein Ärger ist grösser als die Distanz zum Ball betrug. Eine Defense Pass-Interference bringt die Rebels nochmals näher und sie starten einen neuen Versuch an der 4 Yard-Linie. Wieder entscheiden die Schiedsrichter gegen die Spartans, denn sie sehen den Ball in der Endzone und geben den Touchdown der Rebels. Ich stehe vielleicht 50cm links vom Linesman und bin der Meinung, dass dem Ball mehrere Zentimeter gefehlt haben, doch auch hier scheint der Blickwinkel entscheidend zu sein. Das anschliessende Fieldgoal bringt den Rebels den neuen Spielstand von 14:19 ein. Das Spiel dauert noch etwas mehr als sieben Minuten. Nach einem Hin und Her mit dem Angriffsspiel wären die Gastgeber wieder im Vorwärtsgang. Dieser wird aber mit einer Interception durch die Spartans unterbrochen. Es sind noch 2:39 Minuten zu spielen und aus Erfahrung wissen wir, dass der aktuelle Spielstand noch alles andere als zum Jubeln ist. Eigentlich hätte ich jetzt gesagt, dass die Zeit gegen die Rebels läuft, doch während die Spartans noch im Huddle den nächsten Spielzug besprechen, kommt von der gegnerischen Teamzone die Aufforderung zum Timeout. Ich bin etwas erstaunt über diesen Schachzug oder versucht der Coach der Rebels damit den Flow der Spartans zu stören? Bei 41 Sekunden auf der Uhr liegt der Ball auf der 10 Yard-Linie bei 4th & 4 to go. Die Spartans kommen nicht vorwärts und müssen das Spiel an der 14 Yard-Linie abgeben. Die Rebels bringen ihren Versuch erfolgreich durch und bekommen ein neues First Down. Da sie es eilig haben, ist für sie die Chain-Crew für ihren Geschmack viel zu langsam unterwegs. Was sie aber nicht bedenken, dass die eigentlich laufende Uhr während der Zeit des neu Platzierens der Kette kurz angehalten wird. Dennoch reicht es den Gastgebern nicht mehr zu weiteren Punkten und die Zurich State Spartans können das erste siegreiche Spiel in Lugano verbuchen. Zwar hat das Spiel auch wieder einen längeren Unterbruch gehabt, wie das letzte, doch diesmal nicht wegen Starkregen und Sturm, sondern wegen des Medical Issues.

Die Stimmung auf der nach Heimfahrt ist ausgelassen und es wird viel gesungen im Car. Dies jedoch erst nach Absprache mit dem Chauffeur, ob es ihn stören würde. Das nenn ich mal Rücksichtnahme, Jungs. Für das vermutlich letzte Spiel der regulären Saison reisen wir am 17.6.23 nach Niederbipp zu den Ducks. Eine Entscheidung wegen des noch fehlenden Spiels bei den Orks ist noch nicht gefallen. Da die Emmen Dragons in ihrem gestrigen Spiel gegen die Ducks verloren haben, grüssen nun die Spartans vom ersten Platz.

 

 

Lugano Rebels vs. Zurich State Spartans:  14:19 (2:3) 

Mehr Infos im Gamecenter des SAFV.

 

Eventdatum: 28.05.2023

Fotograf:  Marcel Kaul / szenemagazin.ch

Location:  Sportstadion, Lugano

Veranstalter: Lugano Rebels

Zuschauerzahl: ca 50

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Marcel Kaul
Publiziert in Sport

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