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Zu viele Fehler, zu wenig Kontrolle – ZSC unterliegt Fribourg

Zu viele Fehler, zu wenig Kontrolle – ZSC unterliegt Fribourg Reto Turotti / szenemagazin.ch

Ausverkaufte Swiss Life Arena, grosse Erwartungen – doch der ZSC enttäuscht. Fahriges Spiel, haarsträubende Fehlpässe und kaum Struktur im Aufbau machen Fribourg-Gottéron einmal mehr zum Sieger. Der vierte Saisonsieg der Romands gegen die Lions wirft unangenehme Fragen auf.

Schon lange vor dem ersten Bully füllt sich die Arena mit Erwartung, Stimmen hallen durch die Gänge, die LED-Bänder flackern, das Eis glänzt makellos. Doch was folgt, ist kein Hockeyfest – sondern eine zunehmend zähe Vorstellung der ZSC Lions.

Der Start ist noch ordentlich, zumindest auf dem Papier. Der ZSC sucht den Weg nach vorne, versucht Tempo aufzunehmen, presst früh. Doch schon in den ersten Wechseln wird sichtbar, was den ganzen Abend prägen soll: fehlende Abstimmung. Der erste Pass aus der eigenen Zone kommt nicht an, der zweite ist unpräzise, der dritte landet beim Gegner. Die Lions wirken fahrig, nervös, fast gehetzt. Als hätte jemand den Rhythmus aus dem Spiel gezogen, bevor er überhaupt entstehen kann.

Fribourg-Gottéron nimmt diese Einladung dankend an. Die Gäste stehen kompakt, tief, diszipliniert. Keine wilden Vorstösse, kein unnötiges Risiko. Sie lassen den ZSC kommen – und beobachten genau. Jeder Fehlpass, jede missglückte Auslösung wird sofort attackiert. Die Romands brauchen keine langen Angriffe, sie leben von den Momenten. Von Unordnung. Von Unsicherheit.

Im ersten Drittel häufen sich die Szenen, die sinnbildlich sind für diesen Abend. Ein ZSC-Verteidiger blickt hoch, sucht die Option – und spielt den Puck trotzdem blind ins Zentrum. Ein Stürmer startet, der Pass kommt zu spät. Ein einfacher Aufbau über zwei Stationen misslingt. Wenn zwei Pässe hintereinander ankommen, wirkt es fast wie eine gelungene Kombination. Das Publikum merkt es, wird unruhig, versucht mit Lautstärke zu helfen. Doch Lautstärke ersetzt keine Struktur. Fribourg bleibt ruhig. Sie verschieben sauber, blockieren Schusslinien, räumen vor dem eigenen Tor konsequent auf. Vorne sind sie effizient, direkt, ohne Schnörkel. Jeder ZSC-Scheibenverlust wird sofort in Geschwindigkeit umgemünzt. Ein schneller erster Pass, ein Lauf in die Tiefe, ein Abschluss aus guter Position. Es ist kein dominantes Spiel der Gäste – aber ein kontrolliertes.

Im zweiten Drittel verschärft sich das Bild. Der ZSC rennt an, Fribourg kontrolliert. Die Lions versuchen es nun vermehrt über Einzelaktionen. Tempo über die Flügel, Dribblings, schnelle Richtungswechsel. Doch ohne Unterstützung laufen sich diese Aktionen fest. Zu oft endet ein Angriff an der Bande, zu oft fehlt der nachrückende Mitspieler. Die Abstände stimmen nicht, die Staffelung bricht auseinander. Defensiv offenbart der ZSC Schwächen im Umschaltspiel. Nach eigenen Angriffen ist die Ordnung nicht da, die Rückwärtsbewegung zu langsam. Fribourg erkennt das und setzt gezielt Nadelstiche. Keine Hektik, kein Spektakel – sondern Geduld und Präzision. Genau das, was den Lions fehlt. Im Schlussdrittel wächst der Druck. Die Checks werden härter, die Körpersprache aggressiver. Auf der Bank wird gestikuliert, auf dem Eis gefordert, geschoben, gearbeitet. Die Lions wollen, sie versuchen alles. Doch das Spiel bleibt zerfahren. Zu viele Aktionen sind einen Tick zu spät, einen Meter zu ungenau. Vor dem Tor fehlt die letzte Entschlossenheit, der klare Abschluss. Chancen sind da – zwingend sind sie selten.

Bild: Reto Turotti / szenemagazin.ch

 

Fribourg lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie spielen die Zeit clever herunter, ohne passiv zu werden. Jeder Wechsel ist sauber zu Ende gespielt, jeder Puck tief gebracht, jede Situation entschärft. Als die Schlussminuten anbrechen, liegt keine Aufholstimmung in der Luft, sondern Ernüchterung. Mit der Schlusssirene ist klar: Fribourg-Gottéron feiert den vierten Sieg gegen den ZSC in dieser Saison. Eine Statistik, die längst kein Zufall mehr ist. Die Romands scheinen zu wissen, wie man die Lions aus dem Konzept bringt – und der ZSC findet erneut keine Antwort.

Dieser Abend ist mehr als eine Niederlage. Er ist ein Spiegel. Talent ist vorhanden, Wille ebenfalls. Doch ohne Ordnung, ohne sauberen Spielaufbau und ohne Präzision im Passspiel wird selbst ein Heimspiel vor ausverkaufter Kulisse zur Geduldsprobe. Für Fribourg ist es ein weiterer Beweis ihrer Reife. Für den ZSC ein deutliches Warnsignal – laut genug, dass man es nicht überhören darf.

 

 

ZSC Lions vs. Fribourg-Gottéron: 3:4 (0:2 | 2:0 | 1:1 | 0:1)

Schüsse aufs Tor: 34:28 (13:7 | 6:14 | 12:5 | 3:2)

Details zum Spiel: Gamecenter SIHF 

Aufstellung: TeamRoster

 

Eventdatum: 24.01.2026

Fotograf:  Reto Turotti / szenemagazin.ch

Location:  Swisslife Arena, Zürich

Veranstalter: ZSC Lions

Zuschauerzahl: 12000

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Reto Turotti
Publiziert in Sport

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