Die Ausgangslage ist klar. Es ist ein Direktduell um die Spitzenplätze, ein Spiel mit Signalwirkung – auch mit Blick auf das Heimrecht in den Playoffs. Und genau in diesen Momenten zeigt sich, wer bereit ist. Der ZSC tritt an, doch am Ende verlässt er das Eis als Verlierer – fahrig, unpräzis, ohne letzte Konsequenz. Von Beginn an ist zu spüren, dass die Intensität stimmt. Die Zweikämpfe werden hart geführt, die Bandenarbeit ist kompromisslos. Doch während Genève-Servette strukturiert und zielstrebig agiert, wirkt das Spiel der Zürcher phasenweise zerfahren. Pässe geraten zu ungenau, Scheiben verspringen in der Vorwärtsbewegung, im Slot fehlt die letzte Entschlossenheit.
Und dennoch: Der ZSC geht zweimal in Führung
Vinzenz Rohrer setzt ein erstes Ausrufezeichen. Mit Tempo und Mut zieht er vors Tor und zwingt die Genfer Defensive in die Rückwärtsbewegung. Kurz darauf ist es Juho Lammiko, der nach seiner Rückkehr erstmals wieder trifft. Sein Tor ist ein emotionaler Moment, ein kleines Zeichen des Aufbruchs. Die Lions führen – und die Halle glaubt an die Wende.
Doch diese Führung hat keinen Bestand. Die Genfer reagieren nicht hektisch, sondern mit kühler Präzision. Vor allem ein Name sticht heraus: Jesse Puljujärvi. Der Finne ist überall präsent, nutzt Räume, die sich im Zürcher Defensivverbund auftun, und bestraft jede Unachtsamkeit. Zwei Tore, ein Assist – eine Leistung, die das Spiel kippen lässt. An seiner Seite orchestriert Sakari Manninen das Powerplay mit Übersicht und Geduld, während Markus Granlund mit zwei Assists die Fäden zieht.
Genau dort liegt der Unterschied. Im Überzahlspiel
Zweimal sitzt ein Zürcher auf der Strafbank – zweimal schlägt Genève-Servette eiskalt zu. Die Scheibe läuft schnell, präzis, mit klarer Struktur. Der ZSC hingegen wirkt im Boxplay einen Schritt zu spät, verliert die Zuordnung, lässt Schussbahnen offen. Die Special Teams entscheiden dieses Spiel. Dabei kämpfen die Lions mit personellen Sorgen. Denis Malgin fehlt ebenso wie Patrick Geering und Willy Riedi. Drei Stützen, die Struktur und Stabilität bringen würden. Doch Ausreden greifen zu kurz. Der Doppelmeister findet schlicht kein Mittel gegen die Genfer Effizienz. Vor dem gegnerischen Kasten sündigen die Zürcher immer wieder. Chancen sind da – gute sogar. Ein Rebound springt frei durch den Slot, ein Querpass findet die Kelle im letzten Moment nicht, ein Abschluss zischt knapp am Pfosten vorbei. Es fehlt die letzte Kaltblütigkeit. Während die Genfer ihre Möglichkeiten konsequent verwerten, bleibt der ZSC im Ansatz stecken. Mit zunehmender Spieldauer schleicht sich Unsicherheit ein. Die Pässe werden vorsichtiger, die Angriffe berechenbarer. Genève-Servette hingegen tritt mit Selbstvertrauen auf, gewinnt wichtige Bullys, kontrolliert die neutrale Zone und zwingt den ZSC immer wieder zu Fehlern im Aufbau. Als Puljujärvi erneut zuschlägt, kippt die Partie endgültig. Die Körpersprache der Zürcher verrät Frust. Es ist nicht mangelnder Wille – es ist fehlende Präzision in den entscheidenden Momenten. Und auf diesem Niveau wird genau das bestraft.
Die Niederlage schmerzt doppelt
Nicht nur, weil ein direkter Konkurrent Punkte mitnimmt, sondern weil die Tabelle enger zusammenrückt. Das Heimrecht in den Playoffs ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Spiele wie dieses können im April den Unterschied machen. Genève-Servette zeigt an diesem Abend, wie Playoff-Hockey funktioniert: diszipliniert, effizient, kompromisslos im Powerplay. Der ZSC hingegen muss sich fragen, warum er trotz zweimaliger Führung die Kontrolle nicht halten kann. Die Antwort liegt in Details – im Überzahlspiel, in der Chancenverwertung, in der defensiven Zuordnung. Kleine Fehler, grosse Wirkung. Die Lions verlassen das Eis mit gesenkten Köpfen. Noch ist nichts entschieden. Doch die Botschaft dieses Abends ist deutlich: Wer im Frühling bestehen will, darf sich solche Phasen der Unkonzentriertheit nicht leisten.
ZSC Lions vs. Genève-Servette HC: 2:3 (2:1 | 0:1 | 0:1)
Schüsse aufs Tor: 22:22 (7:9 | 7:7 | 8:6)
Details zum Spiel: Game Center SIHF
Aufstellung: Teamroster
Eventdatum: 28.02.2026
Fotograf: Reto Turotti / szenemagazin.ch
Location: Swiss Life Arena
Veranstalter: ZSC Lions AG
Zuschauerzahl: ausverkauft
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