Der EVZ schreibt Geschichte - Finalissima EVZ vs. ZSC
Reto Turotti / szenemagazin.ch
Um 22:24 Uhr hat der EV Zug das Finalwunder geschafft und ist Schweizer Meister 2022 geworden. Noch nie ist es einer Schweizer Mannschaft gelungen, in einer Finalserie einen 3:0-Rückstand zu drehen. Zug hat nach dem 1:0 in der ersten Minute die Nerven behalten und dreht das Spiel zu ihren Gunsten.
Hammerstimmung rund um die Bossard Arena in Zug. Auf dem Platz vor der Arena schauen sich ca. 15’000 Zuschauer das Spiel auf Grossleinwand an. Drinnen im EVZ Eispalast sind 7‘200 untergebracht, die ihre Mannschaft während der ganzen Spielzeit lautstark anfeuern. Das Spiel beginnt furios. Bereits nach 15 Sekunden kommen die Zuger zur ersten Chance. In der 2. Minute kämpft Roe mit zwei Zugern hinter Genonis Tor, spielt dann den Puck mit der Rückhand in den Bullykreis, wo Azevedo goldrichtig steht und Genoni mit einem Flachschuss zwischen den Schonern erwischt. Wow, was für ein Auftakt in die Partie. Das Spiel ist lanciert und beide Mannschaften drücken mächtig aufs Gas. Es macht richtig Spass den Mannschaften zu zusehen, wie sie fighten und sich mit harten Checks an der Bande Respekt verschaffen. In der 18. Minute wird Gross von Webers Ellbogencheck niedergestreckt und erhält dafür zwei Minuten Abkühlung. Die Powerplay-Formation steht schnell und Jakub Kovar bekommt einiges zu tun. Simion spielt auf der linken Seite des Slots auf Jan Kovar. Dieser sieht den freistehenden Simion auf der rechten Seite und der bezwingt den ZSC-Keeper zum 1:1 Ausgleich.
Anfangs des zweiten Drittels werden die Hausherren von den Leuen im eigenen Drittel so richtig umzingelt und die Zuger haben Mühe, sich zu befreien. Die grösste Chance hat Hollenstein zum erneuten Führungstreffer der Lions, aber der Pfosten steht im Weg. Auch Roe kann aus bester Position kein Tor erzielen und langsam beginnt die Zeit gegen Lions zu laufen, als C. Baltisberger nach einem Haken gegen Allenspach auf die Strafbank muss. Eine Minute vor Ablauf schlägt es wieder im Gehäuse der Zürcher ein. Die Scheibe läuft perfekt durch den Slot der Gäste. Herzog steht auf der rechten Seite frei und erzielt in der 34. Minute mit einem satten Schuss in die hohe Ecke die Führung für den EVZ. Jetzt kocht die Stimmung in der Arena. Die Zürcher sind geschockt und bringen in den restlichen Minuten des zweiten Drittels nicht mehr viel zustande. Somit führen die Zuger nach vierzig Minuten mit 2:1 und den Lions bleiben noch zwanzig Minuten übrig, den Spielstand zu drehen, um doch noch Meister zu werden.

Jetzt sind es die Gäste, die richtigen Druck machen, leider aber nicht viel auf die Reihe bekommen, da immer wieder ein Zuger Stock dazwischenkommt. Genoni wird mit Schüssen eingedeckt, die er aber alle abwehren kann. Die Zeit rennt den Zürchern davon und Minute um Minute vergeht. Grönborg nimmt das Timeout und ist so sauer, dass er das Taktikboard zertrümmert. Zwei Minuten vor Schluss volles Risiko der Zürcher: Jakub Kovar geht vom Eis zugunsten eines weiteren Feldspielers. Aber es nützt nichts. Im Gegenteil, die Zuger machen alles klar mit dem 3:1 ins leere Tor der Lions - wiederum durch Simion. Für mich hat Simion so richtig Laune am Tore schiessen. Er verzeichnet in den Finalpartien sechs Treffer, nachdem Dan Tagnes die Linien umgestellt hat. Nach der Sirene fliegen Helme, Handschuhe und Stöcke durch die Gegend vor Freude. Alle Spieler und der Staff liegen sich in den Armen und feiern die erfolgreiche Titelverteidigung.
Nicht nur, dass der EVZ eine 0:3-Rücklage in einen 4:3-Sieg umwandelt ist eine Erfolgsgeschichte. Eine weitere ist die von Leonardo Genoni: es ist der siebte Meistertitel für den EVZ Goalie in seiner langen Karriere! In den Finalpartien gegen den ZSC hat er nur drei Gegentore erhalten! Wow, das ist eine Meisterleistung, die sicher auch auf das Konto seiner Vorderleute geht. Auf dem Eis wird das Podium aufgebaut, was aus meiner Sicht sehr lange dauert. Das tut aber der Stimmung keinen Abbruch. Die Zuschauer jubeln und singen auf den Rängen lauthals, während die gebeutelten ZSC-Spieler wie geschlagene Hunde auf dem Eis stehen und das unfassbare nicht begreifen können. Und jetzt zum neuen Schweizer Meister EV Zug: Aus den Händen von Denis Vaucher nimmt Captain Jan Kovar den Pokal entgegen und die damit verbundenen Feierlichkeiten beginnen mit den Ehrenrunden auf dem Eis in der Bossard Arena. Eine rührende Szene gibt es beim Shakehands der beiden Brüder Kovar. Der eine mit dem Meisterpokal und Goldmedaille und der andere mit leeren Händen! So brutal kann der Sport sein. Aber wie geht es jetzt weiter beim ZSC? Es ist eine historische Schmach, die das teuerste Kader der National League erlitten hat. Ist es eventuell eine Niederlage zuviel für Grönborg? Denn der Zürcher Coach hat in den drei Jahren keinen einzigen Titel gewonnen. Fertig mit diesen Vermutungen. Wir vom szenemagazin.ch gratulieren dem EV Zug zum Titelgewinn und hoffen, unseren Lesern auch in der nächsten Saison wieder über Eishockeyspiele berichten zu können. Wir wünschen allen einen grossartigen Sommer und bis bald.
EV Zug vs. ZSC Lions 3:1 (1:1 | 1:0 | 1:0)
Schüsse aufs Tor: 24:28 (8:6 | 3:8 | 13:14)
Details zum Spiel: Gamecenter SIHF
Aufstellung: TeamRoaster
Eventdatum: 30.04.2022
Fotograf: Reto Turotti / szenemagazin.ch
Location: Bossard Arena, Zug
Veranstalter: EV Zug
Zuschauerzahl: 7200
https://www.szenemagazin.ch/sport/item/811-der-evz-schreibt-geschichte-finalissima-evz-vs-zsc#sigProId2002681e08
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