Heino meets Cyberpunk 2077 am Iron Maiden
Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Am heutigen Abend leisten nicht nur die beiden Bands Höchstleistung. Auch die Klimaanlage des Hallenstadion wird vermutlich nahe dem roten Bereich arbeiten.
Das Konzert beziehungsweise dessen Besucher fallen mir schon am Bahnhof auf, als ich auf den Zug warte. Ich sehe mehrere Iron Maiden T-Shirts, aber auch einige Megadeth und AC/DC Freunde stehen auf dem Perron. Im Zug sitzend realisiere ich, dass beinahe die Hälfte des Wagens ans Konzert fährt. Überall ist die Vorfreude gross. Für einige ist heute Abend das erste Maiden-Konzert. Die Fotografentruppe sammelt sich vor dem Portiereingang und wird dann in die Katakomben des Hallenstadions begleitet.
Als erstes begrüsst uns George Harris und seine Band The Raven Age. Ihr Sound ist eher etwa von der dunkleren Art, weiss aber zu gefallen. George ist ein richtiges Energiebündel und steht keine Sekunde ruhig auf der Bühne. The Raven Age ist eine britische Metal-Band, die im Jahr 2009 gegründet wurde. Ursprünglich bestand die Band aus den Mitgliedern Dan Wright (Gitarre), George Harris (Gesang), Michael Burrough (Gitarre), Matt Cox (Bass) und Jai Patel (Schlagzeug). Besonders bekannt ist die Tatsache, dass George Harris der Sohn des Iron Maiden-Bassisten Steve Harris ist.
Die Band begann ihre Karriere mit intensivem Touren und dem Aufbau einer treuen Fanbase. Sie machten sich einen Namen in der Metal-Szene und gewannen rasch an Popularität. Im Jahr 2014 veröffentlichten sie ihre erste EP «Old Soul», gefolgt von weiteren Singles. 2017 brachten The Raven Age ihr Debütalbum «Darkness Will Rise» heraus, das von Fans und Kritikern positiv aufgenommen wurde. Das Album brachte ihren melodischen Metal-Sound zur Geltung und wurde von Einflüssen wie Iron Maiden, Trivium und Killswitch Engage geprägt.
Im Jahr 2019 folgte ihr zweites Album «Conspiracy», das den Erfolg ihres Debüts weiter ausbaute. Die Band ging auf ausgiebige Tourneen, traten als Vorband für Grössen wie Anthrax und Ghost und heute Iron Maiden auf und spielte an grossen Festivals weltweit. Seit ihrer Gründung hat sich The Raven Age als feste Grösse in der Metal-Szene etabliert und ihr energiegeladener Sound sowie ihre mitreissenden Live-Auftritte haben ihnen eine treue Fangemeinde eingebracht. Mit ihrer dynamischen Musik und ihrem stetigen Wachstum bleiben The Raven Age eine vielversprechende Band mit einer vielversprechenden Zukunft.
Also wenn ich etwas zu bemängeln habe, dann dass mehrheitlich alles in rotem Licht regelrecht ersäuft. Ansonsten gibt es nichts zu meckern. Die Band spielt beinahe eine Stunde, posiert für uns Fotografen, bis sie die Bühne freigeben für den Umbau. Das Stadion füllt sich immer mehr und es wird langsam eng. Die Veranstaltung ist knapp nicht ausverkauft. Etwa 13000 Zuschauer haben den Weg ins Hallenstadion gefunden.
In den Katakomben warten wir auf unseren zweiten Einsatz. Vom Veranstalter werden wir darauf hingewiesen, vorsichtig zu sein mit grossen Linsen nahe am Bühnenrand. Es könnte sein, dass wenn man mit der grossen Linse zu nah sei, dass dann ein Kick von Bruce gegen die Linse passieren könne. Da bin ich gerade froh, dass ich für einmal zusätzlich mein Weitwinkelobjektiv mitgenommen habe, das eine sehr kurze Bauweise hat. Wir begeben uns in den Graben und warten gespannt. Die Halle ist noch hell erleuchtet und die Bühne in gelbes Licht getaucht. Wie immer, ertönt Doctor Doctor als Intro. Danach folgt ein weiteres Intro, bei dem mir schon nach den ersten drei Tönen Bladerunner-Vibes aufkommen. Währenddessen werden die Bühnenaufbauten abgedeckt. Die ersten Klänge von Cought Somewhere in Time erklingen und nach dem Pyroknall erscheinen die Bandmitglieder auf der Bühne.
Bruce erscheint mit seinem langen, hellbraunen Mantel und einer sehr futuristischen Sonnenbrille. Genau das Utensil, dass wir Fotografen extrem lieben, neben den tiefsitzenden Hüten. Ich wage es dann doch mal, ganz an die Bühne heranzugehen, aber mit meinem Weitwinkel-Objektiv. Von Bruce kommt dann ein Blick und man sieht ihm dann an «Nee, das Ding treff ich nicht». Für dieses Mal etwas anderen Blickwinkel lehne ich auch bei den Gitarristen näher ran und Janick Gers holt zu einem Kick aus. Diesen aber für das Foto.
Mir fällt auf, dass Bruce nicht mehr ganz so aktiv über die Bühne sprintet. Noch bei der letzten Show springt er über die Boxen, rennt Treppen hinauf, wie von einer Hummel gestochen. Heute sind es dann eher Balanceübungen mit dem Mikrofonständer. Als zweiten Song wird Stranger in a strange Land von den Herren performt. Danach ist für uns Fotografen jedoch Schluss und wir ziehen uns zurück in die Katakomben, während Bruce zum Publikum spricht. Praktisch die gesamte erste Reihe scheint der Band nachzureisen, denn alle wissen genau was passiert und welcher Song kommt.
Jetzt gibt es für euch ein wenig Geschichtsunterricht: Iron Maiden, die legendäre britische Heavy-Metal-Band, hat seit ihrer Gründung im Jahr 1975 einen unauslöschlichen Eindruck in der Musikindustrie hinterlassen. Mit ihrer einzigartigen Mischung aus kraftvollem Gesang, fesselnden Gitarrensoli und epischen Geschichten sind Iron Maiden zu einer der einflussreichsten Bands des Genres geworden. Der Aufstieg von Iron Maiden begann in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren mit der Veröffentlichung ihres selbstbetitelten Debütalbums und dem von der Kritik gefeierten Nachfolger «Killers». Angeführt von ihrem ikonischen Frontmann Bruce Dickinson verschaffte sich die Band mit ihren theatralischen Live-Auftritten und ihrer energiegeladenen Bühnenpräsenz schnell eine treue Fangemeinde. Ihr drittes Album «The Number of the Beast» festigte ihren Status als Heavy-Metal-Pioniere und enthielt Hits wie Run to the Hills und The Number oft he Beast.
Iron Maidens musikalisches Können liegt in ihrer Fähigkeit, komplizierte Gitarrenharmonien, galoppierende Basslinien und donnernde Drums zu kombinieren und so einen unverwechselbaren Sound zu kreieren, der sofort erkennbar ist. Ihre Texte sind oft von Geschichte, Literatur und Mythologie inspiriert, was zu epischen Erzählungen führt, die den Hörer in andere Welten entführen. Alben wie «Powerslave», «Seventh Son of a Seventh Son» und «Brave New World» unterstrichen das kreative Genie der Band und zementierten ihr Vermächtnis als eine der grössten Heavy-Metal-Bands aller Zeiten. Über vier Jahrzehnte hinweg haben Iron Maiden immer wieder neue Musik veröffentlicht, unermüdlich getourt und neue Generationen von Fans angezogen. Ihr unerschütterliches Engagement für ihr Handwerk, ihre unvergleichliche Bühnenpräsenz und ihre zeitlosen Hymnen haben sie zu einer dauerhaften Grösse in der Welt des Heavy Metal gemacht. Sie können von sich behaupten, unzählige Bands inspiriert und die Landschaft des Genres geprägt zu haben.
Der Einfluss von Iron Maiden auf die Musikindustrie kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Mit ihren einprägsamen Melodien, kraftvollen Auftritten und überlebensgrossen Bühnenshows sind sie zum Synonym für Heavy Metal geworden. Das Vermächtnis von Iron Maiden als Pioniere und Meister des Genres bleibt unerschütterlich, denn sie ziehen weiterhin das Publikum in aller Welt in ihren Bann.
Auf der Setlist dürfen natürlich Songs wie Fear of the Dark, Iron Maiden, Trooper oder Hell on Earth nicht fehlen. Die Bühne ist eigentlich relativ einfach gehalten, mit den üblichen Aufbauten, die schon auf der letzten Tour im Einsatz waren. Links und rechts thronen zwei hohe Videoscreens und als Background werden Vorhänge gewechselt mit verschiedenen Abbildungen drauf. So ist dann auch ihr Fuhrpark mit nur 10 Trucks und 4 Reisecars relativ klein, die ich aus dem Zug bei der Hinfahrt gesehen habe. Eigentlich war ja geplant, dass ich dieses Mal das Konzert auch noch schaue, bis zum bitteren Ende. Leider machen mir aber meine Finger erneut einen Strich durch die Rechnung und ich muss forfait geben. Während ich diesen Text schreibe, höre ich mir einen Live-Mitschnitt an, den jemand in Tampere gemacht und auf YouTube gestellt hat.
Die Altherren des Metals sind mit The Future of the Past-Tour weiterhin in Europa unterwegs. Bis am 8. Juli 2023 gibt es mehrere Halts in Grossbritannien z. B. Birmingham, Manchester und London. Danach bis am 4. August 2023 wieder auf europäischem Festland, unter anderem in Amsterdam, Mailand, Barcelona, Dortmund, Frankfurt und München. Der krönende Abschluss ihrer Europatour findet dann am Wacken-Openair statt. Nach einer kurzen Pause geht es anschliessend in Kanada und Amerika mit vier Gigs weiter, aber dann ist Schluss, so wie jetzt auch hier. Ich würde mich freuen, wenn die Herrschaften nochmals einen Abstecher in die Schweiz machen, vielleicht auch mal an einem Openair. Dann dürften sie mich sicherlich auch wieder im Graben sehen, ausser ….
Eventdatum: 19.06.2023
Fotografen: Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Location: Hallenstadion, Zürich
Veranstalter: Good News
Zuschauerzahl: ca 13000
Iron Maiden
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/1094-heino-meets-cyberpunk-2077-am-iron-maiden#sigProId73e0b322df
The Raven Age
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/1094-heino-meets-cyberpunk-2077-am-iron-maiden#sigProIda380bfab9a
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Marcel Kaul
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