Jeder kennt den Kultfilm «Pretty Woman» aus den 90ern. In Form eines Musicals fand die Premiere 2018 am Broadway statt. Inzwischen ist es auch in anderen Sprachen produziert worden. In der Schweiz wird es das erste Mal aufgeführt und gastiert vom 4. April 2025 bis 4. Mai 2025 im Theater 11 in Zürich. Anders wie sonst wird es für «Pretty Woman» nur diesen Bericht geben – auch wenn andere die ganze Show fotografieren durften, haben wir leider keine Erlaubnis dafür erhalten. Deshalb gebe ich euch meine Eindrücke des Musicals in reiner Textform weiter. Natürlich streue ich wie gewohnt auch ein paar Hintergrundinformationen mit ein.
Aufgeteilt in zwei Akte wird in 2,5 Stunden die Story von Vivian und Edward erzählt, für dessen Regieführung und Choreografie Jerry Mitchell verantwortlich ist. Zwanzig der 24 Musikstücke stammen aus der Feder von Bryan Adams und Jim Vallance. Früheren Interviews zufolge wurden drei von Adams Lieblingsstücken für das Musical abgelehnt – die fanden später den Weg auf seine Alben: I’ve Been Looking for You (2022 auf «So Happy It Hurts»), Please Stay (2018 auf «Ultimate») und I Could Get Used to This (2019 auf «Shine a Light»). Manchmal hatte ich den Eindruck, einen Song zu kennen – nur ein paar Takte lang. Wenn man zudem weiss, wer die Titel komponiert hat, hört man Bryan Adams hin und wieder heraus. Wie in Musicals üblich, sind einige Dialoge in Form eines Songs dargeboten worden. Im Verlauf der Geschichte sind dabei Passagen auch wieder aufgegriffen worden. Meistens dann, wenn eine Veränderung stattgefunden hat. Fast wie ein Rückblick, wenn jemandem ein Licht aufgeht und man Dinge anders wahrnimmt wie früher.
Wieso verspüren heutzutage so viele den Drang, alles neu, moderner, inklusiver und kaum wiedererkennbar zu machen? Vielleicht steche ich hier in ein Wespennest, aber beispielsweise Schneewittchen hat ihren Namen aus einem bestimmten Grund. Dass man dieses Märchen quasi umschreiben muss, damit Passagen wie «Haut, weiss wie Schnee» noch passt (oder ihr Name überhaupt noch Sinn macht), lässt mich den Kopf schütteln. Ich bin mir ziemlich sicher, die Literatur böte genug Material für neue Geschichten oder bessere Vorlagen für Remakes. Ich bin froh, dass man sich bei diesem Musical dagegen entschieden hat. Das Script bleibt sehr nah am Film, was in der Vergangenheit für Kritik von der Presse sorgte. Einerseits, weil darunter die Originalität leide und andererseits die Chance zur Modernisierung der Thematik verpasst worden sei. Ich kann das nicht ganz nachvollziehen: würde man so eine Aussage auch über «Les Misérables» machen? Wohl kaum. Für mich macht es genau das aus: die aufblitzende Erinnerung an die einzelnen Szenen.
Beim Musical «Pretty Woman» wurden ganze Kult-Sätze übernommen und Filmfans wie ich können direkt mitsprechen. Wer erinnert sich beispielsweise noch an die Szene über die Verhandlung ihres Honorars? So geht es uns Zuschauern immer wieder. Der Film spielt sozusagen in unserem Hinterkopf parallel ab. Das bedeutet aber nicht, dass uns einfach eine gesungene Version vorgesetzt wird. Die Szenen sind gespickt mit Witz, Charme und unerwarteten Wendungen, die für Lacher sorgen.
Wie viele Leute für diese Produktion im Einsatz sind oder waren? Da sind einerseits die Darsteller, die wir auf der Bühne sehen werden. Andererseits wirken hinter den Kulissen Regisseure, Choreografen, Bühnenbildner, Kostümdesigner, Hair&Makeup, das Live-Orchester und nicht zu vergessen das Produktionsteam mit, um den reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Auf dem im Foyer aufliegenden A4-Blatt sind für den Cast 22 Namen aufgeführt, 21 werden unter Creative List aufgeführt, 9 für die Musik und das Produktionsteam umfasst nochmals 22 Personen.
Der Cast für diese Tour:
- Vivian Ward – Paige Fenlon
- Edward Lewis – John Addison
- Happy Man / Mr Thompson – Graham MacDuff
- Kit de Luca – Annell Odartey
- Philip Stuckey – Stuart Maciver
- David Morse – Chomba Taulo
- Alfredo / Cover Happy Man/Mr Thompson – Will Hopkins
- Giulio – Noah Harrison
- Naked Cowboy – Joseph Vella
- Violetta / Bag Lady – Lila Falce-Bass
- Swing / 2nd Cover Vivian Ward – Madeleine Hargrave
- Swing / Cover Giulio / Resident Choreographer – Matt Jones
- Swing / Scarlette – Victoria Rachael McCabe
- Ensemble / Cover Kit de Luca / Cover Violetta / Resident Director – LJ Neilson
- Ensemble / 1st Cover Vivian Ward – Stephanie Costi
- Ensemble / Cover Alfredo – Patrick Barrett
- Ensemble – Olivia Bella
- Ensemble / Cover Edward Lewis / Cover Philip Stuckey – Elliot Parkes
- Ensemble / Cover David Morse – Aaron Aisoni
- Ensemble – Katie Dunsden
- Ensemble – Lewis Bear Brown
- Ensemble – Maddie Walle
Die Arbeit abseits der Bühne ist genauso wichtig für eine gelungene Show wie die Darstellung. Was für uns jedoch sichtbar ist, sind Kostüme und Kulissen. Das Bühnenbild stammt von David Rockwell, ein preisgekrönter Architekt und Bühnenbildner, der bekannt ist für seine Designs in Film, Theater und Architektur. Als die Vorführung beginnt, sieht man ein paar Silhouetten von Palmen und ich dachte mir «ok, das soll dann wohl die Strassen von Hollywood darstellen» und war im ersten Moment etwas enttäuscht. Doch auf einmal taucht da eine Hausfassade auf, eine typische Sitzbank mit Werbung wird in die Szene geschoben. Der Umbau von Szene zu Szene geht dank der Flexibilität der beweglichen Kulissen so schnell vonstatten, dass der Übergang fliessend passiert. Aus der Strasse wird das Penthouse im Beverly Wilshire - inklusive Flügel. Projektionen und Lichteffekte werden gezielt eingesetzt, um Stimmungen zu unterstreichen oder einen nichtvorhandenen Aufzug zu simulieren.
Für die verschiedenen Szenarien wird von klassischer Businesskleidung bis zu High-Fashion bühnentaugliche Garderobe benötigt. Tom Rogers hat für die Show über 200 Kostüme entworfen. Darunter sind natürlich ikonische Kleidungsstücke wie das blau-weisse Strassen-Outfit mit den hohen Stiefeln und das rote Abendkleid für die Oper. Diese Szene hielt nochmal eine Überraschung bereit: Vivian und Edward sitzen in ihrer Box und wir kommen in den Genuss von Verdis «La Traviata». Lila Falce-Bass zeigt hier ihr gesangliches Können und weckt in mir die Lust, auch wieder einmal in die Oper zu gehen.
Das Musical wird noch bis zum 4. Mai 2025 im Theater 11 in Zürich aufgeführt. Fans des Kultfilms sollten sich das nicht entgehen lassen! Hände hoch: Wer wird sich nach der Musical-Version wie ich auch nochmal den Film zu Hause ansehen?
10 Fakten zum Musical
- Das Musical adaptiert die berühmte Liebesgeschichte von Vivian und Edward, die 1990 mit Julia Roberts und Richard Gere ein weltweiter Kinohit wurde.
- Die Songs stammen von Rocklegende Bryan Adams und seinem langjährigen Songwriting-Partner Jim Vallance.
- Die Brodway-Premiere fand am 16. August 2018 im Nederlander Theatre in New York statt.
- Nach dem Broadway wurde das Musical in London gespielt und feierte 2019 seine Deutschlandpremiere in Hamburg.
- Neben den neuen Songs ist auch der Film-Hit Oh, Pretty Woman von Roy Orbison im Musical zu hören.
- Regie führte Jerry Mitchell, der bereits Hits wie Hairspray und Kinky Boots
- Samantha Barks, bekannt aus Les Misérables, spielte die Hauptrolle in der Originalproduktion.
- Paige Fenlon war 2020 im Ensemble und Cover für Vivian Ward der Originalproduktion, trat während der UK-Tour 2023 in der Hauptrolle auf und spielt seit 2025 Vivian Ward.
- Die Kostüme und das Bühnenbild spiegeln den luxuriösen Look von Beverly Hills und Hollywood perfekt wider.
- Die Storyline bleibt nah an der Filmvorlage, setzt aber auf mehr Tiefe in den Charakteren und ihrer Entwicklung.
Eventdatum: 04.04.2025
Text: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Theater 11, Zürich
Veranstalter: fbm entertainment
Zuschauerzahl: unbekannt
