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David Duchovny spielt zum Abschluss der Europatournee im Komplex457

David Duchovny spielt zum Abschluss der Europatournee im Komplex457 Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Ja, David Duchovny ist nicht nur Schauspieler. Er schreibt Romane und Songs. Letztere hat er uns in Zürich vor rund 350 Konzertgängern präsentiert. Das Durchschnittsalter lässt vermuten, dass einige Fans nicht nur wegen seiner Musik ins Komplex457 gepilgert sind.

Hinter Cassadoah steckt ein Songwriter aus New York City, der sich dem atmosphärischen Indie-Rock und Dream-Pop verschrieben hat. Auf seinem Album «soon, or later on» von 2025 finden sich Songs, die mit Gitarre und Synthie unterlegt sind. Mit gerade mal 61 Hörern auf Spotify fliegt die Musik tatsächlich noch sehr unter dem Radar. Doch Colin Lee ist mehr als nur der Supporting Act von David Duchovny, er ist auch dessen Keyboarder. Zu Beginn steht er allein mit seiner Gitarre auf der Bühne, beim dritten Song stösst sein Musikerkollege Mitchell Stewart dazu. Ganz zum Schluss seines Sets setzt er sich ans Keyboard. Dort wirkt er auf mich am sichersten in puncto Körpersprache. Er ist sicherlich nicht der stärkste Sänger, aber seine Art Musik gefällt mir sehr gut. Sie geht ins Ohr und ist genau das richtige nach einem anstrengenden Tag, um herunterzufahren.

David Duchovny ist ebenfalls aus New York, vielen vor allem als Fox Mulder in «Akte X» und als Hank Moody in «Californication» bekannt. Aber wer erinnert sich noch an seine Rolle in «Twin Peaks»? Nun… ich. Nebst seinem Engagement als Schauspieler hat er mehrere Romane veröffentlicht, unter anderem «Holy Cow» von 2015. Sei Romandebüt war ein Bestseller der New York Times und war nominiert für den Goodreads Choice Award in der Kategorie Humor. Als Schauspieler ist er seit Jahrzehnten etabliert, die Musik kam erst deutlich später dazu. Er hat erst mit 50 begonnen, Gitarre zu spielen und

Gitarre lernte er erst als Erwachsener, rund zehn Jahre vor seinem Debüt, und er selbst nennt diesen Weg eine unerwartete «dritte Wendung» in seinem Leben. Er sieht sich als Songwriter, der seine eigenen Lieder vorträgt. Im vollen Bewusstsein, dass er nicht der beste Sänger sei, so Duchovny in Interviews. 2015 erschien «Hell or Highwater» mit zwölf selbst geschriebenen Songs beim Label ThinkSay Records. Auf das Debüt folgten «Every Third Thought» (2018) und «Gestureland» (2021), letzteres wieder mit zwölf Tracks. «Gestureland» entstand ab Februar 2020 in einem Studio im Norden des Bundesstaats New York und wurde nach dem Corona-Lockdown im bandeigenen Studio in Long Island City fertiggestellt.

Die Besetzung blieb dabei stabil: Mit Keyboarder Colin Lee, Gitarrist Pat McCusker und Bassist Mitchell Stewart arbeitet er seit Jahren zusammen. David Rowan an den Drums und Johnny Simon Jr. komplettieren die Band. Beim Debüt half ihm seine Band vor allem dabei, seine Ideen in fertige Songs zu verwandeln, denn Produktion und Arrangement musste Duchovny erst lernen. Über die folgenden Alben entstand daraus eine eingespielte Band. Stilistisch bewegt er sich zwischen Roots-Rock, Folk und Americana, getragen von klassischem Singer-Songwriter-Handwerk. Live spielt er neben eigenem Material auch oft Songs von David Bowie, Blue Öyster Cult, Tom Petty, The Band und Crowded House.

Sein aktuelles Album «Prince of Pieces» erschien am 14. August 2026, fünf Jahre nach «Gestureland». Der Titelsong kam bereits im Juni, danach folgten die Singles Stay on the Train und Catherine’s Wheel. Stay on the Train schrieb er für seine Tochter in einer schwierigen Phase, die mehr als zehn Jahre zurückliegt. Zu Catherine’s Wheel meinte er, dass es immer spannend sei, wenn andere etwas in seinen Song interpretieren. Bei diesem Titel gehe es anscheinend um das Mittelalter – Gelächter im Saal von denen, die wissen, dass der Track seine persönliche Erfahrung als Vater behandelt, den Schmerz, wenn das eigene Kind durch schwierige Zeiten geht.

Doch zurück zum Abend im Komplex: Ich merke grade, das war eine doppelte Überleitung. Schwierige Zeiten und komplex sind nämlich zwei Stichworte, die man durchaus verwenden könnte. Mir ist es sehr schwergefallen, die vielen schiefen Töne zu ignorieren. Denn die Musik an sich gefällt mir. Zwischendurch war ich fast froh, wenn sein Mikrofon zu leise eingestellt war und man tatsächlich nur die Band hörte. Ich bin mir ehrlich gesagt auch nicht sicher, wie ernst man seine Moves nehmen darf. Leicht aus dem Takt und bizarr anmutende Bewegungen haben bei mir ein Wechselbad ausgelöst – ist das sein Ernst oder erlaubt er sich einen Spass mit uns? Zwischendurch hat er ja schon versucht, witzig zu sein und vielleicht war die manchmal etwas unbeholfene Art sich zur Musik zu bewegen schlichtweg beabsichtigt. Wir dürfen ja nicht vergessen, dass er Schauspieler ist.

Irgendwann klemmt er sich eine langstielige Rose hinters Ohr, die ihm ein Fan überreicht. Als er dann seine Band vorstellt und ihnen dabei mit der Rose auf den Kopf tippt und kurzerhand auf die Becken trommelt, hat das schon fast etwas von Impro-Theater. Doch nein, das war noch nicht alles, denn zum Cover von Godzilla ist auf einmal jemand im Godzilla-Kostüm auf der Bühne aufgetaucht. Ist sein Auftritt streckenweise irritierend? Definitiv. Würde ich ihm raten, ein paar Tanzstunden zu nehmen? Vielleicht. Aber macht er, was ihm Spass macht, und ihm ist grösstenteils egal, was andere sagen? Sehr wahrscheinlich. Spätestens bei Godzilla kam für mich der Moment, als ich entschied, dass David Duchovny sich nicht allzu ernst nimmt und einfach nur Freude an der Sache hat. Und was soll daran verkehrt sein?

Trotz der vielen Interaktionen mit dem Publikum wage ich trotzdem zu behaupten, dass der Funke in Zürich mehrheitlich nicht übergesprungen ist. Ausser dem gelegentlichen Wohoo vereinzelter Fans war die Resonanz eher bescheiden, die meisten standen effektiv einfach nur da und haben zugehört. Mir hat einfach etwas Energie von David Duchovny gefehlt – aber er ist bekannt für seine extrem gelassene, langsame und monotone Art zu sprechen, was als «Deadpan»-Stil bezeichnet wird und für manche als schläfrig und lallend rüberkommt.

Der Saal war schon von Beginn weg überschaubar, aber kurz vor 22 Uhr hatten sich die Reihen sichtlich gelichtet. Mich hat es dann auch nicht viel länger dort gehalten, nach Layin’ on the Tracks habe ich mich auf den Heimweg gemacht. Und das, obschon zu dem Zeitpunkt noch ein Drittel seines Gigs bevorstand. Nein, es lag nicht an seiner Musik, dass ich nicht zum Schluss blieb. Schlussendlich konnte er mich nicht in seinen Bann ziehen und hat seinen Spass - definitiv unbeabsichtigt - nicht auf mich übertragen können.

Seine Europatournee umfasste zehn Konzerte. Sie begann Anfang Oktober in Glasgow und führte ihn über London, Paris, Amsterdam, Köln, Prag, Berlin, Hamburg und Esch-sur-Alzette zum Abschluss am 21. Oktober ins Komplex 457 nach Zürich. Und wer noch Tipps für Colin Lee hat, der im Anschluss mit der Familie ein paar Tage in Wengen verbringt, kann ihm ja via Instagram schreiben.

 

 

Eventdatum: 21.10.2026

Fotos:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Komplex 457, Zürich

Veranstalter: Livenation

Zuschauerzahl: ca. 370

 

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Konzert

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