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Ein spezieller Abend mit Jake Isaac

Ein spezieller Abend mit Jake Isaac Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Die Solo-Tournee ist insofern extra speziell, weil Jake Isaac nur drei Termine auf dem Tourplan hat - zwei davon in der Schweiz. Einer davon ist im Musikcafé X-Tra Zürich, ein kleiner und intimer Ort für Konzerte. Ich hätte ihm mehr als 57 Personen gegönnt, aber so wurde es fast zum Privatkonzert.

Dass Jake Isaac dem klassischen Druck der Musikindustrie den Rücken gekehrt hat, ist spätestens seit seinem Album «Benjamin» bekannt. Ihm ist die Langlebigkeit und die tiefere Verbindung zum Publikum wichtiger als grosser, kommerzieller Hype, Follower- und Streaming-Zahlen.

Ich hatte im Frühling 2025 bereits das Vergnügen, den Londoner Jake Isaac im Papiersaal live zu erleben. Sein letztes Konzert vor dieser Tournee hat er im vergangenen November gespielt und legte danach eine Livepause ein. Kürzlich sagte er in einem Interview, Räume, Konzerte und echte Gespräche seien ihm wichtiger geworden als digitale Vernetzung. Was ihm am Ende Hoffnung gebe, sei seine Familie – gemeinsam am Tisch sitzen, jemanden lachen hören, beisammen sein. Wochenlange Abwesenheiten kann und will er nicht mehr mit sich vereinbaren. Das aktuelle Album «10 Years Later» erschien im Februar 2026. Inhaltlich ist es ein emotionaler Rückblick auf seine bisherige Karriere. Darin verarbeitete er musikalische Momente als neu arrangierte Versionen von Songs, die er zu Beginn seiner Laufbahn geschrieben hat.

Dass er die alten Werke inzwischen genauso schätzt wie seine neuesten Titel, hat seinen Grund: Die Reise dorthin ist genauso wichtig wie das Ziel. Das Album enthält mehrere Versionen seines Titels Waiting Here mit bekannten Gastmusikern wie dem US-Sänger Caleb Hearn, dem britischen Songwriter Charlie Winston und der Schweizer Soulsängerin Stefanie Heinzmann.  

Das Album ist auch ein Dankeschön an seine Fans der ersten Stunde, die seine Musik schon früh entdeckt hatten. Der nostalgische, intime Blick zurück wird durch die reduzierten Soloauftritte noch unterstrichen. Aktuell sind nur drei Konzerte in kleinen Locations geplant und die Schweiz bekommt gleich zwei davon ab. Das liegt einerseits daran, dass sowohl das Musikcafé X-Tra Zürich als auch die Schüür Luzern jene Wohnzimmer-Atmosphäre bieten können, die zu Jake Isaac passt.

Da nur eine Handvoll Leute den Weg hierher gefunden haben, wird aus dem geplanten Stehkonzert kurzerhand ein bestuhlter Raum mit unterschiedlichen Sitzgelegenheiten. Halt wie zu Hause, wenn mal mehr Gäste kommen und man improvisiert. Im Hintergrund dudelt Musik, bis es losgeht. Jake betritt die Bühne mit einer Tasse Tee, schnappt sich einer der zwei Gitarren und stimmt sie kurz für die Tonlage der nächsten Songs um. Das, so Jake später, sei bei Soloauftritten eine etwas unangenehme Pause, die er sonst mit einem Spotlicht auf die Band überbrücke.

Während des Auftritts spricht er immer mal wieder mit dem Publikum. Er möchte zum Beispiel wissen, wie lange die Anfahrt war, ob jemand seine älteren Werke kennt, wer schon mal an einem seiner Konzerte war. Zürich, sagt er, sei in seinem Herzen. Das werde er morgen Luzern auch erzählen, meint er grinsend. Ob er Angst haben müsse vor ihnen und alle beschwichtigen ihn. Bis auf eine Zuhörerin, die findet «die lügen alle, du solltest dich vor morgen fürchten». Gelächter im Raum.

Es ist gut, dass wir uns hinsetzen konnten. Der Grossteil des Abends singt er leise, melancholische Lieder. Die sinken noch mehr ein, wenn man sich etwas nachdenklich im Sessel zurücklehnt. Als Überleitung bringt er seinen Vater ins Spiel, der ein Phänomen beschrieb, das wir alle kennen: abends kommen die erdrückenden Gefühle, aber morgens sieht die Welt wieder anders aus.

Nach 40 Minuten erwähnt er, er habe nur noch zwei Songs für uns. Das führte zu Reaktionen aus dem Publikum und er fand, nun sei er unter Druck und müsse wohl doch noch ein paar Lieder mehr singen. Der Gig selbst dauert schlussendlich etwas mehr als eine Stunde. Zu wenig für die meisten, schliesslich ist es erst neun Uhr und wir würden ihm alle gerne noch viel länger zuhören. Dennoch realisieren ein paar nicht, dass noch eine Zugabe folgt, und sie verlassen den Raum schon, als Jake und seine Tasse nochmal zur Bühne gehen. Nachdem er einen Moment überlegt, was er denn als Zugabe singen könnte, ruft die Frau neben mir: «Ist das der Moment, wo wir unsere Wünsche anbringen können?» und Jake reagiert mit einem überrumpelten «Ouff». An was sie denn gedacht habe, fragt er. Doch sie hat einen Wunschtitel, für den es die Band brauchen würde. Dann findet sie, der Song müsse dann halt für nächstes Jahr auf die Setlist, wenn er mit der Band auf Tour gehe. Er überlegt nochmal einen Moment und meint dann, er wähle jetzt einen Song, der nicht von ihm sei. Aber der sei ihm nahe am Herzen. Jake singt die Studioversion von I Can't Make You Love Me von Singer/Songwriter Mike Reid (veröffentlicht von Bonnie Raitt) a capella und er legt all seine Emotionen in diesen letzten Song in Zürich.

Als Abschluss seiner dreitägigen Mini-Tour tritt er in London in der St Pancras Old Church auf, wo seine Stimme nochmal ganz anders klingen wird als in einer tatsächlichen Konzertlocation. Sozusagen die Kirsche auf der Torte der intimen Auftritte. Und wenn wir Glück haben, steht Zürich auch nächstes Jahr wieder auf der Tourliste, wenn er auf seiner Europatour unterwegs sein wird. 

 

  

 

Eventdatum: 08.09.2026

Fotos:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Musikcafé X-Tra, Zürich

Veranstalter: Just Because

Zuschauerzahl: 57

 

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Konzert

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