Liam Gallagher
Marcel Kaul / kaulphotographs.com
LIAM GALLAGHER – Der böse Bruder kehrt zurück und geht mit: "Why Me? Why" Not auf Tour.
Als ich die Halle 622 um 19:00 Uhr betrete, ist sie praktisch leer gefegt. Die Vorgruppe Twisted Wheel (-> Bilder) betritt die Bühne. Stimmung kommt nicht wirklich auf, obwohl die Jungs mit allen Mitteln versuchen das kleine Publikum anzuheizen. Während sie spielen füllt sich die Halle langsam. Der erste Weg führt logischerweise zur Bar oder den drei Food Trucks, der zweite so weit vor zur Bühne so dass man den besten Blick auf die Legende hat. Das Publikum ist bunt gemischt vom Jugendlichen bis zum Senior.
Als das Intro in Form eines Manchester City-Fangesangs ertönte, gab es kaum noch ein Halten. Jubelstimmung herrscht im Publikum und man hat eher das Gefühl, man sei in einem Fussballstadion als in einer Konzerthalle. Aus den Lautsprechern erklingt das Intro 2.0. mit „Fucking In Bushes“ einem der ersten Oasis-Klassiker. Liam betritt die Bühne in einer Art weissem halblangem Kapuzenkittel, wie sie in England anscheinend dauerhip sind. Für mich sieht es eher wie ein Regenmantel aus. Hat er Angst vor Regen? Je länger ich hinschaue hab ich eher das Gefühl es ist eine Spital Nachthemd mit Kapuze. In den Händen hält er zwei Maracas und eine Rassel. Dienen die Instrumente dafür, dass er nicht wie gewohnt beim Singen die Hände hinter seinen Rücken hält? Probiert er was Neues aus? Er hält während dem gesamten Konzert die Instrumente fest in den Händen aber braucht sie sehr wenig. Sonst zeigt sich Gallagher lässig und eher distanziert, während die Fans vor ihm toben. Er trägt mittlerweile einen Vollbart, und man hat das Gefühl, als hätte er sein Aussehen seiner ruppigen Persönlichkeit angeglichen. Der langjährige Streit mit seinem Bruder und ehemaligen Bandkollegen Noel ist berüchtigt und hat Spuren hinterlassen. Besonders viel Bewegung gibt es auf der Bühne nicht. Die Musiker sind an ihren Plätzen angeklebt und der Meister in der Mitte bewegt sich praktisch nicht. Er steht meist vor dem Mikrofon mit den Instrumenten in der Hand. Beugt sich zum Mikro und singt mit schneidender Stimme seine Hits. Es gibt sehr wenig Interaktion zwischen Liam und dem Publikum. Zwischendurch gibt es ein kurzes Thank You, fuck and fuckers oder etwas längere Wortfetzen, die mit dem breiten Manchester-Akzent nur sehr schwer zu verstehen sind. Dafür ist das Publikum in Party Stimmung und singt jeder Song lautstark mit. Es ist erstaunlich wie viele die Texte auch seiner Solosachen mitsingen, die grössten Reisser sind, klar die Oasis-Nummern. ›Morning Glory‹, ›Stand By Me‹, ›Live Forever‹, ›Supersonic‹, ›Champagne Supernova‹, ›Cigarettes & Alcohol‹. Er spielt sie alle und das Publikum feiert mit, wie wenn es keinen Nächsten Tag geben würde. Für mich ist der Sound sehr blechern und derb. Es ist wahnsinnig laut – und die Frage drängt sich auf ob das Absicht oder die Akustik der Halle 622 ist. Liam scheint es nicht zu stören, und bellt ins Mikro: "Wollt ihr es lauter?" das Publikum schreit ungehalten „yes“ und es wird noch lauter.
An diesem Abend spürt man besonders das Liam Gallagher ein Traditionalist ist. Sein Konzept führt er seit den 90er-Jahren konsequent fort. Seine Bad-Boy-Attitüde gespickt mit grossen Hymnen. Die Setlist ist im Vorfeld gesetzt und wird an jedem Konzertabend durchgezogen. Mit wenig Emotionen und Interaktion endet das Konzert. Aber trotzdem überzeugt er das Publikum mit seinen Songtexten, der Musik und seiner besonderen Art.
Eventdatum: 20.02.2020
Fotograf: Marcel Kaul / kaulphotographs.com
Location: Halle 622, Zürich
Veranstalter: Gadget
Zuschauerzahl:
Setlist: Setlist.fm
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/309-liam-gallagher#sigProIdc85c925167
Setlist: Setlist.fm
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/309-liam-gallagher#sigProId1ef782bf44
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