Jamiroquai: Zwischen kosmischem Groove und Benzin im Blut
Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Man könnte meinen, Jamiroquai hat es mit den Einsen. Die letzte Show fand an einem 11.1. statt. Nun hat man einfach eine weitere «1» dazugefügt, denn heute ist der 11.11. und sie machen mit «The Heels Of Steel Tour» im Hallenstadion einen Zwischenhalt.
Auf der Hinfahrt nach Oerlikon schaue ich wie immer auf den Parkplatz hinter dem Hallenstadion und zähle dort «nur» 10 LKWs, aber dafür deren 8 Reisecars. Vor dem Stadion erwarte ich lange Warteschlangen, welche jedoch ausbleiben. Als Vorgruppe ist der DJ Franc Moody für 19:30 Uhr geplant. Als wir Fotografen eintreffen, heisst es dann, ja er hat schon begonnen, aber ihr könnt ihn doch noch fotografieren. Beim Betreten der Halle herrscht noch gähnende Leere. Auf die Frage hin, wie lange wir fotografieren dürfen, konnte keine genaue Aussage gemacht werden. Macht mal so 5 bis 10 Minuten, ich habe deren zwei dafür gebraucht. Danach geht’s wieder raus aus dem Hallenstadion und rüber ins warme Restaurant für ein Fotografentreffen und Austausch.
Um 20:30 Uhr werden wir wieder in die Katakomben des Hallenstadions begleitet, von wo aus wir erneut in den Pit eingelassen werden. Inzwischen ist die Halle voll, ich erhalte die Info, dass gut 13000 Zuschauer da seien und es beinahe ausverkauft ist. Die Stimmung ist gut und man sieht den einen oder anderen Kopfschmuck, von Fellhut über Federschmuck bis zum Sombrero. Ungewohnt für ein Konzert, es beginnt zwei Minuten zu früh. Die Musiker und Backgroundsänger betreten die Bühne und begeben sich auf ihre Plätze. In der Mitte kommt dann Sänger Jay Kay auf die Bühne mit einem Lachen auf dem Gesicht und einem Lufttritt. Dass Hüte sein Ding sind, ist bekannt und ich habe eigentlich seinen ikonischen LED-Hut erwartet, aber wir wurden mit einem einfachen violetten schattenspendenden Filzhut abgespeist. Während den ersten beiden Songs werden unsere Auslöser fleissig gedrückt und die Sensoren glühen. Zu den beginnenden Klängen von Space Cowboy verlassen wir das Hallenstadion wieder.
Jay Kays ikonischer LED Hut
Wenn irgendwo Funk, Soul und Elektronik aufeinandertreffen, ist der Name Jamiroquai meist nicht weit. Die britische Band rund um den charismatischen Frontmann Jay Kay (bürgerlich Jason Luís Cheetham) brachte Ende der 80er und Anfang der 90er-Jahre frischen Wind in die Musikszene. Mit ihrem einzigartigen Mix aus groovigen Basslines, funky Beats und einer ordentlichen Portion Jazz eroberten sie im Nu die Charts – und Jays auffällige Hüte wurden dabei fast so berühmt wie die Songs selbst. Die Band entstand eigentlich aus einer kleinen Enttäuschung: Nachdem Jay Kay als Sänger bei den Brand New Heavies abgelehnt wurde, gründete er 1992 kurzerhand seine eigene Truppe – der Beginn einer musikalischen Erfolgsgeschichte. Schon das Debütalbum «Emergency on Planet Earth» (1993) schlug ein wie eine Bombe und machte Jamiroquai zu einem der Aushängeschilder der aufblühenden Acid-Jazz-Bewegung. Spätestens mit «Travelling Without Moving» (1996) und Hits wie Virtual Insanity oder Cosmic Girl war klar: Diese Band hat ihren ganz eigenen Sound – und der ging um die Welt.
Der «Space Cowboy« und seine Liebe zum Speed
Abseits der Bühne ist Jay Kay nicht minder exzentrisch. Der Sänger ist bekennender Autonarr und zwar keiner, der seine Schätze nur in der Garage stehen lässt. Seine Leidenschaft für schnelle, seltene und wunderschöne Fahrzeuge ist legendär. Wer Jay kennt, weiss: Er liebt Motorenlärm genauso sehr wie fette Grooves. In seiner Sammlung finden sich einige der begehrtesten Autos der Welt, von Klassikern bis hin zu modernen Supercars. Besonders Ferraris haben es ihm angetan: F40, F50, Enzo, sie alle gehören (oder gehörten) zu seiner beeindruckenden Flotte. Auch Lamborghini dürfen nicht fehlen, wie etwa der Diablo SE30, der im Video zu Cosmic Girl einen denkwürdigen Auftritt hinlegte. Daneben tummeln sich bei ihm auch Schmuckstücke von Porsche, Mercedes und Aston Martin.
Natürlich blieb Jays Leidenschaft für Geschwindigkeit nicht immer ohne Folgen, der «Space Cowboy» musste seinen Führerschein schon mehr als einmal wegen zu flotter Fahrweise abgeben. Doch genau diese Mischung aus Energie, Stil und ungebremster Leidenschaft macht ihn so einzigartig. Was er auf der Bühne mit Musik ausdrückt, lebt er auf der Strasse mit PS aus, ein echter Vollgas-Künstler, im wahrsten Sinne des Wortes.
Natürlich darf Cosmic Girl nicht fehlen. Während dem anschliessenden Love Foolosophy wird die Band vorgestellt. Wer ihn heute verpasst hat, weil ihm Fastnacht feiern wichtiger war, der kann am 13.11. nach Mailand reisen, ins Unipol Forum. Bis am 14.12 sind noch weitere europäische Städte eingeplant, wie zum Beispiel Berlin, Paris, Amsterdam und London.
Eventdatum: 11.11.2025
Fotograf: Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Location: Hallenstadion, Zürich
Veranstalter: TAKK ab Entertainment AG
Zuschauerzahl: 13000
Franc Moody
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/1473-jamiroquai-zwischen-kosmischem-groove-und-benzin-im-blut#sigProId1772cca07d
Jamiroquai
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/1473-jamiroquai-zwischen-kosmischem-groove-und-benzin-im-blut#sigProId78e2d174f8
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