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Wenn man den Penalty noch am TV reviewen muss

Wenn man den Penalty noch am TV reviewen muss Marcel Kaul / szenemagazin.ch

Ich weiss nicht, was ich sagen soll. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlasse ich das Stadion, nachdem der EHC Kloten bis ins Penaltyschiessen musste, um zwei Punkte zu sichern gegen den HC Lugano.

Aber beginnen wir mal von vorne. Der Abend beginnt eigentlich sehr gut für mich. Vor dem Spiel geniesse ich mit Reto zusammen an der Wangemer Chilbi noch ein Raclette. Frisch gestärkt machen wir uns auf den Weg in die stimo arena. Heute Abend heisst der Gegner HC Lugano. Nach der gestrigen Schlappe gegen die tabellenführenden ZSC Lions, scheint der Kontrahent eher bezwingbar. Dachte er, bis das Spiel begann. Denn der HC Lugano steht nach nur 10 Sekunden bereits das erste Mal mit einem gefährlichen Torschuss im eigenen Drittel.

Die ersten fünf Minuten sieht es enorm Luganolastig aus, doch dann wendet sich das Blatt und Klotens Offensive setzt zum Paukenschlag an. #6 Matthew Kellenberger setzt zum Schuss auf Luganos Torhüter #19 Mikko Koskinen an. Dieser steht zwar im Weg und verhindert das Tor, lässt aber den Puck davonkullern. Der neben ihm stehende #62 Harrison Luc Schreiber muss nur noch die Stockschaufel hinhalten, um die Scheibe über die Torlinie abzulenken. #13 Patrik Obrist hat dann das 2:0 in der Hand, trifft aber nach der Torumrundung nur den Aussenpfosten. Ebenfalls kurz brenzlig wird es, als Luganos #7 Daniel Carr über das Feld stürmt und #39 Sandro Zurkirchen kurz prüft.

Die erste Strafe wird von den Schiedsrichtern nach 13 Minuten ausgesprochen. #55 Calle Andersson muss für einen Stockschlag in die Kühlbox. Haben die Klotener ihr Powerplay trainiert und verbessert? Ja, denn 63 Sekunden später heisst es schon 2:0, nachdem #29 Niko Ojamäki auf den freistehenden #15 Miro Aaltonen passt und dieser einschiebt. Was für eine schöne Kombination. Hier sei noch erwähnt, Lugano hat zwar vier Spieler auf dem Eis, aber nur drei haben ein funktionsfähiges Werkzeug in der Hand, nach dem sich die Stockschaufel von Daniel Carr verabschiedet hat. Die Gäste scheinen gedanklich schon in der Kabine zu sein und verzählen sich. Dafür kassieren sie eine zwei Minuten Teamstrafe.

Heute möchte ich es wieder mal wissen, schnappe mir meinen Helm und begebe mich zwischen Spielerbank und Kamerapodest. In der Hoffnung, ich kann ein Abklatschen der Klotener nach einem Tor von nahem fotografieren. Das noch laufende Powerplay kann der Gastgeber nicht ausnutzen. Auch #47 Simon Kindschi’s Haken zerstört meine Hoffnung auf ein schnelles drittes Tor. Während ich neben den Spielern stehe, vergeht gefühlt die Zeit viel schneller.

 

Bild: Marcel Kaul (szenemagazin.ch)

 

Es folgen von beiden Teams jeweils eine weitere Strafe, doch das Spielresultat ändert sich nicht. Erst nach Spielhälfte kann Lugano etwas aufbäumen und innert 160 Sekunden nicht nur den Anschluss, sondern auch gleich noch den Ausgleichstreffer erzielen. Die Stimmung auf der Bank ist etwas geknickt. Noch gewohnt vom letzten Jahr, wollte ich wieder alles aussenrum retour an meinem Platz, bis mir auffällt, die Baustelle ist ja fertig und ich kann Linksrum abkürzen. Super Sache und so kann ich noch ein paar Aufnahmen von den letzten Sekunden im Mitteldrittel hinter dem Lugano Tor stehend machen. Der EHC Kloten kann das Resultat halten und so mit dem 2:2 in die nächste Pause gehen.

Ein Tor, das kein Tor ist. Meine Aufnahme zeigt, dass es eine enorm knappe Sache ist. Ich hätte gesagt, der Puck ist hinter der Linie, aber nach dem Videoreview sehen die Schiedsrichter dies anders. Nach der Wiederaufnahme des Spiels sorgt der Tessiner Keeper für Aufregung bei den Heimischen Fans. Mehrere Male hebelt er das Tor aus der Halterung heraus. Das erste Mal erhält er hierfür eine zwei Minuten Strafe wegen Spielverzögerung. Nachdem er das Tor ein zweites und ein drittes Mal verschoben hat, fängt er eine Diskussion mit dem Schiedsrichter an. Im passt nicht, dass es so leicht aus der Halterung springt, doch der Unparteiische winkt energisch ab.

Statt das Powerplay zu verwerten, kassiert der Gastgeber 16 Sekunden nach dessen Ablauf das 2:3 durch Daniel Carr. Ich frage mich, wie konnte er so schnell so nahe dem Tor sein, wo doch die Scheibe erst die blaue Linie überquert hat. Entging den Schiedsrichtern eventuell hier ein Offside? Die Emotionen kochen hoch und so geraten Simon Kindschi und #91 Julian Walker aneinander. Nachdem sie Nettigkeiten ausgetauscht haben, gehen beide auf der Strafbank sich wieder beruhigen. Da ich zuerst nicht bemerkt habe, dass auch Walker raus musste, dachte ich, cool ein Shorthander. Denn #14 Mischa Ramel erzielte auf Pass von #89 Dominik Diem den Ausgleich zum 3:3. Die Freude darüber wurde ein wenig getrübt, als mein Blick zur Uhr mich feststellen liess, dass beide Mannschaften mit einem Mann weniger auf dem Eis waren. Das Auge immer am Kameraokular zu haben, macht es nicht einfacher, die Übersicht immer zu behalten.

Was ich dann aber gesehen habe, dass nach einem Check von #95 Nicolas Steiner, sich Calle Andersson auf dem Eis windet. Die Schiedsrichter sprechen sofort eine fünf Minuten Strafe aus, gehen dann aber die Szene reviewen. Darauf hin korrigieren sie die Strafe auf zwei Minute für einen Cross-Check. Dies wird später dann noch von der Liga mit einer nachträglichen Spieldauer Disziplinarstrafe geahndet und Nicolas erhält sogar noch eine Busse. Meinens Erachtens sah die Situation nicht so schlimm aus, doch das liegt vielleicht am anderen Blickwinkel.

 

Bild: Marcel Kaul (szeneemagazin.ch)

 

Für 19 Sekunden kann dann Lugano sogar in doppelter Überzahl spielen. Mischa Ramel parkiert die Stockschaufel im Gesicht des Gegners. Dieser wirft Oskarwürdig sehr dramatisch seinen Stock durch die Luft und greift sich gleich ins Gesicht. Wer aber genau hingesehen hat, sah dass eigentlich keine Bewegung mehr in Ramels Stock war und so eigentlich der Luganesi in seine Schaufel reinfuhr. Aber, die Schaufel hat auf dieser Höhe nichts zu suchen und somit ist die Strafe legitim. Das Boxplay der Heimmannschaft steht aber wie eine Eins und es kommt zur Verlängerung. Hier muss noch erwähnt werden, acht Sekunden vor Spielende haut Koskinen das Tor erneut mit einer deutlich sichtbaren Kickbewegung aus den Angeln. Dies, obwohl die roten Halterungen schon nach dem dritten Aushebeln ersetzt wurden. Warum hierfür eine Strafe geben, könnte ja Matchentscheidend sein.

Eine gute Möglichkeit auf ein Tor sieht #88 Michael Joly, nachdem er das Klotener Tor umkurvt. Doch sein Buebetrickli geht dann doch deutlich am selbigen vorbei. Die fünf Verlängerungsminuten bringen keine Entscheidung, obwohl Kloten die letzten 1 ½ Minuten mit einem Mann weniger auf dem Eis steht, nach dem Stockschlag von #10 Jonathan Ang. Er schaut von der Strafbank aus zu, wie seine Kollegen die Situation im Griff haben und Schlimmeres abwenden können.

Nach der kurzen Eisreinigung begeben sich die beiden Torhüter zu ihren Arbeitsplätzen. Mikko Koskinen erntet ein Pfeifkonzert, während er Richtung Tor fährt. Den ersten Versuch für Kloten macht #67 Lucas Ekestahl-Jonsson. Er «versenkt» den Puck unter Koskinen der mit dem Puck unter sich ins Tor rutscht. Ein weiteren Videoreview wird benötigt und daraufhin sprechen die Unparteiischen ihm das Tor zu.  Nach den regulären je fünf Schüssen steht es 2:2 Penaltytreffer und es kommt endlosen Penaltyschiessen, bis ein Tor unterschied existiert. #86 Tyler Morley nimmt zum 11. Penalty insgesamt Anlauf. Er kann Mikko Koskinen überwinden und die Scheibe ist im Tor. Die Hoffnung bei den Fans steigt. Der in Schuss 5 treffsichere #17 Luca Fazzini läuft los. Bremst dann ab und kommt ganz langsam immer näher an Zurkirchen heran. Er such die Lücke und verzieht dann aber rechts am Tor vorbei.

Der EHC Kloten gewinnt im Penaltyschiessen und sichert sich so den zweiten Punkt. Dennoch ist es schade, dass man aufgrund eines fraglichen Entscheides diesen einen Punkt abgeben musste. Schauen wir vorwärts, denn am Dienstag folgt schon die nächste Vollrunde. Der EHC Kloten muss die lange Reise nach Genf antreten. Spiel 10 findet dann am Freitag in Biel statt, bevor am Samstag zu Hause die SCL Tigers empfangen werden.

 

   

EHC Kloten vs. HC Lugano: 4:3 n.P. (2:0 | 0:2 | 1:1 | 0:1 )

Schüsse aufs Tor: 27:33 (11:5 | 8:11 | 8:15 | 0:2)

Details zum Spiel: Gamecenter SIHF 

Aufstellung: TeamRoster

 

Eventdatum: 30.09.2023

Fotograf:  Marcel Kaul / szenemagazin.ch

Location:  Stimo Arena

Veranstalter: EHC Kloten

Zuschauerzahl: 4935

 

Publiziert in Sport

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