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Krasser Fehlentscheid führt zum Sieg in der Verlängerung

Krasser Fehlentscheid führt zum Sieg in der Verlängerung Marcel Kaul / szenemagazin.ch

Nach zwei Wochen Natipause wird in der stimo arena wieder Eishockey gespielt, heute gegen den EHC Biel. Der EHC Kloten hatte nun Zeit, die offenen Baustellen wie das Powerplay zu üben und zu verbessern. Oder?

Das Anspiel und die ersten 25 Sekunden gehen inklusive den ersten Angriffsversuchen an den EHC Kloten. Ein erster gezielter Torschuss geht aber über die Latte hinweg. Es kommt zur ersten, aber nicht letzten Stockschlagstrafe. Den Beginn macht Axel Simic. Das erste Powerplay der Bieler ist alles andere als überzeugend. Im Gegenteil, der EHC Kloten kann sogar in den Angriff gehen. #10 Jonathan Ang erreicht den gespielten Puck aber nicht und so bleibt es beim Aufschrei der Fans. Die Strafe gegen den EHC Kloten vergeht ohne grösseren Schaden. In der sechsten Minute sind die Gäste erneut in der Klotener Zone und #13 Luca Hischier haut auf den Puck. Dieser geht jedoch über #55 Juha Metsola hinweg und er greift ins Leere. #73 Mike Künzle des EHC Biel eröffnet die Strafbank der Gäste. Er muss für ein Behindern des Mitspielers auf die Bank. Metsola passt auf #64 David Reinbacher und schon ist man im gegnerischen Drittel. Weiter macht #88 Dario Meyer und er versucht, den Puck via Torhüter ins Tor abzulenken. Dies funktioniert nicht wie geplant, aber dennoch landet die Scheibe hinter der Torlinie, nachdem sie an einer Bieler Schlittschuhkufe abprallt. Nach längerem Videostudium der Schiedsrichter steht fest, das Tor zählt. Aha, scheinbar haben sie das Powerplay geübt, sehr gut, denn es wird nicht das letzte sein. Genau, denn 67 Sekunden später öffnet sich wieder die Türe zur Bieler Strafbank. Diesmal für #9 Noah Delémont, wegen Haltens. Wo ist denn das nun trainierte Powerplay? Nichts will mehr funktionieren, selbst als 24 Sekunden vor Ablauf der Strafzeit mit #89 Tino Kessler ein weiterer Bieler auf die Bank zum Abkühlen muss. Auch die doppelte Überzahl können die Herren in Blau nicht verwerten. Dennoch ist das Spiel nicht uninteressant, es bleibt schnell mit wenigen Unterbrüchen, aber ohne weitere Resultate. So ertönt schon der Pfiff zum Drittelsende.

In der ersten Pause kommt es zur Premiere, dem Kyburz Ice Race. Hier dürfen vier Ausgeloste mit Elektrofahrzeugen, ähnlich die der Post, über das Eis rauschen. Sie müssen zwei Runden absolvieren und der Sieger darf sich dann im Leukerbad Therme entspannen gehen. Die einen gehen das ganze sehr sachte und vorsichtig an, die anderen versuchen sich mit Sliding einen Vorteil zu erhaschen. Es kommt natürlich auch zu Fahrzeug- und Bandenkontakt. Eine sicherlich witzige Sache, die mir irgendwie bekannt vorkommt, als ob ein anderer Verein schon mal was Ähnliches gemacht hat.

 

Bild: Marcel Kaul (szenemagazin.ch)

 

Für das Mitteldrittel stelle ich mich neben die Mannschaftsbank an die vorderste Front. Es geht schon wieder mit viel Action und schnellem Spiel weiter. Dario Meyer bekommt einen Pass und feuert die Scheibe aufs Tor von #36 Joren van Pottelberghe. Dieser vermag nicht abzuwehren und die Scheibe zappelt im Netz. Die Headschiedsrichter zeigen an: Tor. Doch Biel Coach Petri Matikainen nimmt eine Coach’s Challenge. Die Linesmen dürfen nun Videostudium abhalten. Es geht in der Tat um Haaresbreite, ob Dario im Offside steht oder nicht. Nachdem wir das Video nun gefühlt schon fünf Mal gesehen haben, können auch wir nicht wirklich sehen, ob der Schlittschuh die blaue Linie noch berührt oder nicht. Da ich gleich neben dem wieder genesenen #39 Sandro Zurkirchen stehe, höre ich auch alles, was so auf dem Eis besprochen wird. So auch die Meinung von #96 Damian Brunner zu der Sache. Die Bieler Spieler gehen sogar die Stelle anschauen auf dem Eis, wo man noch die Spur von Dario sieht.

«Muesch luege, er gitts, will ers nöd gseht» - Damian Brunner

So müssen wir alle warten und es kommt langsam Unmut bei den Fans auf. Ein Pfeifkonzert startet, während die Headschiedsrichter ein Grinsen aufsetzen. Ich frag mich, schauen die da Netflix, oder was? Nach einer gefühlten halben Ewigkeit sind sie sich dann einig und kommen wieder aufs Eis mit dem Entscheid: Tor. Dies hat nun zur Folge, dass die Bieler wegen der negativen Coach’s Challenge mit einer Teamstrafe belegt werden. Kaum läuft das Spiel endlich wieder, schon der nächste Unterbruch. Für sein Beinstellen darf #25 Toni Rajala zwei Minuten raus. Doppelte Überzahl für die Gastgeber. Was machen sie daraus? Nichts. Das erste Powerplay war anscheinend eine Ausnahme, die nicht mehr eintreffen soll. Die Strafbanktürsteher kriegen noch richtig Arbeit in diesem Drittel. Insgesamt geht die Türe auf Bieler Seite vier Mal auf und auf der Klotener ebenfalls vier Mal. Die Emotionen kochen regelrecht und gibt es allein für übertriebene Härte gleich zwei Mal zwei Strafen. Beide Mannschaften haben ihre grösste Mühe, jeweils ihr Powerplay, wenn vorhanden, zu nutzen. Es sieht echt übel aus, auf beiden Seiten. So verlasse ich kurz vor der Pause das sinkende Schiff, äh die Mannschaftsbank. Auf dem Weg nach oben zu meinem Platz passiert es dann doch noch, die Bieler können 12 Sekunden vor dem Unterbruch das Anschlusstor erzielen. Der Bieler Postfinance Topscorer #76 Jere Sallinen findet die Lücke bei Juha Metsola und versenkt.

 

Bild: Marcel Kaul (szenemagazin.ch)

 

Eigentlich sollte man meinen, dass die Spieler nun motiviert retour kommen und dafür besorgt sind, besser zu spielen. Die Betonung liegt hier bei sollte. Das muntere Strafbanktüröffnen geht weiter. Beide Kontrahenten zeigen ein relativ gutes Boxplay und gehen jeweils in der Unterzahlphase auch in den Angriff über. Doch Früchte tragen die Aktionen nicht. Im Gegenteil, wir sehen zum Teil echt laue Versuche und 100-Prozentige die daneben gehen. Gegen Ende des Spieles sind die Emotionen immer noch sehr hitzig und #77 Robin Grossmann und #8 Marc Marchon aka «Prügelknabe» geraten aneinander. Kaum ist dieses Aussitzen in der Kühlbox beendet, muss Jere Sallinen wegen hohen Stockes raus. Dies gibt den Klotenfans nochmals Hoffnung, dass ihre Mannschaft die knappe Führung entweder sichern oder eventuell sogar ausbauen kann. Hier hat aber Toni Rajala etwas dagegen und kann den Puck ergattern. Er passt auf #92 Gaëtan Haas und dieser kann Metsola bezwingen. Nicht nur, dass wir die letzten paar Minuten einen regelrecht gelangweilten EHC Kloten auf dem Eis gesehen haben, der Ausgleich für die Bieler ändert daran leider nichts und wir dürfen in die Verlängerung.

Es geht weiter für maximal fünf Minuten und dann gäbe es ein Penaltyschiessen, sofern es zu keinem Tor kommt. Habt ihr in dem kurzen Break kein «Hallo Wach» erhalten? Gefühlt geht es noch langsamer weiter wie schon im letzten Drittel. Beide Mannschaften kommen irgendwie nicht in die Gänge und ich bin versucht zu sagen, sie wollen ein Entscheid im Penaltyschiessen. Die Gastgeber bringen gerade mal zwei Versuche hin, wovon aber keiner direkt auf das Tor geht, um als Shot on Goal zu zählen. Damian Brunner ist in der 64. Minute etwas zu aktiv und wird eines Stockschlages beschuldigt. Er muss aufs Schämbänkchen und gibt den Klotener Fans wieder die Hoffnung, doch noch 2 Punkte zu sichern. Aber auch dieses Powerplay ist inexistent. Die Scheibe geht langsam zurück ins Klotener Drittel und Metsola kommt aus seinem Kasten, um die Scheibe abspielen zu können. Dies, obwohl Gaëtan Haas auf ihn zugefahren kommt. Gaëtan kann die Scheibe aber unter Kontrolle bringen und um Metsola herumspielen und im Tor zu seinem zweiten Shorthander versenken.

Ein weiteres Spiel geht zu Ende, das ganz anders ausgehen hätte müssen. Die letzten paar Minuten haben sich beinahe wie Arbeitsverweigerung angefühlt. Unter dem Strich hat sich aber nicht wirklich viel geändert. Auch Ajoie hat das Spiel gegen Fribourg-Gottéron verloren und so trennen die beiden Mannschaften immer noch vier Punkte. Die nächste Partie ist schon diesen Samstag gegen die SCL Tigers. Das nächste Heimspiel ist am Freitag gegen Tabellenführer Fribourg-Gottéron, also kein einfaches Spiel. So heisst es nun trainieren, trainieren, trainieren…

 

   

EHC Kloten vs. EHC Biel: 2:3 (1:0 | 1:1 | 0:1 | 0:1)

Schüsse aufs Tor: 32:37  (15:12 | 8:16 | 9:8 | 0:1)

Details zum Spiel: Gamecenter SIHF 

Aufstellung: TeamRoster

 

Eventdatum: 17.11.2023

Fotograf:  Marcel Kaul / szenemagazin.ch

Location:  Stimo Arena

Veranstalter: EHC Kloten

Zuschauerzahl: 4834

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Marcel Kaul
Publiziert in Sport

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