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212. Derby zwischen dem EHC Kloten und den ZSC Lions

212. Derby zwischen dem EHC Kloten und den ZSC Lions Marcel Kaul / szenemagazin.ch

Das letzte Derby fand am 20. Januar 2018 statt und der EHC Kloten hat dieses in der Verlängerung mit 4:3 gewonnen. Können die Klotener diesen Sieg heute wiederholen, eventuell sogar ohne Verlängerung?

Ich bin etwas früher unterwegs als gewohnt, um auch noch einen Parkplatz zu haben. Dies könnte heute nämlich schwierig werden, da auch das mediale Interesse an diesem Spiel wesentlich höher ist. Diese 10 Minuten stehe ich dann dafür auf der Strasse, während der ganze ZSC Fantross vom Bahnhof her die Strasse überquert, mit Fangesang und Rauchpetarden. Während die ZSC-Fans links hoch gehen, nehme ich den Weg rechtsrum. Ich mische mich unter die Kloten-Fans und diskutiere mit ihnen. Sie haben etwas Angst, dass ihr EHC heute untergehen könnte und hoffen, dass er nicht komplett demontiert wird. Diese Angst ist nicht unberechtigt, nachdem man zu Hause erst sieben Punkte holen konnte. Umgekehrt kann man aber sagen, dass der EHC Kloten die letzten beiden Heimspiele für sich entscheiden konnte.

Das Stadion ist brechend voll. Es wäre ausverkauft, hätte der EHC Kloten auch noch den letzten Spickel der Sitzplätze von der Werbung befreit. So sind es nur 7312 Zuschauer, die die beiden Mannschaften anfeuern. Ist dies ein schlechtes Omen, dass die aufblasbaren Klotenembleme schon vor dem Einlaufen der Spieler einknicken? Rasch werden diese wieder entfernt und die Spieler laufen ohne ihr Wappen ein. Vor dem Spiel wird dann der Teppich auf dem Eis ausgerollt, denn Robin Figren wird noch offiziell verabschiedet. Er hat für den EHC Kloten während seiner 166 Spiele 212 Scorerpunkte getätigt und 91 Tore erzielt. Die Halle steht und klatscht, während Robin aufs Eis schreitet. Sogar die ZSC-Spieler erweisen ihm die Ehre und klatschen mit ihren Stöcken aufs Eis. Selbst die ZSC-Fans halten kurz inne und überlassen ihm den Moment. Als kleines Dankeschön für seine geleisteten Dienste erhält er einen «Schweizerkorb» mit lauter typischen Schweizer Sachen drin, zum Beispiel Ovomaltine, Ricola und Aromat. Ebenfalls erhält er eine Bildcollage. Und jetzt drückt es mir auf dem Eis ein Tränchen aus dem Auge, als ich sehe, dass die Collage auch mindestens ein Bild von mir beinhaltet. Fertig mit Tränen vergiessen, lasst das Spiel beginnen.

Der EHC gewinnt den Einwurf und startet den ersten Versuch in Richtung gegnerisches Tor. Den ersten Torschuss erzielen sie nach 95 Sekunden. Nur 25 Sekunden später erfolgt ein weiterer Schuss auf Ludovic Waeber. Es gibt einen Unterbruch, da die Schiedsrichter ein Videoreview machen. Ich gehe davon aus, dass es wegen des Checks von Bachofner an Lindemann in Bandennähe ist. Aber nein, die Unparteiischen haben die Spieleranzahl kontrolliert und zu viele Spieler auf dem Eis festgestellt. Somit erstes Powerplay für die Gäste. Dies kann der Gastgeber mehrfach erfolgreich stören und kommt sogar zu Unterzahltorchancen. Nach Ablauf der Strafe stürmt Ruotsalainen zusammen mit Ang auf das gegnerische Tor los. Ang wird aber vom Zürcher Verteidiger zu arg gestört, so dass er von Arttu gar nicht erst angespielt wird.

Die sechste Minute nicht ganz beendet muss Luca Capaul für einen Cross-Check in die Kühlbox. Erneut kann der EHC Kloten ein solides Boxplay zeigen und verhindert ein Überzahltor. Kurz vor Ende der zehnten Minute eine etwas spezielle Situation: David Reinbacher stürmt auf Ludovic Waeber zu, welcher den Puck sichert. Reinbacher kommt vor Waeber zum Stehen und bewegt sich nicht, währenddessen er von hinten von Phil Baltisberger angegangen wird. Die daraus resultierende Schlägerei führt zu erstaunlichen Strafen. Baltisberger erhält 2+2 für übertriebene Härte, Reinbacher ebenfalls 2+2 für übertriebene Härte und unsportliches Verhalten. Garrett Roe, der sich auch noch einmischte, muss auch wegen übertriebener Härte für zwei Minuten auf die Bank. Kann mir jemand das unsportliche Verhalten von Rickenbacher erklären, oder habe ich das nicht mitbekommen? 

Bild: Marcel Kaul (szeneemagazin.ch)

Auf jeden Fall bleibt das Spiel schnell und geladen. So geraten Marc Marchon und Juho Lammikko nicht ganz drei Minuten später aneinander und dürfen ebenfalls wegen übertriebener Härte die Strafbank für zwei Minuten besuchen. Ein Missverständnis bei den ZSC Lions führt dazu, dass Dario Meyer den Puck ergattert und eine Torschussmöglichkeit erhält. Der Löwenkeeper kann diesen Schuss aber gekonnt abwehren. Mit dem 0:0 gehen wir in die Pause. Ich für meine Wenigkeit bin positiv überrascht, dass der EHC Kloten im ersten Drittel nicht nur so gut mithalten, sondern auch angreifen konnte. Absolut verdientes Unentschieden zur Drittelspause.

Auch das Mitteldrittel geht rasant weiter. Beide Mannschaften versuchen Druck aufzubauen, um die gegnerische Abwehr zu schwächen und ein Tor erzielen zu können. Eine grosse Möglichkeit sieht Kevin Lindemann nach etwa zweineinhalb Minuten, er zieht einen wunderbaren Schuss, den Waeber aber abwehren kann. Die Angriffe auf das ZSC-Tor erhöhen sich. Sowohl Dario Meyer als auch Eric Faille laufen beide von rechts aufs Tor zu, schiessen aber links daran vorbei. Flurin Randegger wird dann wegen Puck aus dem Spielfeld beförderns mit einer Spielverzögerungsstrafe von 2 Minuten belegt. Die Löwen können ihr Powerplay aufbauen, aber Juha Metsola hat seine Sinne geschärft und wehrt jeden Schuss gekonnt ab. Etwas Glück kommt dann auch noch dazu. Das Glück hat einen Namen, es nennt sich Torpfosten. Das Spiel verliert kein bisschen an Fahrt und das Mitteldrittel endet ebenfalls mit 0:0. Mir gefällt sehr gut, was ich da von den Gastgebern sehe.

Der EHC Kloten ist bereits retour auf dem Eis und die Schiedsrichter möchten eigentlich das Spiel beginnen, doch vom ZSC fehlt noch jede Spur. Das muss eine gewaltige Ansprache sein, die Rikard Grönborg in der Kabine abhält, dass sie zu spät erscheinen. Dies zeigt Auswirkung, sie erhalten eine Teamstrafe wegen Spielverzögerung. Dieses erste normale Powerplay kann der EHC nicht ausnutzen und es bleibt beim 0:0. Wir haben noch 17:18 Minuten auf der Matchuhr, da geht David Rickenbacher sein Gesicht haltend zu Boden. Im ersten Moment habe ich gedacht, dass er einen Puck abgekriegt hat, doch die Strafaussprechung danach belehrt mich des Besseren, es war ein hoher Stock von Lucas Wallmark. Dieser fährt dann zu David hin und erkundigt sich, ob alles ok sei.

Dennoch muss er für 2+2 Minuten die Strafbank drücken. Vier Minuten Überzahlspiel für den EHC Kloten. Nach 2:28 findet Dario Meyer im Getümmel eine Lücke und lässt den Puck im Netz hinter Waeber zappeln. Ein riesen Aufschrei geht durchs Stadion. Die Fans feiern Dario frenetisch. Wer hätte das gedacht, dass der EHC in Führung gehen kann. Einen kurzen erfolglosen Angriff des ZSC später, feuert David Reinbacher einen Schuss auf Ludovic Waeber ab und der Puck schliddert über die Torlinie. Die Freudenparty ist perfekt und das Undenkbare ist geschehen, Kloten führt mit 2:0. Doch dann, die Unparteiischen zeigen an, dass sie sich das im Videoreview anschauen wollen. Auch ich schaue auf meiner Kamera das ganze etwas näher an und muss sehen, dass Marc Marchon leider mit einem Fuss im Torraum steht. Somit dann auch das Verdikt der Schiedsrichter auf Torhüterbehinderung, kein Tor.

Die Nerven liegen auf beiden Seiten blank. So geraten Sven Andrighetto und Miro Aaltonen aneinander und dürfen sich während zwei Minuten auf der Strafbank beruhigen. Beide Torhüter zeigen am heutigen Abend ihre Stärken und mehrere Big Saves. Doch dann lassen Capul und Kindschi Alexandre Texier durchbrechen und er kann den Puck nur Millimeter an Metsolas rechtem Armschoner vorbei ins Netz befördern. Noch etwas mehr als fünf Minuten und der ZSC kann ausgleichen. Die Sache wird noch interessanter als sie schon ist, wird es eine Verlängerung geben? Miro Aaltonen möchte dies nicht und versenkt die Scheibe vom Bullypunkt aus zum 2:1. Das Spiel dauert noch etwas mehr als drei Minuten. Es gibt kein Halten mehr, auch nicht für die Fans, denn stehen mittlerweile alle und feiern ihren EHC. 133 Sekunden vor Spielende begibt sich Waeber auf die Spielerbank und nimmt auf der Spielfeldumrandung Platz. Trotzdem, dass die Gäste in Überzahl spielen, können die Klotener mehrfach die Situation mit einem Schuss aus dem Drittel heraus bereinigen. Miro Aaltonen hätte sich sogar als Doppeltorschütze feiern lassen können, wäre der Puck 5cm mehr rechts gewesen, aber er ist ganz knapp links am leeren Tor vorbei.

Dennoch kann die Verteidigung des EHC Kloten die restlichen Sekunden mehrheitlich kontrollieren und verhindern den erneuten Ausgleich. So gewinnt der EHC Kloten das Derby wohlverdient mit 2:1 gegen die ZSC Lions. Den Finger möchte/muss ich noch kurz erheben gegen die Schiedsrichter, sie haben zwei gefährliche Checks in Bandennähe nicht geahndet, nicht einmal während des Videostudiums, wo sie den einen Check garantiert gesehen haben. Ihnen war stattdessen der eine Spieler zu viel auf dem Eis wichtiger.

Das Derby Nummer 213 findet am 9.12.2022 in der bis dann nicht mehr ganz so neuen Swiss Life Arena statt. Bis zum nächsten Spiel dauert es jedoch nicht so lange, am 29.10. reist der EHC nach Bern in die Postfinance Arena. Tags darauf empfängt der EHC Kloten dann den HC Davos zu einem Sonntagnachmittags-Spiel.

 

 

EHC Kloten vs. ZSC Lions (0:0 | 0:0 | 2:1)

Schüsse aufs Tor: 30:27  (10:7 | 5:14 | 15:6)

 

Details zum Spiel: Gamecenter SIHF 

Aufstellung: TeamRoaster

 

Eventdatum: 22.10.2022

Fotograf:  Marcel Kaul / szenemagazin.ch

Location:  stimo arena, Kloten

Veranstalter: EHC Kloten

Zuschauerzahl:  7312

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Marcel Kaul
Publiziert in Sport