Helmpflicht für die untersten Zuschauerreihen?
Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Beginnen wir das neue Jahr nicht mit dem Spiel um Platz sieben, sondern als «der Achte gegen den Siebten». Der EHC Kloten empfängt beim ersten Spie des neuen Jahres Fribourg-Gottéron. Kann der EHC eine weitere Heimsiegserie starten? Deren drei hat man ja schon im Sack.
Die beiden heutigen Kontrahenten stehen sich sehr nahe, zumindest tabellarisch. Fribourg-Gottéron steht auf Platz sieben und der EHC Kloten grüsst vom Platz acht. Doch wenn man Wettportale anschaut, dann rechnet man eher mit einem Sieg der Gäste, als dass Kloten punktet. Der Spielbeginn deutet in andere Richtung. Die Gastgeber machen von Beginn weg Druck und peilen eine frühe Führung an. Nach drei Minuten und fünf Sekunden ist es dann auch schon so weit und die Torlampe leuchtet auf. Jonathan Ang findet für die Scheibe einen Weg, auf Pass von Kellenberger und Aaltonen. Nur kurz darauf gleitet Schreiber durch die Freiburger Verteidigung wie ein heisses Messer durch Butter. Connor Hughes sieht dies kommen und wehrt ab. Die Verteidigungslinien der Gäste machen zu Beginn keinen guten Eindruck. Daenerys hätte keine Freude an ihren Drachen. Aber auch die Angriffslinien bringen nichts zu Stande. Noch beinahe 13 Minuten zu spielen und Freiburg bekommt eine erste grosse Chance auf den Ausgleichstreffer. Julien Sprunger steht eigentlich optimal und könnte einnetzen, doch Juha Metsola hat hier etwas dagegen. Selbst wenn es zum Tor gekommen wäre, hätten es die Schiedsrichter nicht gegeben, da David Desharnhais seinen Fuss nicht nur im Torraum, sondern im Tor selbst hatte.
Zwei Minuten später dann ein erster Testschuss aus der Distanz von Andrey Bykov, doch auch den weiss Metsola zu fangen. Einen ähnlichen Versuch startet Marc Marchon, von der Mittellinie aus stürmt er im Bogen auf Connor Hughes zu, doch auch dieser kann parieren. Die erste Strafe erhält Nicholas Steiner. Sein Stock war definitiv zu hoch und trifft den Freiburger im Gesicht. Steiner hat dies im Getümmel aber nicht mit Absicht gemacht und bemerkt sein Vergehen und fragt beim Getroffenen auch gleich nach und entschuldigt sich. Dennoch muss er für zwei Minuten auf die Bank. Freiburg bringt während der Zeit genau zwei Versuche eines kontrollierten Powerplays auf die Beine. Ebenfalls können sie nur zwei Schüsse aufs Tor abgeben. Entweder landet der Puck in Metsolas Fanghandschuh oder der Stock eines Kloteners lenkt ihn schon vorher ab. Ang wird etwas später von Bykov von den Kufen geholt und so verbüsst auch er zwei Minuten wegen Hakens auf der Bank. Kloten sieht im ersten Powerplay wesentlich besser aus. Aaltonen und Ekestahl-Jonsson bereiten vor und Jonathan Ang findet eine Lücke und punktet schon zum zweiten Mal in diesem Spiel. Mit dieser 2:0-Führung geht es in die Pause.
Dreieinhalb Minuten im zweiten Spielabschnitt sind durch und die Schiedsrichter ahnden einen Haken von Schreiber. Auch in diesem Powerplay sehen die Gäste nicht viel besser aus. Noch nicht. Irgendwie habe ich anschliessend das Gefühl, dass die Leistung der Freiburger kontinuierlich besser wird. Ebenso fällt mir auf, dass Kloten einen Gang zurückgeschaltet hat. Scheinbar sind Klotenspiele gefährlich für die Zuschauer. Beim letzten Spiel wurde ein Klotenfan von einem Puck am Kopf getroffen und musste verarztet werden. Heute Abend ist er wieder da und scheint ok zu sein. Er hat aber eine Wunde davongetragen, welche er den Leuten auf Nachfrage zeigt. Auch heute verirrt sich wieder ein Puck ins Publikum, dieses Mal aber auf der anderen Seite und es trifft einen Freiburger Fan. Er presst ein Taschentuch gegen seinen Kopf, während ihm das Blut über die Stirn läuft. Beim Neujahrsspiel der ZSC Lions gegen den EHC Biel-Bienne wurde ebenfalls eine Zuschauerin am Kopf getroffen. Ob bald eine Helmpflicht für die unteren 10 Reihen eingeführt wird? Auf dem Eisfeld geht es weiter und dem EHC Kloten entgeht nur ganz knapp das 3:0, denn die Scheibe touchiert die Oberkante der Latte. Mir fällt auf, dass der Freiburger Torhüter immer wieder mal testet, wieviel es bedarf, dass das Tor aus den Angeln gehoben werden kann. auf der Gegenseite behindert Kuokkanen Metsola und muss für Torhüterbehinderung auf die Strafbank. Ein weiteres Powerplay für die Gastgeber, das eigentlich gut steht und die Scheibe ordentlich zirkuliert. Dennoch vermögen sie die Führung nicht auszubauen. Während der EHC im Angriff ist, steht das Tor hinter Hughes plötzlich schräg da und es kommt zum Spielunterbruch. Mit meinem Vorwissen, wie er das Tor immer wieder angehoben hat, hätte es eigentlich eine Spielverzögerungsstrafe geben müssen. Aber ja, ich bin kein Schiedsrichter. Das Mitteldrittel endet mit 0:0, jedoch mit 15 Schüssen auf das Klotener Tor, jedoch nur deren sieben auf das Freiburger.
Den Biss, den die Gäste gegen Ende des zweiten Drittels gezeigt haben, nehmen sie mit ins letzte Drittel. Kloten hat zwar erneut eine grosse Chance, aber Connor Hughes kann den Puck noch in extremis daran hindern, ins Tor zu kullern. Der Beginn des Spielabschnittes geht aber klar an die Gäste. So dann auch in der 45. Minute, als Julien Sprunger das erlösende erste Tor erzielt. Er kann auf Pass von Sörensen und Diaz die Mauer Metsola überwältigen. Und wieder kann ich Hughes beobachten, wie er das Tor anhebt, ohne aus den Angeln zu fallen. Wieder müssen wir zusehen, wie der Puck oberhalb der Latte durchgeht. Miro Aaltonens Schuss ist mindestens 10cm zu hoch, obwohl ein knappes unter der Latte Einschiessen gar nicht nötig gewesen wäre. Platz war da eigentlich genug. Etwas später sieht Patrick Obrist einen Abpraller von Hughes, wird aber von Benoit Jecker an der sauberen Schussabgabe gehindert. Der ehemalige Klotener Simon Seiler kann mit seiner Stockschaufel den in Richtung Torlinie rutschenden Puck abwehren. Eigentlich hätte Ness bei diesem zweiten «Abpraller» nur noch einschieben müssen, aber er wird zu Fall gebracht und setzt sich dadurch auf den Puck. Habe ich schon gesagt, dass die Gäste von Minute zu Minute stärker werden? Metsola muss auch im letzten Drittel wieder 14 Schüsse auf sein Tor abwehren. Die Strafe von Patrick Obrist ermöglicht den Gästen nochmals ein Überzahlspiel, das sie eiskalt ausnutzen. Christoph Bertschy ist für den Ausgleichstreffer verantwortlich und die zahlreich erschienenen Fans der Gäste sind in Feierlaune. Das Beinstellen von Obrist wurde von den Unparteiischen geahndet, doch der nicht ungefährliche Bandencheck gegen Ang bleibt unbestraft. Es kommt, wie es kommen muss, wir gehen in die Verlängerung.
Die Steigerung der spielerischen Leistung von Fribourg-Gottéron ist enorm. Diese zeigt sich auch in der Verlängerung. Kloten hat Mühe, die Scheibe mal unter Kontrolle zu bringen. Geschweige dann einen Angriff zu lancieren. Die Spieler sind auch mittlerweile müde und so erstaunt es dann auch nicht, dass man statt eines möglichen Angriffes den Puck wieder nach hinten spielt, um einen Wechsel zu ermöglichen. Genau in solch einer - ich bezeichne es mal als desinteressierte - Situation kann Freiburg die Scheibe unter Kontrolle bringen und in den Angriff gehen. Ich weiss nicht wo und wie, aber ich sehe die Scheibe hinter Metsola im Netz zappeln. Keine Ahnung, wo Benoit Jecker eine Lücke gefunden hat, denn Metsola stand eigentlich perfekt da und hat abgedichtet. Scheinbar nicht genug, denn die Gäste können mit diesem Treffer 38 Sekunden vor Penaltyschiessen den Sieg einheimsen. Niedergeschlagen reiht sich der EHC Kloten an der blauen Drittelslinie auf, um auf die Verkündung des Bestplayers zu warten. Zu den Bestplayern werden die beiden Topscorer Gunderson und Ang gewählt.
Die 7287 Zuschauer verlassen die Halle erstaunlich schnell, die meisten mit hängendem Kopf. Nur der Freiburger Sektor feiert noch den Sieg und dies lässt sich nur mit einem Lichterlöschen in der Halle unterbrechen. Der EHC darf nach dieser Niederlage kein Trübsal blasen. Ja, es hat ein paar Schüsse gegeben, die eigentlich hätten sitzen müssen. Hätte und hat ist ein Unterschied und daran kann Tomlinson jetzt arbeiten. Er hat Zeit bis am Freitag, denn dann reist die Mannschaft nach Biel. Am Sonntag treffen wir uns wieder in der Stimo Arena zum Spiel gegen den EV Zug.
EHC Kloten vs. HC Fribourg-Gottéron 2:3 n.V. ( 2:0 | 0:0 | 0:2 | 0:1 )
Schüsse aufs Tor: 21:45( 7:14 | 7:15 | 7:14 | 0:2)
Details zum Spiel: Gamecenter SIHF
Aufstellung: TeamRoaster
Eventdatum: 02.01.2023
Fotograf: Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Location: stimo arena, Kloten
Veranstalter: EHC Kloten
Zuschauerzahl: 7287
https://www.szenemagazin.ch/sport/item/992-helmpflicht-fuer-die-untersten-zuschauerreihen#sigProId47a06fa1d1
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Marcel Kaul
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