free website hit counter Szenemagazin - Der kleine Prinz

Der kleine Prinz

Der kleine Prinz Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Ich weiss nicht mehr, ob ich «Der kleine Prinz» von Antoine de Saint-Exupéry während meiner Schulzeit gelesen habe oder ob es auf der Literaturliste für die Matura stand. Beides ist schon etwas länger her.

Das Musical «Der kleine Prinz» ist einiges jünger als das literarische Werk. Genauer gesagt war die Weltpremiere am 12. Dezember 2015. Die Idee zur Umsetzung hatten Opernsängerin Deborah Sasson und Multitalent Jochen Sautter, als sie bei einem Glas Wein auf eine Vorstellung ihrer Neuinszenierung von «Phantom der Oper» anstossen. Es dauerte ein weiteres Jahr, bis sie sich an die Umsetzung machten. Der in Paris lebende Jochen Sautter übersetzte die Texte aus dem Französischen, schreibt die Scripts für die verschiedenen Charaktere, entwickelt die Choreographie. Deborah Sasson komponiert die Musik und wird für die Arrangements von Matthias Suschke unterstützt. Das Bühnenbild besteht unter anderem aus aufwändigen Videoanimationen, für die sie Daniel Stryjecki gewinnen.

Die Geschichte des kleinen Prinzen wird von 12 Darstellern mit Musik und Tanz in Form eines klassischen Musicals erzählt. Das Märchen wurde erstmals 1943 veröffentlicht. Es handelt von Freundschaft, Menschlichkeit und der Einsamkeit des modernen Menschen. Die Geschichte ist aus der Sicht eines Erzählers geschrieben. Er ist ein Pilot, der in der Wüste notlanden musste und dabei während 8 Tagen die Bekanntschaft eines Jungen macht, der auf einer Weltraumreise ist. Als Kind wollte dieser Pilot Maler werden, doch seine Zeichnungen stiessen bei seinem Umfeld nur auf Unverständnis. Als Erwachsener bereist er die Welt, aber fühlt sich allein und unverstanden. Als er in der Sahara notlanden muss, trifft er auf den kleinen Prinzen einer fremden Galaxie. Er ist eher klein, hat goldenes Haar und trägt einen gelben Schal. Der kleine Prinz pflegt seinen Heimatplaneten. Er bittet den Piloten um eine Zeichnung eines Schafes, um sein Problem mit einer Affenbrotbaumplage in den Griff zu bekommen. 

Während der Pilot das Flugzeug repariert, erzählt der kleine Prinz mehr über sich. Auf seinem Planeten wächst eine einzelne Rose, die launisch und arrogant ist - aber dennoch liebt er sie. Die Rose liebt den kleinen Prinzen, kann ihm das aber nicht zeigen. Als ihm ihr Verhalten zu viel wurde, ging er fort. Der kleine Prinz erzählt von Abenteuern auf 6 Planeten, bevor er auf die Erde kommt. In kurzen Szenen lernen wir dabei den Geografen kennen, einen Geschäftsmann, einen Lampenanzünder, einen Säufer, eine eitle Person und einen König ohne Untertanen. Der König ist zwar eher wie Kommandant angezogen, weshalb ich dachte, die eitle Person sei der König. Diese Figuren raten dem kleinen Prinzen, die Erde zu besuchen. Dort trifft er auf eine Schlange. Diese erkennt man allerdings nicht als solche, obwohl das «s» in der Aussprache langgezogen und mit einem Lispeln erfolgt. Weshalb man sie als sexy Figur im orientalischen Bauchtanz-Outfit darstellt, habe ich auch nicht ganz nachvollziehen können. In der Geschichte spricht die Schlange in Rätseln, aber der kleine Prinz versteht, was sie sagt. Er stellt fest, dass es auf der Erde viele Rosen gibt, was ihn traurig macht, weil sie nicht einzigartig ist. Dann begegnet er einem Fuchs, der ihm das Geheimnis der Freundschaft offenbart. Er erlangt die Erkenntnis, dass eine solche Verbindung jemanden einzigartig unter Millionen macht. Auch das berühmte Zitat: «Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar» gibt ihm der Fuchs mit auf den Weg.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

Während wir die Geschichten des kleinen Prinzen erzählt bekommen, schreitet die Reparatur des Flugzeugs gut voran, aber das Trinkwasser geht zur Neige. Deshalb suchen sie nach einem Brunnen, um nicht zu verdursten. Auf der Suche begegnen sie noch einem Händler, bevor sie die Wasserquelle finden. Der Pilot soll eine weitere Zeichnung erstellen - dieses Mal einen Maulkorb, um die Rose vor dem Schaf zu beschützen. Das Flugzeug ist repariert und der kleine Prinz wendet sich an die Schlange. Sie soll ihm helfen, nach Hause zurückzukehren. Das stimmt den Piloten traurig, aber mit einem Blick in den Sternenhimmel - so der kleine Prinz - würde er sich an ihn erinnern. Der kleine Prinz lässt sich von der Schlange beissen und stirbt. Im Buch kehrt der Pilot nach Hause zurück und erinnert sich Jahre später daran, dass er keinen Riemen für den Maulkorb gezeichnet hatte. Er befürchtet, das Schaf könnte die Rose gefressen haben. Der Erzähler bittet uns, ihn zu informieren, falls der kleine Prinz zurückkehren sollte. Im Musical endet die Geschichte allerdings damit, dass der Pilot den toten Prinzen auf seinen Armen wegträgt. Eine Stimme sagt dann: «Die Liebe bleibt ewig Der Aspekt kann sich ändern, doch das Wesentliche bleibt».

Mit diesen Worten werden wir entlassen. Wie wir die Erzählung und die vorkommenden Figuren interpretieren, lässt das Musical - genau wie das Buch - offen. Ob wir es einfach als hübsch verpackte Geschichte ansehen oder uns tatsächlich Gedanken über die Weisheiten und versteckten Botschaften machen, ist jedem freigestellt. Die Umsetzung des Buches ist unterhaltend gestaltet. Das Bühnenbild ist zwar einfach gehalten, aber dennoch raffiniert. In manchen Szenen überlagern sich Videoprojektionen mittels 2-2 weissen, beinahe transparenten Vorhängen, was uns mehr Tiefe vortäuscht. Schade nur, dass die hinterste Leinwand nicht die ganze Breite abdeckt. Sitzt man seitlich, ergibt sich so eher ein Effekt von Bild im Bild und ein Teil der Kulissen sind nur vor schwarzem Hintergrund sichtbar. Wer zudem links sitzt, hat Monitore im Blickfeld, die statt der Requisiten (Flugzeug, Baum, Laternen) ganze Szenen überdecken. So sieht man beispielsweise den schlafenden Prinzen nicht, weil er hinter den Schirmen liegt. Oder den Tanz der Schlange auf der Mauer. Vielleicht ist das ja nicht an jedem Vorstellungsort so und konnte im Kongresshaus nicht anders gelöst werden. Stimmlich hat mich Moritz Bierbaum in der Rolle des kleinen Prinzen am meisten überzeugt. Ich kaufe ihm die Rolle als kleiner Junge ab, obwohl er schon 30 Jahre alt ist – andere verlieren nach dem Stimmbruch diese klare Stimme, die in die oberen Tonarten wandern kann. Anders als andere Musicals gastiert «Der kleine Prinz» nicht einige Tage in Zürich, sondern zieht direkt weiter. Das Ensemble ist noch bis zum 12. Februar 2023 in Österreich und Deutschland unterwegs.

 

 

   

Eventdatum: 15.01.2023

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Kongresshaus, Zürich

Veranstalter: act entertainment

 

{gallery}images/20230115DerkleinePrinz,limit=0,random=1,width=100,height=100,gap_h=20,gap_v=20{/gallery

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Event

Schreibe einen Kommentar

Bitte achten Sie darauf, alle Felder mit einem Stern (*) auszufüllen. HTML-Code ist nicht erlaubt.

Nach oben