So war Tag 2 am Greenfield-Festival in Interlaken
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Nach einem aufregenden ersten Tag geht es weiter auf dem ehemaligen Flugplatz. Für Freitag stehen 14 Bands auf dem Plan. Auch heute habe ich den Anspruch, alle Bands zu fotografieren – und das trotz Regen.
Eins vorneweg: mein Navi hat für den Hinweg nicht den Panorama-Adventure-Weg gewählt, sondern den genau gleichen wie bei der ersten Hinfahrt. Scheinheilig ist es also auch noch. Aber auf dem Heimweg falle ich nicht mehr auf sie rein, dann wird mein Handy die Routenplanung übernehmen. Nach einem kurzen Abstecher in ein Einkaufszentrum in Thun geht’s ab Richtung Konzertgelände. Heute nehme ich eine Ausfahrt früher und erspare mir damit viel Zeit. «Wer braucht schon einen Regenschutz, wenn der Radar nur etwas Bewölkung und gegebenenfalls ein paar wenige Tropfen anzeigt?». Das jedenfalls habe ich mir gedacht, als ich am Tag 2 meinen Wagen auf dem VIP-Parkplatz abgestellt habe.
Hoodie bei den Temperaturen? Weg damit. Schnell noch den Kameraschutz aus dem Rucksack genommen, weil ich heute das Notebook mit dabei habe. Nein, die sind nicht gleich schwer, aber wieso etwas mittragen, das man nicht benötigt? So denkt wirklich nur jemand, der wider besseres Wissen einer Wettervorhersage vertraut.
Heute scheint es pyrotechnisch abzugehen. Schon bei der ersten Band sind G-Flame-Boxen auf der Bühne, die mit Querstangen verbunden sind. Leider. Denn das Gestänge ist - trotz der halb so hohen Bühne wie im Vorjahr - schlichtweg in jedem Bild quer durch den Musiker zu sehen. Ausser, man ist grösser als ein Minion und hält die Kamera in die Höhe.
Vorerst war es ja noch trocken und optimistisch wie ich war, hatte ich mich sogar eingecremt. Sagen wir’s mal so: ich bin nicht aus Zucker und ein paar Regentropfen machen mir nichts aus. Aber bei Hatebreed war ich schon vor Beginn ihres Auftritts so nass, dass ich einen Moment überlegt habe, die nicht zu fotografieren. «Bei denen regnet es immer», meint einer der Fotografenkollegen. Die Info hätte mir eine Stunde früher etwas gebracht, dann wäre ich zum Auto die Sachen holen. Aber sie sollen sich optisch lohnen, wird mir gesagt. Also Augen zu, Kamera weiterhin unters nasse Shirt halten, und durch.
Gehen oder nicht gehen, das ist hier die Frage
Dann überlege ich, ob es mir zeitlich zum Parkplatz und zurück reicht, ohne Touché Amoré zu verpassen. Doch mir wird im Container ein Kameraschutz angeboten, weil sein Kollege diese Band und Arch Enemy übernimmt und er ihn selber nicht braucht. Danach bleibe es wohl trocken, meint er. Also flugs meine beiden Kameras in seine Hüllen eingepackt, mit Gaffertape passend gemacht und ab dafür. Ich bin ja schon nass und ich dachte mir, ich spare den noch trockenen Hoodie für später auf, falls es auch noch kalt würde. Dass der im Kofferraum liegt und ich in einem Seitenfach einen Regenschutz habe, werde ich erst später am Abend rausfinden…
Bei Touché Amoré sieht es einen Moment lang aus, als würde es nicht regnen. War ja klar - so wie gestern, als ich meinen Kameraschutz aufgezogen hatte und die Sonne rauskam, um mich auszulachen. Doch kurz bevor es losgeht, setzt der Regen ein - zum Leidwesen der Musiker, denn der Wind klatscht ihnen die Regentropfen frontal ins Gesicht. Obwohl Regen bei Arch Enemy farblich perfekt passen würde, entscheiden sich die Wolken weiterzuziehen. Das wäre optisch sicherlich spannend gewesen: Regentropfen zum blauen Bühnenlicht und blauen Outfit von Alissa White-Gluz und obendrauf eine satte Portion Pyro? Hätte ich nicht nein gesagt. Aber bei dieser Band kann ich mich definitiv nicht über mangelnde Abwechslung beklagen. Die Sängerin ist alles andere als statisch und ich habe mich sehr auf sie konzentriert. Sind wir mal ehrlich: das ging nicht nur mir so. Leider habe ich vom Drummer Daniel Erlandsson kein einziges Bild, obwohl er auf einem Podest spielte. Aber wenn er genügend Licht hatte, war ich am falschen Ort oder jemand versperrte die freie Sicht.
Nach diesem Act mach ich mich auf die Socken zum Parkplatz. Denn wenn es nochmal regnet, hätte ich nichts mehr gehabt, um meine Kamera einzupacken. Ich marschiere gut 10 Minuten durch den Regen und schnappe mir alles, was ich im Kofferraum hab liegenlassen – inklusive Hoodie, den ich jetzt überziehe. Zurück im Mediencontainer bemerke ich dann auch die Pelerine im Rucksack. Vorsichtshalber montiere ich alles. Von der Regenjacke bis zum Kameraschutz. Alles. Und selbstverständlich verziehen sich dann die Wolken und ich brauche – ausser dem Hoodie – nichts mehr davon. Nein, ich beklage mich definitiv nicht, dass ich die bodenlange, weisse «Mischtwetter»-Jacke wieder ausziehen kann. Allerdings erst nach Parkway Drive, denn die Zeit reicht nicht, vorher im Mediencontainer vorbeizuschauen.

Das Lineup am Freitag (beide Stages)
Heute sind es sogar zwei Bands mehr als gestern. Aber der Tag startete ja auch eine Stunde früher als am Donnerstag. Mit einem Klick auf den Bandnamen springst du direkt zur entsprechenden Bildergalerie!
- Überyou
- Zebrahead
- Windshelter
- Funeral for a Friend
- Coilguns
- Coheed and Cambria
- Mantar
- Hatebreed
- Touché Amoré
- Arch Enemy
- Lorna Shore
- Parkway Drive
- The Amity Affliction
- Sabaton
Das Motto lautet jedoch noch immer: wer alles fotografieren will, wird frühestens nach Arch Enemy etwas essen – es sei denn, man ist zum Parkplatz gewandert und verschiebt das auf 21:30 Uhr, wenn die drei Songs von Parkway Drive vorbei sind. Das war auch die erste Band, die dann tatsächlich Pyro im Einsatz hatte. Allerdings nur kurz beim zweiten Song. Böse Zungen meinten später, da habe sich eventuell jemand aus Versehen auf den Auslöser gesetzt. Aber vielleicht war es ja auch dem Regen verschuldet, wer weiss das schon so genau. Das Gelände ist sichtbar voller und langsam werden die Wiesen zu braunen Ackern. Ich nehme drum keine Abkürzungen mehr, weil ich mit meinen profillosen Sneakern schon zwei Mal wie eine Eiskunstläuferin elegant über den Matsch gegleitet bin. Immerhin: ich hab mich nicht langgelegt und bin nirgendwo im Morast steckengeblieben.
Nach Parkway Drive kann ich mich endlich mal etwas länger hinsetzen. Aber relaxen? Nicht wirklich. Ich versuche zumindest, die Fotos vom Vortag auszusortieren. Nur ist die Konzentration irgendwie nicht mehr ganz so gross und ich lasse mich gerne mit Gesprächen ablenken. Das wird sich noch rächen… spätestens am Sonntag, wenn ich dann Bilder von 3 Tagen durchsehen muss und gleichzeitig einen Bericht tippen soll. Aber zuerst soll es bei Sabaton nochmal so richtig heiss werden im Fotograben. 700 Grad, hiess es. Und das Beste: wir dürfen so lange fotografieren wie wir wollen – auch aus dem Graben heraus. Allerdings macht das nicht ganz so viel Spass, wenn die Crowdsurfer im Halbminutentakt im Pit ankommen und wir den Securities nicht im Weg stehen sollen. Drum sind wir trotzdem schon nach dem 3. Song wieder weg. Oder war es doch Song Nummer vier? Ich überlege noch kurz, ob ich vom Gelände aus noch ein paar Schüsse machen will, aber da wären wir wieder beim Thema: keiner zu klein, um… leider doch.
Apropos klein... Wer erinnert sich noch an Bernardo, der am Macklemore-Konzert war? Ja, ich mein den Basilikumtopf. Ich konnte nicht nachfragen, aber vielleicht war es Bernando, vielleicht war es aber auch sein Cousin. Weiss das wer?

Anscheinend haben Umfragen von Sabaton ergeben, dass sich das Publikum einerseits ältere Lieder wünscht und andererseits Titel in schwedisch. Unser Wunsch war ihnen Befehl und sie haben beides abgeliefert. Dieser Gig ist gleichzeitig Tour-Ende von Sabaton und die beenden sie mit einem lauten Knall. Es werden noch News für Montag angekündigt – aber es tönt nicht so, als würden sie die Band auflösen, also müssen sich die Fans keine Sorgen machen.
Um Mitternacht zeigt meine Uhr 19'453 Schritte an. Da kommen nochmal 1'500 dazu, bis ich mich auf dem Guggisberg ins Bett lege. Heute habe ich den direkten Weg via Hauptstrassen genommen - dank Google Maps. Den Babyfuchs von gestern habe ich auch nochmal gesehen, selbst im Regen scheint er es auf der Strasse gemütlicher zu finden als im Gras. Das Kurioseste war dann wohl doch die schwarze Katze von gestern, die nicht nur auf dem Gehweg, sondern am Strassenrand an die Bordsteinkante lehnte und alle einen Bogen um sie fahren mussten.
Oder war es doch die Maus, die mir in einem Waldstück vor dem Auto durchgerannt ist? Aber vielleicht war es dennoch der Dachs, der sich schlussendlich unter einem Holzhaufen versteckt hatte. Morgen Abend werde ich nichts dergleichen mehr sehen, denn dann fahre ich nach der letzten Band von Interlaken auf direktem Weg nach Zürich - sofern mein Navi keine anderen Pläne hat.
Eventdatum: 09.06.2023
Fotografin: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Greenfield Festival, Interlaken
Veranstalter: Act News
Zuschauerzahl: unbekannt
Parkway Drive, The Amity Affaire, Sabaton
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/1087-so-war-tag-2-am-greenfield-festival-in-interlaken#sigProId7eb4432b27
Touché Amore, Arch Enemy, Lorna Shore
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/1087-so-war-tag-2-am-greenfield-festival-in-interlaken#sigProIdc18cb6a94c
Coilguns, Coheed and Cambria, Mantar, Hatebreed
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/1087-so-war-tag-2-am-greenfield-festival-in-interlaken#sigProIdbe43af12ab
Überyou, Zebrahead, Windshelter, Funeral for a Friend
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/1087-so-war-tag-2-am-greenfield-festival-in-interlaken#sigProId136044ae34
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Michelle Brügger
Schreibe einen Kommentar
Bitte achten Sie darauf, alle Felder mit einem Stern (*) auszufüllen. HTML-Code ist nicht erlaubt.