Geglückter Start ins Jubiläums-Festival am Herrenacker
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Bei 35 Grad geht es ab in die 15. Ausgabe von «Stars in Town». Die wenigen Schattenplätze auf dem Herrenacker sind – wortwörtlich – heissbegehrt. Der Abend mit Paula Dalla Corte, Dagny und Sting ist ausverkauft.
Vom 29. Juli bis 8. August 2026 verwandelt sich der Herrenacker an insgesamt 7 Abenden wieder in ein Festivalgelände. Ich selbst bin seit 2017 jedes Mal mit der Kamera wieder auf dem Herrenacker, aber Stars in Town gibt es schon länger. Zum Jubiläum lohnt sich ein Blick zurück auf die Anfänge: Was heute Stars in Town heisst, hiess ursprünglich anders – die drei Schaffhauser Adrian Brugger, Simon Vogel und Thomas Nyffenegger starteten 2010 unter dem Namen «das festival», die Umbenennung kam erst zwei Jahre später, als sich die Konzertreihe auf Herrenacker und Fronwagplatz ausdehnte. Reibungslos lief das nicht von Anfang an: Im allerersten Jahr sass der für den Samstagabend gebuchte Headliner, die schottische Band Simple Minds, im Gotthardtunnel fest – erst mit Polizeieskorte schafften sie es kurz vor Mitternacht doch noch auf die Bühne.
Wer die Grössenordnung des Festivals verstehen will, muss zwei verschiedene Zahlen auseinanderhalten: Am Herrenacker selbst werden pro Abend nur rund 6'500 Leute zugelassen. Dazu kommen aber noch die öffentlichen Konzerte am Fronwagplatz. Über das ganze Festival gerechnet kommen deshalb deutlich mehr Leute zusammen: Die genannten Zahlen variieren – es wird von über 40'000 gesprochen, im bisherigen Rekordjahr 2019 waren es sogar 55'000. Adrian Brugger schätzte das Publikum in einem Interview mehrheitlich etwas älter, weil Schaffhausen keine Studentenstadt sei. Wichtiger Faktor für eine gute Festivalerfahrung ist der Beitrag von über 600 Freiwilligen. Auch hier blicke ich jedes Jahr in bekannte Gesichter, die seit Jahren mithelfen.
Talentstage mit 3 Konzerten am Mittwochabend
Die Talentstage-Konzerte auf dem Fronwagplatz sind für alle gratis zu geniessen. Je später der Abend, umso voller wird es sowohl bei den Verpflegungsständen als auch vor der Bühne.
Elin ist eine Schweizer Singer-Songwriterin, die mit ihrem modernen Pop-Sound und einer eindringlichen Stimme auf sich aufmerksam macht. Ihre Songs bewegen sich zwischen gefühlvollen Balladen und atmosphärischen Pop-Arrangements, wobei persönliche Geschichten und emotionale Momente im Zentrum stehen. Mit viel Feingefühl verbindet sie Verletzlichkeit mit Stärke und schafft eine unmittelbare Verbindung zum Publikum. Ihre Musik zeichnet sich durch eingängige Melodien und eine ruhige, authentische Präsenz aus.
Cossmo ist ein Schweizer Musiker, der Pop mit urbanen Einflüssen und elektronischen Elementen verbindet. Seine Songs zeichnen sich durch eingängige Hooks, moderne Produktionen und persönliche Texte aus, die Themen aus dem Leben junger Menschen aufgreifen. Mit seinem eigenständigen Sound bewegt er sich zwischen Pop, R&B und Alternative und schafft eine Mischung aus Intimität und Energie. Seine Musik zeigt ein Gespür für Atmosphäre und zeitgemässe Klangwelten.
Lost in Lona ist eine Schweizer Indie-Pop-Band, die für ihren atmosphärischen Sound und ihre melancholisch-melodischen Songs bekannt ist. Das Duo verbindet elektronische Elemente mit Gitarrenklängen und schafft damit eine Klangwelt zwischen Indie, Dream-Pop und Alternative. Ihre Musik lebt von eingängigen Melodien, emotionalen Texten und einer besonderen Stimmung, die zwischen Leichtigkeit und Nachdenklichkeit pendelt. Mit ihrer Mischung aus internationalen Einflüssen und persönlichem Songwriting haben sie sich in der Schweizer Musiklandschaft einen Namen gemacht.
Neues Jahr, neue Acts auf der Main Stage
In all den Jahren von Stars in Town tauchen manche Namen immer wieder im Line-up auf. Bastian Baker, Hecht und Patent Ochsner halten mit je vier Auftritten den Rekord. Die Künstler des heutigen Abends stehen zum ersten Mal auf der Hauptbühne in der Schaffhauser Altstadt.
Die Sonne brennt erbarmungslos auf den Platz und ein Grossteil der Erstankömmlinge steht unmittelbar an der Schattengrenze. Das, so der Speaker, sei nur eine optische Grenze – man dürfe und soll ruhig näherkommen. Das Publikum wanderte aber so lange wie möglich mit dem Schatten mit nach vorne, der sonnige Teil war den abgebrühten Fans vorbehalten, bis später angereiste Konzertgänger keine Wahl mehr hatten.
Paula Dalla Corte kam nicht mit dem Schlauchboot
Angekündigt wurde sie mit den Worten: «Hätte der Rhein mehr Wasser, wäre sie mit dem Schlauchboot angereist.» Die im Thurgau aufgewachsene Wahlberlinerin ist nicht die erste Schweizerin, die bei einer deutschen Castingshow mit einem Sieg nach Hause fährt. Paula Dalla Corte setzte sich 2020 gegen die Konkurrenz durch bei «The Voice of Germany». Zwischen dem TV-Sieg und ihrer ersten eigenen Veröffentlichung lagen über zwei Jahre – «Good Girl Killer» kam erst im August 2023 heraus, ein ungewöhnlich langer Weg vom Castingshow-Ruhm zur eigenen Karriere. Klanglich positioniert sie sich seither irgendwo zwischen düsterem Pop, amerikanisch angehauchten Folk-Einflüssen und einem gewissen Rock-Glamour.
Die Musiker mit den frühen Slots schauen direkt in die Sonne – etwas, das ich genau 5 Sekunden machen kann, ohne meine Augen schliessen zu müssen. So verwundert es überhaupt nicht, dass Paula Dalla Corte die ersten paar Songs ihre Sonnenbrille aufbehielt. Sie animiert das Publikum zum Tanzen – allen Stress loslassen. Ihr Sound kommt gut an und verspricht einen guten Einstieg in den Abend.
Zu heiss für Dagny
Die Norwegerin wuchs 1990 in Tromsø in einem Elternhaus voller Musik auf. Ihre Mutter singt, ihr Vater spielt Jazz. Ihren eigentlichen Karrierestart verdankt sie dem Song Backbeat, der 2015 auf Spotify explodierte und ihr prompt einen Vertrag bei Universal Music einbrachte. Interessant ist ihre Rolle im Hintergrund der Popmusik: Ihr eigener Track Love You Like That lieferte die musikalische Grundlage für Katy Perrys Hit Never Really Over. Diskografisch stehen bislang drei Alben zu Buche, «Strangers / Lovers» von 2020 und «Elle» von 2024 und ihr aktuelles mit dem Titel «Dancefloor Erotica» ist am 12. Juni 2026 erschienen. Festivalerfahrung bringt sie reichlich mit, allerdings vor allem aus ihrer skandinavisch-britischen Heimat.
Dort ist es kühler, meint sie. Viele Touristen kämen nach Norwegen, die der Hitze entfliehen wollen. Obwohl sie schon deutlich weniger direkt ins Sonnenlicht schauen müssen, sind die Sonnenbrillen absolut verständlich. Die quirlige Dagny hätte für meinen Geschmack die breite Bühne noch etwas mehr ausnutzen können, um ihr Charisma überall zu verbreiten.
Sting
Für das anstehende Jubiläum wurden keine Kosten gescheut: Sting bricht als neuer Headliner alle bisherigen Budgetrekorde der Festivalgeschichte. Bislang hielten die Scorpions und Bryan Adams den Titel für die teuersten Bookings.
Bevor er als Sting weltberühmt wurde, hiess er schlicht Gordon Matthew Sumner, geboren 1951. Seinen Ruhm begründete er als Kopf, Songschreiber und Bassist von The Police, ehe er sich eine ebenso erfolgreiche Solokarriere aufbaute. Aktuell tourt er in reduzierter Trio-Besetzung unter dem Namen «Sting 3.0», begleitet von seinem langjährigen Gitarristen Dominic Miller und Schlagzeuger Chris Maas. In der Setlist sind sowohl Solo-Hits als auch Klassiker aus Police-Zeiten zu finden.
Anders als bei Paula Dalla Corte und Dagny kennt das Publikum bei Sting den Text in- und auswendig. Sobald er das Mikrophon in unsere Richtung hält, wird kräftig mitgesungen. Ruhige Songs bringen oft wenig Bewegung auf der Bühne mit sich. Bei Sting ist das auch nicht anders. Seine Performance liegt schwergewichtig auf Gesang und Musik von Gitarre und Schlagzeug. Das Publikum zieht mit und bewegt sich sanft zur Musik. Ein leichtes Kopfwippen hier, ein Fusstappen da, begleitet von leisem Mitsingen. Ein Grossteil der Besucher wird gleichzeitig in Erinnerungen schwelgen, die seine Songs mit sich bringen.
Am Donnerstag starten wir in den zweiten Tag und noch höheren Temperaturen.
Eventdatum: 29.06.2026
Fotos: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Stars in Town
Veranstalter: Stars in Town
Zuschauerzahl: ausverkauft
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/1547-geglueckter-start-ins-jubilaeums-festival-am-herrenacker#sigProIde63cdf05be
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Michelle Brügger
Schreibe einen Kommentar
Bitte achten Sie darauf, alle Felder mit einem Stern (*) auszufüllen. HTML-Code ist nicht erlaubt.