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Yamato trommeln sich in Zürcher Herzen

Yamato trommeln sich in Zürcher Herzen Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Seit 1993 existiert die Formation «Yamato» und begeistert das Publikum im Theater 11 mit einem Feuerwerk aus Trommeln und farbenfroher Darbietung. Die Show «Hinotori» wird erstmals im deutschsprachigen Raum aufgeführt.

Yamato hat verschiedene Bedeutungen, je nachdem wie es geschrieben wird. Die Gründer stammen aus dem Land der Yamato, das als Ursprung der japanischen Kultur gilt. Sie verwenden die Schreibweise 倭 (gesprochen: Ya:mato) das übersetzt in etwa «das ursprüngliche, historische Japan» heisst. Sie sind seit 1998 zwischen 6 und 10 Monaten unterwegs und haben in 54 Ländern gespielt.

Auf der aktuellen Tour kommen wir in den Genuss von «Hinotori – Die Flügel des Phönix», mit dem sie seit Ende Oktober bis Mitte Januar auf Europatournee sind. In den USA und Kanada führen sie anschliessend bis Ende März «Hito no Chikara – Die Macht der menschlichen Stärke» auf.

Die teilweise mehr als 400 Jahre alten Instrumente sind aus Holz und Kuhhaut hergestellt. Wer jetzt die Stirn runzelt: früher wurden alle Trommeln entweder mit Tierhäuten von Ziegen, Schafen oder Kälbern bezogen. Heute wird überwiegend Kunststoff oder andere dünne Materialien verwendet. In der Show werden wir mehr als 35 verschiedene Trommeln zu hören bekommen, wovon die Odaiko wohl am einfachsten zu identifizieren ist. Diese Trommel mit einem Durchmesser von 1.70 Metern wurde aus einem einzigen Baum geschnitzt und wiegt rund 500 Kilogramm. Das tönt nach viel – noch mehr wiegt aber das ganze Equipment: sie verschieben für ihre Tour 40'000kg von Location zu Location. Gemäss ihrer Webseite waren das in den letzten 31 Jahren rund 1,5 Millionen Kilometer.

Dass sich die Mitglieder des Ensembles mit Herzblut der Musik widmen, wird spätestens klar, wenn man sich ihre Vorbereitungen ansieht. Tägliche 10-Kilometerläufe um 6:30 Uhr mit anschliessendem Krafttraining wenn sie in Akusa sind, durchschnittlich 10 Stunden pro Tag Trommeln. Die Drumsticks fertigen sie selber an, wovon jährlich bis zu 200 zu Bruch gehen. Die Leistung der 9-köpfigen Formation ist beeindruckend. Nicht nur, wenn sie die grössten Sticks mit gut 15kg Eigengewicht minutenlang gegen die Trommel schwingen. Die Show ist so energiegeladen, dass sie im Schnitt 2-3kg pro Show verlieren.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

Als Zuschauer sieht man nicht, dass sich das Trommelfell bei jedem Schlag durch den Druck wölbt. Bild: Michelle Brügger / szenemagazin.ch

 

Mit dem Wissen, dass jeder Trommelschlag einen Herzschlag symbolisiert, versuche ich anhand des Titels die Geschichte zu fühlen. Manchmal scheint das Herz zu rasen, denn wenn es 500 Mal pro Minute schlägt, gehen beim Kardiologen sämtliche Alarmanlagen los, um mit Betablockern einen Herztod abzuwenden. Die Szenen wechseln sich immer wieder ab. Mal sind es schnelle und kraftvolle Passagen, wo es die Schwingungen bis in die Zuschauerränge schaffen und wir sie körperlich spüren. Dann wiederum hören wir bei gedämpftem Licht sanfte Schläge.

Ich bin hin und weg – und nein, es wird nicht nur getrommelt. Zwischendurch spielen sie auf Gitarren, die wie quadratische Keramikkacheln aussehen, es kommen auch Schellen und eine Flöte zum Einsatz. Die grösste Überraschung sind aber die komödiantischen Einlagen. In der Mitte des ersten Sets einer der Artists ein A4-Blatt aus der Hosentasche und fängt an, in einem zu 82% verständlichen Schweizerdeutsch zu reden. Er bringt uns zum Lachen – und das nicht wegen des Akzents. Bevor es nach einer einstündigen Show in die Pause geht, kramt seine Kollegin ein Blatt hervor und meint auf englisch, sie könne leider kein Deutsch. Aber sie könne eigentlich auch kein Englisch. Auch sie baut ein paar Lacher ein.

In der zweiten Hälfte ist die Energie und der körperliche Einsatz noch immer gleich hoch. Allerdings haben sie viele spielerische Elemente drin, die man auch ohne Sprache versteht. Beispielsweise ein interner Wettbewerb mit Trommeln, bei dem wir mit einbezogen werden. Mit Klatschen, Stampfen und Rufen, bis wir ihrem hohen Standard entsprechen. Dass sie körperlich fit sind, zeigen sie uns mit Bauchpressen während des Trommelns. Die meisten Lacher ernten sie bei einer imaginären Jagd nach einer Klangkugel. All diese Einlagen leben von der exzellenten Mimik der Künstler.

Das Publikum honoriert dies auch immer mit grossem Applaus nach jeder Nummer. Dass es vom Cast geschätzt wird, sieht man am Lächeln und der Freude in ihren Augen. Die Standing Ovation nach zwei Stunden ist Ehrensache. Wer Yamato noch nie gesehen hat, sollte sich die Show unbedingt gönnen. Sie sind vom 10. – 15. Dezember 2024 noch im Theater 11 in Zürich und kommen vom 29. April – 4. Mai 2025 zurück in die Schweiz, wo sie dann im Musical Theater Basel gastieren.

 

 

Eventdatum: 10.12.2024

Fotografin:  Michelle Brügger/ szenemagazin.ch

Location:  Theater 11, Zürich

Veranstalter: fbm entertainment

Zuschauerzahl: unbekannt

 

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Konzert

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