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James Bay als Motivator in der Halle 622

James Bay als Motivator in der Halle 622 Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Immer wieder macht James Bay Aussagen, dass er das Zürcher Publikum lauter, energetischer in Erinnerung habe. Ich weiss nicht, wie es euch dabei geht, aber ich für meinen Teil fand, irgendwann ist auch mal gut, James. 

Eröffnet wird der Abend von Áine Deane. Die Engländerin wird im kommenden Mai 25 Jahre alt. Für sie begann alles während der Pandemie, als sie auf TikTok sowohl eigene Lieder als auch Coversongs veröffentlichte. Sie erfuhr grosse Unterstützung von namhaften Künstlern und setzte nach Abschluss ihres Studiums komplett auf die Musik, veröffentlicht auf ihrem Youtube-Channel Songs und pflegt einen Vlog von ihren Touren.

Wie würde ich ihre Musik beschreiben? Ich habe in letzter Zeit viele Romantik-Filme geschaut, die trotz Hindernissen immer ein Happy End hatten. Ihre Songs lösen bei mir dieses locker-flockige, seichte Gefühlsbad aus. Sie singt über Herzschmerz, das Leben und ihre Stimme unterstreicht das. Denn die bricht manchmal weg, stellenweise hat sie dieses leichte, heisere Kratzen und transportiert ein Gefühl von Zerbrechlichkeit und Verletzung. Doch dann klingt sie wieder fröhlich und wie die aufgehende Sonne, wie zum Beispiel in Tales of A Twenty Something.

https://www.youtube.com/watch?v=kwNQWGawFZw&ab_channel=Florence

In der Halle 622 steht sie mit ihrer Gitarre in Glitzer-Jeans und verspielter weisser Bluse auf der Bühne. Sie wirkt locker und geniesst ihren Auftritt, auch wenn die Energie eher zurückhaltend ist und sie die Stage definitiv nicht ausfüllt. Als nach einer Frage ans Publikum das Licht kurz angeht, reisst sie ihre Augen überrascht auf. Mit so vielen Leuten hätte sie nicht gerechnet, meint sie. Für den dritten Song wechselt Áine (augesprochen klingt er wie «Onya») ans Keyboard. Auch hier performt sie eher statisch, aber ihre humorvollen Aussagen lassen ihre Persönlichkeit klar durchscheinen. Sie ist der Typ «Mit mir kann man Pferde stehlen, du weisst es einfach noch nicht».

 

Bühne frei für James Bay

Als wir den Pit betreten, steigt uns allen der Duft von Räucherstäbchen in die Nase. Wo kommt das her? Hat das jemand im Publikum bewerkstelligt? Nein, das steht unauffällig seitlich des Bühnenrands. Nach Áines Auftritt bin ich mir sicher, dass wir für unsere Fotos gutes Licht haben werden. Wie ging der Spruch nochmal… «sicher ist nur, dass dein Leben mit dem Tod endet»? Es ist definitiv zu dunkel, dass jemand mein Augenrollen sehen könnte. Ausser ein paar rot flackernden Lampen sehe ich nur Silhouetten. Das Motiv scharfstellen, wenn es dauernd pechschwarz wird? Fehlanzeige. Nach ein paar Takten Musik zu Up All Night sehe ich einen Umriss mit Hut auf die Bühne kommen. Das Publikum wohl auch, denn es wird lauter im Saal. Doch hey… James wollte nur einen dramatischen Auftakt - denn jetzt gehen weisse Scheinwerfer an und das rote Licht ist nur noch Hintergrundakzent. Ich mag diesen Lichttechniker! Der Frontmann wird zwar deutlich abgesetzt von seinen Bandkollegen, sie haben aber auch ihre Momente im Spotlight. Wir wurden gebeten, während der ersten drei Songs wenn möglich nur seitlich von der Bühne zu bleiben oder uns geduckt vor der Stage zu bewegen, um die Künstler nicht abzulenken. Die Tritte der Wellenbrecher sind ideal, um sich hinzusetzen und dem Wunsch zu entsprechen. Aber er hat wohl auch nicht mit der Bühnenhöhe gerechnet, sein letzter Auftritt in der Schweiz war im X-tra.

Der britische Singer-Songwriter ist nördlich von London aufgewachsen. Zu Beginn seiner Musiklaufbahn spielte er in Bands, entschied sich dann für den Weg als Solokünstler. Vor seinem ersten Plattenvertrag 2012 war er als Supporting Act mit Tom Odell und Kodaline auf Tour. Seine Debüt-EP «The Dark of the Morning» erschien 2013, auf die Highlights wie Auftritte am Glastonbury-Festival oder Opener der Rolling Stones im Hyde Park und Supporting Act von Taylor Swift in Europa. Nachdem 2014 die EP «Let It Go» erschien, wurde er für verschiedene Awards nominiert und es schien, als hätte er den Durchbruch geschafft. Vom X-tra zum Volkshaus und dann noch eine Venue-Änderung wegen grosser Nachfrage zeigt, wie beliebt seine Musik ist in der Schweiz. Schaut man sich seine Diskografie an, war sein Debütalbum «Chaos and the Calm» allerdings das einzige, das verkaufstechnisch so richtig einschlug und sich seither über 2 Millionen Mal verkauft hat. Es landete in den UK und der Schweiz auf Platz 1, in Österreich auf Platz zwei und erreichte in Deutschland den 3. Platz. Das Folgealbum von 2018 schaffte es nicht ganz knapp an die Spitze, «Leap» von 2022 erreichte in seiner Heimat Platz 4. Das aktuelle Album «Changes All the Time» erschien im Oktober 2024 und ist ebenfalls nicht höher als Platz 4 geklettert. Deutlich erfolgreicher verkauften sich seine Singleauskoppelungen von 2014: Let It Go (10,4 Mio.) und Hold Back the River (5.2 Mio.). 

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

 

Es verwundert darum auch nicht, dass diese beiden Songs heute auf der Setlist auftauchen. Das sind definitiv Lieder, die jeder kennt, auch wenn der Name James Bay eventuell nicht allen geläufig ist. ist. Auch wenn das Zürcher Publikum meiner Meinung nach textsicher ist und mitsingt, scheint es James nicht laut genug zu sein. Oder energetisch genug, um es auf den Punkt zu bringen. Immer wieder sagt er, er habe uns anders in Erinnerung. Und er sehe viele von seinem Gig vom vergangenen Herbst. Ja, das X-tra war intimer, aber auch da bezweifle ich, dass er erstens alle gesehen und sich zweitens die Gesichter merken konnte. Ich weiss ehrlich gesagt auch nicht, ob das die richtige Motivationstechnik ist, wiederholt zu sagen, dass man die Erwartungen nicht erfüllt.

Ich habe jedenfalls keinen Anstieg wahrgenommen - James wohl auch nicht. Insgesamt flaute es wohl so schnell ab wie das Licht weniger wird, je weiter weg man von der Bühne ist. Nach den drei Songs stand ich ganz hinten in der Halle 622, wo normalerweise viel Lärm vom Barbetrieb und den Unterhaltungen zu hören ist. Heute hielt sich beides in Grenzen und mit etwas mehr Platz haben sich die Leute auch mehr bewegt. Manche etwas weniger im Takt als andere. Trotz Setlist haben sich meine Fotografenkollegin und ich verzählt (nein, wir kennen nicht alle James Bay-Songs auswändig, sorry) und sind nach dem vermeintlich letzten Song vor der Zugabe zur Garderobe. Zurück im Saal hatten noch debattiert, dass dieses «ich geh jetzt von der Bühne, ihr klatscht laut und wir kommen für eine Zugabe zurück»-Spielchen schon länger nicht mehr stattfindet. Allerdings habe ich dann relativ schnell realisiert, dass ich meinen dicken Schal wohl zu früh umgebunden hatte. Anhand des Songtextes wurde uns klar, dass wir noch zwei Titel von der Zugabe entfernt sind. Fehler passieren, dann geniesse ich ab jetzt noch drei weitere Songs und nehme stressfrei den nächsten Zug nach Hause. Und nicht lachen - das Licht ging aus, James verschwand von der Bühne und kam nochmal zurück für Hope und Hold Back The River. Zürich war seine vierte von insgesamt 22 Stationen auf der aktuellen Europatournee, bevor er mit «Up All Night» in Amerika weitertourt.

 

 

Eventdatum: 17.01.2025

Fotografin:  Michelle Brügger/ szenemagazin.ch

Location:  Halle 622, Zürich

Veranstalter: Gadget abc Entertainment Group AG

Zuschauerzahl: unbekannt

 

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Konzert