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Tag 4 am Stars in Town

Tag 4 am Stars in Town Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Für den Start in die zweite Woche in Schaffhausen hätte ich mir eine andere Reihenfolge im Lineup gewünscht. Für mich hätte Ray Dalton ganz klar der Headliner sein sollen. Das Problem? Jeder kennt seine Lieder, aber niemand kennt seinen Namen.

Ray Dalton

Der US-Amerikaner Ray Dalton singt wortwörtlich seit Kindesbeinen an. Schon mit 6 Jahren war er im Seattle Children’s Choir aktiv. 2011 wurde er für ein Projekt von Ryan Lewis kontaktiert, in dessen Rahmen der Song Can’t Hold Us mit Macklemore & Ryan Lewis entstand - den Refrain singt Ray Dalton. 2 Jahre später wird der Song veröffentlicht, erreicht in den USA Platz 1 der Billboard Hot 100 und wird mit Platin und Diamant ausgezeichnet. Bis heute wurde dieser Titel satte 3,97 Milliarden Mal gestreamt. In der Zwischenzeit lancierte Dalton seine Debütsingle So Emotional, so richtig erfolgreich war aber erst If You Fall von 2017. Im Jahr darauf wird er unter Vertrag genommen und 2020 taucht In My Bones auch in europäischen Charts auf. Allerdings sind seine Kollaborationen jeweils viel erfolgreicher - Don’t Worry mit Madcon beispielweise, der allerdings nur in Europa in den Charts landete. Auch Call It Love mit Felix Jaehn beschert ihm rund 386 Millionen Streams.

Sein Mix aus Soul, R&B, Gospel und Pop wird von seinen kraftvollen Vocals getragen, die mit Hooks ausgestattet sind, die im Ohr bleiben. Ich hatte letzten Sommer das Vergnügen, Ray Dalton am Stars of Sounds live zu erleben. Deshalb habe ich mich einerseits sehr auf den heutigen Abend gefreut, andererseits war ich sehr erstaunt, dass er den ersten Slot innehatte. Viele kennen seinen Namen nicht, aber seine Musik sehr wohl. Denn rund um mich herum höre ich «das ist auch von ihm?» und «der haut ja einen Hit nach dem andern raus». Er bekommt ganz offensichtlich viel zu wenig Medienpräsenz, denn sein Sound ist einfach genial. Leider hat er das kürzeste Set als erster Künstler des Abends und seine Show ist deshalb viel zu früh zu Ende.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Joya Marleen

So manche Eltern geben ihren Kindern Hobbies weiter, Kinder treten in die beruflichen Fussstapfen. Bei Joya Marleen ist das ähnlich, denn sie ist in einer sehr musikalischen Familie aufgewachsen. Der Vater ist Musikwissenschaftler und spielt Country-Musik, der Bruder ist Gitarrist bei Unlsh. Joya lernt mit 12 Jahren Gitarre spielen und fängt an, ihre eigenen Songs zu schreiben. 

Sie hat ihre ersten Auftritte 2016 - da ist sie gerade mal 13 Jahre alt. 2020 wird ihre Debütsingle Nightmare veröffentlicht, die an einem Festival als Zugaben-Impro entstand. 2021 steht sie auf der Bühne des H2U-Festivals, tritt wenig später am Energy Air vor 40’000 Zuschauern auf und war 2023 ebenfalls schon mal am Stars in Town. Sie hat in ihrer bisherigen musikalischen Karriere schon einiges erreicht, wovon andere nur träumen können. Sie ist unter anderem die erste Schweizer Solo-Künstlerin, die Platz 1 in den Schweizer Airplay-Charts erreichte. Und das, nehme ich an, hat ihr den mittleren Slot des heutigen Abends eingebracht. Allerdings ist sie stimmlich sehr angeschlagen und die sonst gewohnt kräftige Stimme müssen wir uns denken. Selbst wenn sie zwischen den Songs redet, versteht man ganz hinten kein einziges Wort. Noch ein Grund, jemand anderem den längeren Auftritt zu geben.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Nelly Furtado

Die Kanadierin mit portugiesischen Wurzeln spielt verschiedene Instrumente. Mit 9 Jahren lernte sie Trompete, Ukulele, wenig später kamen Gitarre und Keyboard dazu. Wie Joya Marleen beginnt auch Nelly Furtado mit 12 Jahren mit Songwriting. Ihr Debütalbum «Whoa, Nelly!» publiziert sie mit 22, der Track I’m Like a Bird schafft es in mehreren Ländern in die Top 10 und bringt ihr 2002 einen Grammy Award für Best Female Pop Vocal Performance ein. Das ist nur der erste von 50 Awards und ein Vielfaches an Nominierungen. Das dritte Album «Loose» ist ihr grösster kommerzieller Erfolg mit über 12 Millionen verkaufter LPs. Nelly singt in englisch, portugiesisch, spanisch und hat auch Tracks in Hindi aufgenommen.

Ab 2007 zog sie sich zurück, widmete sich ihrer Familie und der Kunst. Vor 2 Jahren meldete sie sich zurück auf der Bühne und veröffentlichte ihr siebtes Album «7», an dem sie eng mit ihrer Tochter Nevis zusammengearbeitet hat.

Die Anmoderation «geniesst die Songs der 2000er» trifft den Nagel auf den Kopf. Allerdings gibt es einige Künstler, die auch mit 25 Jahre alten Liedern auftreten und dennoch ein Publikumsmagnet sind. Bei Nelly scheint das nicht der Fall zu sein, denn am Herrenacker habe ich in all den Jahren noch nie so wenig Leute stehen sehen. Was die Verzögerung zu Beginn des Auftritts verursacht hatte, weiss ich leider nicht. Allerdings wurde über 6 Minuten nur Nebel auf die Bühne geblasen und Musik vom Band abgespielt, ohne dass jemand seinen Platz eingenommen hätte. 21:53 Uhr ging’s dann aber los und Nelly kam auf die Bühne – der Nebel war inzwischen glücklicherweise fast inexistent, von der Band noch keine Spur. Dafür dröhnten so kräftige Basstöne aus den Boxen, dass es uns im Graben fast weggeblasen hätte. Das war eher ein Vorgeschmack auf die Streetparade am Weekend, als die Musik, die man mit Nelly verbindet. Und nein, da spricht nicht die kleine Genervtheit aus mir, dass dieses Intro wohl als Song gezählt hat und alle Fotografen überrascht waren, als wir nach 5 Minuten aus dem Graben geschickt wurden – auch wenn früher die Songs deutlich kürzer waren, das waren nie und nimmer 3 Titel.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Am Donnerstag und Freitag bin ich nicht am Stars in Town, aber vom letzten Abend des diesjährigen Openairs gibt’s wieder Eindrücke in Form von Bildern und Text.

 

 

 

Eventdatum: 06.08.2025

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Stars in Town, Schaffhausen

Veranstalter: Stars in Town

Zuschauerzahl: 5800

 

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Konzert