The Bodyguard – ein emotionsgeladenes Musical
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Wer – zumindest in meinem Alter – kennt den legendären gleichnamigen Film aus dem Jahr 1992 mit Kevin Costner und Whitney Houston nicht? Das darauf basierende Musical feierte 20 Jahre später Premiere im Londoner Adelphi Theatre.
Die Geschichte dreht sich um die erfolgreiche Sängerin Rachel Marron, die von einem anonymen Stalker bedroht wird. Deshalb engagiert ihr Management zu ihrem Schutz den ehemaligen Secret-Service-Agenten Frank Farmer. Zuerst hält Rachel nicht viel von dessen Sicherheitsmassnahmen, aber auf persönlicher Ebene kommen sie sich näher. Frank rettet bei einem Anschlag Rachels Leben. Aber wer ein typisches Happy-End erwartet, wird enttäuscht. Denn am Ende trennen sich ihre Wege, als Franks Arbeit getan ist und ihre Lebensstile sich nicht vereinen lassen.
Produktion und Umsetzung
Basierend auf dem Film entstand ein Musical, das am 5. Dezember 2012 in London seine Premiere feierte. Die deutschsprachige Version wurde 2015 erstmals in Köln aufgeführt. Die Aufführungsrechte hat der Produzent David Ian damals von Kevin Costner und dem Drehbuchautor Lawrence Kasdan erhalten. Die Drehbuchadaptionen für das Musical stammen aus der Feder von Alexander Dinelaris.
Ein paar Worte zu Bühnenbild und Technik
Um eine Konzertatmosphäre in Musicalmanier zu erzeugen, war eine enge Verzahnung von Theatertechnik und Konzertinszenierung notwendig. Regisseurin Thea Sharrock setzt deshalb auf filmähnliche Szenenübergänge, schnelle Ortswechsel und den Einsatz moderner Bühnentechnik. Die technische Crew braucht je nach Spielstätte 1-2 Tage für den vollständigen Aufbau. In der deutschen Produktion wurden Bühnenmodule an die jeweiligen Theatergrössen angepasst, da die Show in unterschiedlich grossen Venues aufgeführt wird.
Die Licht- und Videoregien werden zentral gesteuert, um zwischen Intimität und Stadionatmosphäre zu wechseln. Für die rund 20 Bühnenbilder kombiniert Tim Hatley klassische Kulissentechnik mit modernen Medienelementen. Diese werden mittels beweglicher Elemente, Projektionen und LED-Technik sehr schnell gewechselt.
Musik und Bewegung
Im Musical wird als Teil der Handlung grösstenteils auf die von Whitney Huston interpretierten Songs des Filmsoundtracks zurückgegriffen. Sie wurden in der Originalproduktion von Richard Beadle neu arrangiert und für Live-Orchester und Gesang angepasst. Sie bleiben aber dem Originalstil treu. Das Orchester besteht meist aus 8-10 Musikern. Zur Verstärkung der Dynamik von Liveshows und Konzertakustik ist ein Surround-System im Einsatz.
Karen Bruce entwickelte Tanzsequenzen mit Elementen aus, Jazz und Contemporary Dance. Da sie Liveauftritte von Konzerten simulieren sollen, gleichzeitig aber Teil der Handlung sind, war das eine komplexe Aufgabe für die Choreografin.
Es sind 250 Kostüme im Einsatz
Da der Film 1992 gezeigt wurde, sind die Kostüme ebenfalls stark von der Mode der 90er-Jahre inspiriert. Tim Hatley legte viel Wert auf Authentizität und visuelle Wiedererkennbarkeit. Getreu dem Glamour der Popwelt aus dieser Ära bestehen Rachels Bühnenoutfits aus viel Glitzer, Leder und auffälligen Abendkleidern. Die privaten Sequenzen werden bewusst in schlichten Outfits gespielt, um den Kontrast zwischen Showbiz und Privatleben hervorzuheben. Nebst unzähligen Accessoires und Perücken sind in jeder Aufführung rund 250 Kostüme im Einsatz.
Cast in Zürich
Für die Produktion in Zürich sind für die Hauptrollen mit Sidonie Smith (Rachel Marron), Adam Garcia (Frank Farmer) besetzt. Sie spielen neben Sasha Monique (Nicki Marron), Mat Milburn (Sy Spector) und John Macaulay (Bill Devaney). Der Stalker wird von James-Lee Harris verkörpert, Ray Court übernimmt die Rolle des Ryan Bennet. In weiterer Besetzung sind Jonathan Alden, Tony Sibelli, Taylor Bridges, Kayne Gordon, Ohaana Greaves, Mireia Mambo (Ensemble/Swing).
Vorhang auf
Mit einem ohrenbetäubenden Knall geht es los – Raunen und kollektives Luftholen nach dem Schreck im Saal. Doch damit nicht genug, es wird auch noch Pyro gezündet wie bei einem richtigen Konzert. Ich habe die Hitzewellen noch in der achten Reihe gespürt! Die einzelnen Locations werden mit Hilfe von Wandprojektionen und teils mit Vorhängen simuliert. Bühnenelemente sind auf beweglichen Bodenplatten platziert und werden so beinahe magisch an ihren Platz geschoben.
Da im Stück viel gesungen wird, schliesslich ist es ja ein Musical, bewegt sich die Story eher im dünnen Bereich. Auf der anderen Seite sind die Tanzeinlagen beeindruckend choreographiert und die stimmlichen Leistungen der Sänger überzeugen. In meinen Augen singt Sasha Monique die höheren Töne müheloser, manchmal klingt es bei Sidonie Smith etwas angestrengt. Dass Whitney Houstons Lieder nicht einfach zu singen sind, wissen wir alle.
In der Pause hört man rundherum Begeisterung, viele benutzen den Ausdruck «super». Nein, es ist keine Kopie des Films, darin sind sie sich einig. Aber das soll es ja auch nicht sein. Das Musical enthält Szenen, die es so nicht gegeben hat. Damit wird das Überraschungsmoment aufrechterhalten, auch wenn man den Film gesehen hat. Ich spoilere hier mit Absicht nicht, denn sie gastieren noch bis zum 14. Dezember 2025 in Zürich.
Die aktuelle Tour umfasst insgesamt 30 Städte, in denen das Musical aufgeführt wird. Am 20. September 2025 starteten sie in Birmingham (UK). Die letzte Show wird am 29. August 2026 in Canterbury gezeigt. Das Musical gastiert noch bis zum 14. Dezember 2025 im Theater 11 in Zürich.
Eventdatum: 26.11.2025
Fotos: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Theater 11, Zürich
Veranstalter: FBM entertainment
Zuschauerzahl: unbekannt
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/1482-the-bodyguard-ein-emotionsgeladenes-musical#sigProIde0fc43aa84
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Michelle Brügger
Schreibe einen Kommentar
Bitte achten Sie darauf, alle Felder mit einem Stern (*) auszufüllen. HTML-Code ist nicht erlaubt.