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Nathan Evans bringt Stimmung in den Papiersaal

Nathan Evans bringt Stimmung in den Papiersaal Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Der sympathische Schotte schafft, was andere erfolglos probierten: das Zürcher Publikum in Bewegung zu bringen. Bei seinen Songs kann man aber fast nicht anders, als die Musik in bester Laune zu geniessen.  

Der Papiersaal in Zürich füllt sich immer mehr. Im Publikum auch auffällig viele Kinder, obwohl am nächsten Tag die Frühlingsferien zu Ende sind. Da die Bühne nur gute 30 cm hoch ist, stehen im hinteren Bereich kleine Rampen. So kann jeder einen Blick auf den Künstler erhaschen. Davon ist Aaron Asteria aber nicht überzeugt und informiert deshalb vorsorglich, dass da noch nicht Nathan Evans auf der Bühne stehe. Zusammen mit seiner Schlagzeugerin Gema Elagua spielen sie rund 35 Minuten. Dass es Eigenkompositionen waren, hat er einem kleinen Jungen in der ersten Reihe noch bestätigt. Denn der wollte wissen: «Häsch du das alles selber gschriebe?». Seine Inspirationen zieht er für langsamere Songs aus Horrorfilmen. So auch „One more time“, der von einem Werwolf-Streifen inspiriert wurde.

„Mini brutalöse Schnulze sind vo Horrorfilme inspiriert“ - Aaron Asteria

Als er vom Sommer 1990 singt, frage ich mich, wie alt er wohl ist. Dass er nicht weiss, dass man User auf TikTok taggen kann, ist vielleicht ein Hinweis, kein Kind aus den 2000ern zu sein. Aber aus dem Publikum hiess es: „Das bringen wir dir auf TikTok bei“. Aber vielleicht liegt es auch an meinen Ohren und er sang vom Sommer (20)19?

Die kleine Bühne ist bei Aaron Asterias Auftritt vollgestopft. Zwei Gitarren, zwei Keyboards, ein Synthesizer und das Drumset. Aaron hat vorne an der Bühne so wenig Platz, dass der platzierte SunStrip ihn nur bis zum Hals anstrahlt. Generell spielt sich der Gig eher im Dunkeln ab, ich habe keine Chance, auch ein Foto von Momo zu machen.

 

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Nach dem Umbau für Nathan Evans wirkt die Bühne beinahe minimalistisch: ein Keyboard und ein Mikroständer. Auf dem Boden der obligate Teppich, der schon fast Wohnzimmerkonzert-Atmosphäre verströmt. Intim halt. Nathan Evans schaut in die Runde und meint, er hätte nicht so viele Leute erwartet. Seine Stimme kickt eine Oktave höher, als er sagt, er hätte mit ungefähr 10 Leuten gerechnet. Ich persönlich habe keine Mühe, ihn zu verstehen. Andere scheinen den schottischen Akzent nicht gewohnt zu sein. Er entschuldigt sich denn auch, typisch schottische Ausdrücke zu verwenden, er sei etwas aufgeregt.

Schon beim zweiten Refrain klatscht und singt das Publikum mit. Textsicher. Ja, da sind definitiv viele Fans hier, die nicht nur das Wellerman-Shanty kennen. A propos kennen: Nathan covert einige Lieder und bei seinem Song «The River» bin ich ziemlich sicher, die Grundmelodie von «Orinoco Flow (Sail Away)» von Enya herauszuhören. Noch jemand?

Bei diesem Titel werden wir im Refrain als Chor eingesetzt, was die eh schon gute Laune noch erhöht. Während seines Auftritts erfahren wir immer mal wieder etwas aus seinem Leben. Dass er zum Beispiel seine Frau gefragt hat, ob sie was dagegen hätte, wenn er jetzt ein wenig auf der Welt herumreisen und singen würde. Manchmal wirkt er etwas schüchtern, definitiv bescheiden und beinahe etwas ungläubig, dass ihm so viele Menschen zuhören und den Abend mit ihm und seiner Musik feiern.

Teilweise spielt er nur ein paar Takte an, da kennen die Leute das Lied schon. Bei «Wellerman» klatscht er zwei Mal auf seine Gitarre, als die ersten Jubelrufe ertönen. Seine Covers wie das von Kodaline «All I Want», einem genialen Mashup von Tracy Chapmans «Fast Car» und Dean Lewis’ «Waves», den schottischen Volksliedern und Sea Shantys kann nur gute Stimmung aufkommen. Ich habe die Setlist gesehen und weiss, dass er noch vier Lieder spielt, als er ankündigt, er habe nur noch drei Songs. Habe ich mich jetzt verzählt? Nein. Denn nach dem vermeintlich letzten Titel verabschiedet er sich, meint dann aber: wieso nicht noch einen mehr singen, wenn’s so schön ist?  Er habe den Song zwar schon gespielt, aber in einer anderen Version. Seine Zugabe: Wellerman Remix. Und wieder tanzt und klatscht der Saal mit. Als er sich dann mit den Worten verabschiedet, er hoffe, wir würden noch mehr von ihm hören in der Zukunft, scheinen die Zuschauer nicht realisiert zu haben, dass der vorherige Song schon seine Zugabe war. Und versuchen vergebens, ihn nochmal auf die Bühne zu klatschen. Erst als das Licht angeht und wenig später auch Musik aus den Lautsprechern tönt, geben sie auf. Ja, die 60 Minuten sind tatsächlich viel zu schnell vorbei gewesen. Auf ein nächstes Mal.

 

 

 

Eventdatum: 01.05.2022

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Papiersaal, Zürich

Veranstalter: Mainland Music

 

 

Publiziert in Konzert

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