free website hit counter Szenemagazin - Weshalb Freitag der 13. das perfekte Datum war

Weshalb Freitag der 13. das perfekte Datum war

Weshalb Freitag der 13. das perfekte Datum war Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Es ist Freitag der 13. und im Hallenstadion stehen namenlose Ghuls auf der Bühne. Ein was? Das leichenfressende arabische Fabelwesen trägt in der Mythologie den Namen “Ghul”. Bei Ghost sind gleich mehrere Ghuls auf der Bühne, denn die Bandmitglieder werden so genannt.

Doch zuerst sind Twin Temple an der Reihe, die den Abend gleich mal mit einer Segnung der besonderen Art eröffnen. Hatte ich mich mit den blauen Jeans, blonden Haaren und weissen Turnschuhen vorher schon etwas deplatziert gefühlt, dann spätestens, als ein «Hail Satan» durch den Saal geht. What now? Das Ehepaar führt Rituale mit Schwert und einem alten Buch durch. Natürlich eine publikumswirksame Einlage, aber da sie bekennende Satanisten sind, ist dies wohl doch mehr als nur Show.

Dann stimmen sie die Musik an und wieder schaue ich etwas verwirrt drein, weil es visuell nicht mit dem übereinstimmt, was in meinen Ohren ankommt. Ich hätte jetzt alles andere erwartet als (Satan) Doo-Wop. Während das Licht etwas mager gestreut ist, versuche ich Alexandra James’ Outfit und Styling einzufangen. Bei Zachary James und den Bandmitgliedern habe ich etwas mehr Glück. Alexandra interagiert mit dem Publikum, und fragt uns auf deutsch, ob wir eine satanische Orgie möchten. Die Reaktionen sind etwas verhalten, vielleicht weil die Leute wissen, dass es sich dabei um ihren Musiktitel «Let’s Have A Satanic Orgy» handelt. Der Hallenstadion Klub füllt sich etwas mehr während ihres Auftritts. Im Gegensatz zu anderen Städten werden heute Abend nur rund 2000 Leute anwesend sein.

 

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Nach einer kurzen Umbauphase stehen Uncle Acid & the Deadbeats auf der Bühne. Ganz getreu ihrem Namen besteht ihr Bühnenlicht aus grün und blau. Die englische Rockband mit unverkennbarem Einschlag aus den 60ern lässt es in gewohnter Manier krachen. Die Haare fliegen im Takt durch die Luft. Ich versuche wie immer, alle Bandmitglieder zu erwischen, doch beim Drummer muss ich mich geschlagen geben – er sitzt durchwegs im Dunkeln. Rund eine Stunde unterhalten sie uns, bevor der Auftritt für Ghost vorbereitet wird.

Fototechnisch ist die Performance von Ghost natürlich speziell und lässt meine Seele strahlen. Die Ghuls tun mir fast ein wenig leid - schliesslich tragen sie ja auch zum erfolgreichen Auftritt bei und anonyme Wesen auf Social Media zu taggen ist schlichtweg unmöglich. Ihre Identität erfährt man vermutlich erst, wenn sie wie ehemalige Mitglieder die Band verlassen. Seit 2016 hat sich an der Formation jedoch nichts mehr geändert.

 

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Es ist Ewigkeiten her, dass ich während 3 Songs im Bühnengraben ein Dauergrinsen auf dem Gesicht hatte. Mein Blick wandert ständig über das imposante Bühnenbild, das in effektvolles Licht getaucht war. Und alle haben für das Publikum und unsere Kameras geposed. Man hat nicht alle Tage einen Ghul vor der Linse. Die Helme mit futuristischen Goggles, Atemschlauch, das Sacko mit den Schulterpuscheln und Uniform-Stiefelhosen sind nun mal ein Hingucker. Die Show ist ein wahres Fest für die Augen. Von der fulminanten Lichtshow zum Bühnenbild und natürlich den Outfits. Frontmann Tobias Forge schlüpft immer mal wieder in ein anderes Kostüm. Bei den ersten drei Songs hat er sich aber lediglich seines Sackos entledigt. Später schlüpft er in teils glitzernde Anzüge oder steigt als Papa Emeritus IV aus einem Glaskasten.

Manchmal muss ich auch lachen, wenn Ghost oder die Ghuls witzige Elemente einbauen und sich zB batteln. Der Sound ist eingängig und macht es mir schwer, einfach nur dazustehen. Gut so. Tobias Forge fragt uns zwischendurch, ob wir es wie er geniessen, dass man sich wieder treffen und gemeinsam eine gute Zeit haben kann. Es sei schön, dass wir hier seien. In einem Interview meinte er letztens, dass einige Künstler wohl Touren absagen, weil die Ticketverkäufe noch immer schlecht seien, es aber auf die Pandemie schieben. Damit würden sie falsche Signale senden. Einerseits, dass diejenigen auf Tour fahrlässig handeln und andererseits, dass man besser noch zu Hause bleibe. Am Ende des Abends frage ich mich, weshalb wohl in Zürich nur so wenig Leute den Weg ins Hallenstadion gefunden haben. Mein Grinsen war sogar noch auf dem Heimweg im Gesicht und werde den Abend noch lange in Erinnerung behalten.

 

 

 

 

Eventdatum: 13.05.2022

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Hallenstadion, Zürich

Veranstalter: Goodnews

Supporting Acts: Twin Temple / Uncle Acid & the Deadbeats

 

 

 

 

 

 

 

 

Publiziert in Konzert

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