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Jonathan Bree - der Bariton im Puppenlook

Jonathan Bree - der Bariton im Puppenlook Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Zwei Mal musste das Konzert von Jonathan Bree seit Frühling 2020 verschoben werden. Jetzt kommen wir endlich in den Genuss seiner ungewöhnlichen Performance im Papiersaal. Doch auch der Supporting Act Amante Amato lässt sich etwas Spezielles einfallen.

 Als Support tritt Amante Amato auf, der erst seit dem Lockdown auf Solopfaden wandelt. In seinen sanften Liedern spiegelt sich sein Leben wider. Sie wecken Emotionen in mir, den Wunsch nach einem Urlaub am Meer, die Sonne auf der Haut spüren und zufrieden vor mich hinlächeln. Fototechnisch habe ich zwar wenig Abwechslung, weil man kaum etwas von ihm sieht. Er steht hinter einem roten Organzavorhang, der rund um das «Papiersaal»-Deckenlicht angebracht ist. Das zusätzliche rote Bühnenlicht erledigt den Rest.

Optisch durchaus interessant, aber ohne sichtbare Mimik des Künstlers bleibt es am Ende halt einfach ein gleichbleibend rotes Bühnenbild mit entspannender Musik. Als Übergang zwischen seinen Songs spielt er Schnipsel von Gesprächsaufnahmen ab. Wir schweben rund 30 Minuten in dieser entspannten Wolke, bevor er vor den Vorhang tritt und sich winkend verabschiedet.  

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Was haben Jonathan Bree und Cro, Ghost oder Lordi gemeinsam? Richtig: Maskierte Sänger oder Bandmitglieder. Der Neuseeländer und seine Band verbergen sich hinter Stoffstrumpf-Masken, Mickey Mouse-ähnlichen Handschuhen und tragen Perücken. Sowohl die Outfits als auch Frisur erinnern an die 60er-Jahre. Ergänzend zur Band begleiten Jonathan Bree zwei Tänzerinnen, die sich zu meistens synchronen Choreographien bewegen. Sie tauschen Accessoires, verändern zwischendurch ihre Kleidung und bei zwei Songs greifen sie selbst zum Mikrophon.

Manchmal versuchen Künstler, mit optischen Effekten von den stimmlichen Defiziten abzulenken. Nicht so Jonathan Bree. Seine Stimme ist tief und fühlt sich an wie eine warme Umarmung. Die durchgängig leichtfüssigen Titel lassen die rund 120 Zuschauer sanft hin- und herwiegen. Auf beiden Seiten der Bühne laufen zur Musik passende Visualisationen. 

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Nach einer Stunde verbeugen sich die Künstler und verlassen die Bühne. Das Publikum beginnt zu klatschen und bittet um eine Zugabe. Während das Wort «Fin» über die Leinwände flimmert, kommt ein Elvis-Song aus den Boxen. Etwas unsicher gehe ich in Richtung Merch-Stand, wo man nebst einem Shirt auch seine Alben kaufen kann – auf CD und Vinyl! Inzwischen geht das Licht im Saal an und ich fürchte, es gibt keine Zugabe, obwohl noch immer heftig geklatscht wird. Ich frage den Mann am Stand: «They are not coming back, right?” und mit einem leicht amüsierten und gleichzeitig fast entschuldigenden Grinsen schüttelt er den Kopf und sagt: «No». Der Elvis-Song endet und nun wird wohl dem Letzten klar, dass sie nicht nochmal auf die Bühne zurückkommen werden. Somit ist nicht nur sein Auftritt, sondern auch sein Abgang unerwartet und speziell. Dies tut dem guten Gefühl aber keinen Abbruch, mit dem die Leute in Richtung Barbereich strömen und nach Hause gehen werden.

 

 

 

Eventdatum: 19.05.2022

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Papiersaal, Zürich

Veranstalter: Just Because

 

 

Publiziert in Konzert