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Fantastische Stimmung im Hallenstadion

Fantastische Stimmung im Hallenstadion Michelle Brügger / szenemagazin.ch

 Nenne mir eine Hip-Hop-Gruppe, die generationsübergreifend ist. Klarer Fall mit drei verschiedenen Namen: Man nennt sie «Die Fantas», «Fanta 4» oder «Die Fantastischen Vier». Seit magischen 33 Jahren begeistern sie Jung und … Leute in ihrem Alter.

 In jeder Stadt haben «Die Fantastischen Vier» einen anderen Opener. In der Schweiz ist dies «Seven». Er und die Fantas kennen sich seit 7 Jahren, als er damals von Michi Beck als Support für ihre Tour angefragt wurde. Er vermutet, dies führte damals auch zur Einladung, in der deutschen «Sing mein Song» mitzuwirken. Der erste Song startet – ich höre Seven, sehe ihn aber nicht. Kein Wunder, er steht ja auch nicht auf der Bühne, sondern auf dem seitlichen Treppenaufgang der Zuschauertribüne.

Seven erscheint im legeren Freizeitlook, beinahe als ob er von einer Partie Tennis direkt ins Hallenstadion gekommen wäre. Der steht in auffälligem Kontrast zu den Outfits seiner Backsinger, die aber nicht traditionell im Hintergrund stehen, wie der Name es vermuten lässt. Sie sind gemeinsam mit ihm prominenter Teil seiner Show. Später gesellt sich noch Adrian Stern mit auf die Bühne, um den Song «Amerika» gemeinsam zu performen. Der Titel «Trick!» tönt wie aus den 80ern und erinnert mich an ein Lied aus der Zeit. Vielleicht ist es auch nur der Stil, dass ich so denke – oder das Intro davor. Nach 45 Minuten und einer Zugabe verabschiedet er sich vom Zürcher Publikum.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

«Die Fantastischen Vier» sind seit sage und schreibe 1989 in der Originalbesetzung unterwegs: Michi Beck, Thomas D, Smudo und And.Ypsilon in der Doppelrolle als Produzent. Einzig ihr Debütalbum von 1991 hat es nie geschafft, wie alle nachfolgenden Alben mit einer Schallplatte in Silber, Gold oder Platin ausgezeichnet zu werden. 5 dieser 10 Alben schafften es in den Charts auf Platz 1, «4:99» von 1999 sogar in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Liste ihrer Awards ist lang: nicht weniger als 28 Auszeichnungen räumten sie über die Jahre ab.

Viele werden Michi und Smudo auch als Coaches kennen. Sie sitzen von 2014-2018 in «The Voice of Germany» und seit 2021 bei «The Voice Kids» im Doppelstuhl. Dem ein oder anderen dürfte ihre Sprechstimme bekannt vorkommen. Sie sind die deutschen Synchronstimmen der Pinguine in Madagascar 1-3 und in «Die Pinguine aus Madagascar».

Im Bühnengraben steht zwischen jeder der 8 Boxen ein Security-Mitarbeiter. Selbst wenn jemand von der «Front of Stage» (manchmal auch «Golden Circle» genannt) rüberklettern würde, hätte diese Person schlechte Karten. Bevor es losgeht, wird ein Vorhang hochgezogen und ich denke schon «neee, ne?», Auf dem schwarzen Hintergrund werden die Köpfe von Fanta 4 projiziert, und mit dem ersten Ton von «MfG» fällt der Vorhang auf den Boden. Die Bühne ist in drei Etagen unterteilt: Michi, Smudo und Thomas D stehen unten, in der Mitte ist And.Ypsilon am DJ-Pult zusammen mit dem Gitarristen, Bassisten und Keyboarder. In der oberen Reihe stehen die drei Bläser zwischen den beiden Drummern. Die einzigen, die sich zwischendurch verschieben, sind die Bläser.

Die Fantas tragen schwarz mit weissen Turnschuhen, Smudo und Michi Beck ein Cap. Zu Beginn haben sie alle noch ihre Jacke an, die aber einer nach dem andern auszieht. Schliesslich scheint ihnen viel Licht ins Gesicht und sie springen ziemlich umher.

Nach drei Songs muss ich rasch raus, Fotoequipment abgeben und bin dann so schnell wie möglich wieder im recht vollen Hallenstadion. Ich glaube, ich hatte es bisher noch nie geschafft, Fanta 4 live zu erleben. Als Michi Beck fragt, wer zum ersten Mal an einem ihrer Konzerte ist, bin ich aber trotzdem erstaunt, wie viele Hände in die Höhe schnellen. Und was antwortet Michi? «Typisch Zürich. Immer mal was neues ausprobieren». Die Frage war natürlich die Überleitung zu «Typisch ich».

Sie machen allgemein relativ wenig Pausen und lassen die Songs nahtlos ineinander übergehen. Kein Wunder bei der vollgepackten Setlist. Und wenn sie was sagen, hat es eigentlich immer einen Zusammenhang mit dem folgenden Song. Selbst wenn es schon fast eine halbe Geschichte ist, die erzählt wird. «Da sind wir in Zürich gelandet, ein paar Schäfchenwolken, der See glitzert. Und es ist so grün hier. Sooo schön. Und ihr seid hier mit uns in dieser stickigen Halle. Draussen kann jeder. Aber ihr seid die wahren Picknicker», meint Michi Beck.

 

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Zum Titel «Tag am Meer» setzen sie sich am Bühnenrand auf Barhocker, Smudo imitiert Wellenrauschen mit einer Handtrommel. Bei «Pipis und Popos» mit integriertem «Killing in the Name» inhaliert Smudo Helium, seine Stimme wird piepsig. Zur Abwechslung macht Thomas D mal eine Überleitung und meint: «Zu Beginn der Tour hatte ich vier Tage lang Wadenmuskelkater. Aber jetzt geht’s wieder. Eine Frage der Übung». Nana, da stellt wer sein Licht etwas zu sehr unter den Scheffel. Schliesslich zeigt er uns spätestens beim Titel «Krieger», dass er nicht so ausser Form ist, wie’s grade tönt. Die Bühne ist in tiefrotes Licht getaucht, Thomas D steht allein am Bühnenrand und entledigt sich kurzerhand seines Shirts. Ich habe meine Brille nicht auf, aber er scheint gut trainiert zu sein.

Nach dem Titel verschwindet er hinter der Bühne, während Smudo «Spießer» zum Besten gibt und Michi Beck als Scratcher am DJ-Pult fungiert. Bei «Ernten was wir säen» ist Thomas D samt Shirt wieder zurück. Dann ein Witzchen am Rande über die Bläser. Die hätten sie extra für den Song «Die da?!» mitgenommen, aber sie sind bis auf ein oder zwei Songs bei jedem Titel voll dabei und klingen super. Sie spielen drei Takte an und das Hallenstadion ist am Start – ja, den 30 Jahre alten Song kennen alle, bis in die hinterste Ecke. Deshalb kommt die Antwort «Nein, es ist die Frau, die freitags nicht kann» auch vom Publikum im Hallenstadion.  

Bevor sie den letzten Song des Sets spielen, bedankt sich Michi Beck von ganzem Herzen bei uns. Die Tickets hätten teilweise sehr lange am Kühlschrank kleben müssen, bis sie endlich hier sein konnten. Dies sei die zweite Stadt der aktuellen Tour (2x Hamburg, heute Zürich) und sie dürfen vor vollem Haus spielen. Das sei nicht selbstverständlich nach 2.5 Jahren Pause, dass einem die Treue gehalten werde. Und er hängt an: «In unserem Alter kann zudem alles mögliche passieren». Natürlich folgt darauf der Titel «Troy» und kaum angespielt, fliegen Schals mit der Aufschrift «Troy Fanta 04» auf die Bühne, die sich alle vier umhängen. Am Ende knallt die Konfettimaschine noch goldene Schlangen in die Luft und es folgen noch zwei Zugaben. Nach «Zusammen» ist dann aber endgültig fertig und ich bin mir  sicher, nach den 29 (oder waren es 30?) Songs hat der ein oder andere aus dem Publikum morgen auch Wadenmuskelkater. Für die meisten von uns ist es ja schliesslich auch erst das dritte oder vierte Konzert seit Ende der Pandemie.

 

 

 

Eventdatum: 27.05.2022

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Hallenstadion, Zürich

Veranstalter: Mainland Music

 

 

Publiziert in Konzert

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