Apache 207-Fans brauchen keinen Sitzplatz
Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Alles andere als monoton ist es an diesem Donnerstagabend mit Apache 207. Zigarettenpausen auf der Bühne, begleitet von dem Klassiker Rhythm of the Night und ein durch die Menschenmasse segelnder Künstler in einem Boot. Dazu zusätzlich noch zum Abschied seiner Segeltour der weltberühmte Song My Heart will go on. Das schreit doch alles andere als Hip-Hop-Szene, doch Apache überzeugt die Fans mit seiner Einzigartigkeit ohne jeden Zweifel.
An diesem Donnerstagabend überzeugt Apache mit seiner guten Stimmung das gesamte Hallenstadion. Um 20:39 Uhr öffnet sich der Vorhang endlich. Die Fans werden durch eine blau beleuchtete Bühne mit maskiertem Trommler begrüsst. Mit dem ersten Song Brot nach Hause schreien alle Fans «Apache». Auch auf der Tribüne könnte man fast meinen, es gäbe keine Sitzmöglichkeiten, denn die Mehrheit tanzt und singt motiviert mit den Melodien mit. Auch ich selbst habe mich immer wieder erwischt, wie ich zu gewissen Liedern aufgestanden bin, mitgesungen und mitgetanzt habe.
Der 24-jährige deutsche Rapper ist mit seiner alleinerziehenden Mutter in einem Plattenbau in Ludwigshafen am Rhein aufgewachsen. Volkan Yaman hat seinen Spitznamen «Apache» von seiner Mama bekommen und das 207 steht für den Bundestagswahlkreis von Ludwigshafen, seiner Heimat. Wie er in seinen Lyrics und in Interviews bekannt gibt, ist er sehr ärmlich aufgewachsen und pflegt ein sehr enges Verhältnis mit seiner Mutter. Das Bühnenbild zeigt seinen Block, in dem er gross geworden ist. Nicht nur in diesem Sinne ist er seiner Herkunft treu, sondern zeigt auch transparent, wie seine Karriere als Musiker begann. Nach dem ersten Song sehen wir Fans ein Teil seiner Geschichte projiziert. Bereits mit zwölf Jahren schneidet Volkan Yaman im Keller seines Wohnblocks die Haare parallel zu seinem Studium, um seine Mutter finanziell unterstützen zu können und seine Musikkarriere zu finanzieren. Nach dem Videoausschnitt performt der junge Künstler Kein Problem. Mit seinem weissen Shirt, seinen blauen Jeans, schwarzen Stiefeln und der Sonnenbrille - sein Markenzeichen - entschuldigt er sich ganz anständig für die Verspätung. Seine Art und Weise, wie er mit seinen Tanzbewegungen auftritt, ist es alles andere als ein gewöhnliches Hip-Hop-Konzert. Diese Einzigartigkeit kombiniert mit seinem Lächeln, macht ihn umso sympathischer. Mit «Grüezi Mitenand Zürich» schafft er es, noch die Letzten zu begeistern. Die wenigen, welche er bis jetzt noch immer nicht erreichen konnte, sind dann aber nach seinem Auftritt des berühmten Liedes 200km/h auch am Start. Die Fans scheinen sich fast nicht mehr zu spüren vor Freude. Für eine Partystimmung hat der junge Künstler definitiv gesorgt!
Besonders auffallend ist, wie die ganze Menschenmasse LED-Armbänder trägt, welche sich farblich stets an die Bühnenshow anpassen. Von den oben gelegenen Sitzplätzen aus macht dies ein unvergessliches Bild. Mit einem grossen mit Luft gefüllten Ballon, welchen er in die Menschenmasse kickt, involviert Apache die Fans. Sie schiessen einander diesen Ballon während der nächsten Songs, Ferrari Testarossa, Nicht wie du und Famous zu.
Apache 207 wurde mir erst durch den Mega-Hit Roller bekannt, mit welchem er das ganze Hallenstadion zum Singen bringt. Sein Gesang scheint schon fast überflüssig zu sein, denn die Fans schreien und singen so laut mit. Das merkt der junge Künstler selbst, denn er lässt immer wieder Teile des Refrains aus, um die Fans singen zu lassen. Schon nach seinem ersten Album «Treppenhaus» positionierte sich der Künstler in den deutschen Charts. Sein Erfolg bleibt jedoch nicht nur in Deutschland, sondern weitet sich auch sehr schnell nach Österreich und die Schweiz aus. Es ist kaum zu glauben, dass Apache 207 in so kurzer Zeit ein Stadion mit 12’000 Zuschauern füllen kann, die seine Musik geniessen.
Nach einer kleinen Recherche habe ich herausgefunden, dass Apache 207 schon vor dem Megahit Roller seine ersten Erfolge als Künstler erreichte. Allein ohne einen Plattenvertrag veröffentlicht der deutsche Künstler Mitte 2018 seine allererste Single Kleine Hure, auch Famous und Ferrari Testarossa wurden im Anschluss publiziert. Der Durchbruch gelang ihm mit dem Song Kein Problem, welcher er mit dem Label TwoSlides veröffentlichte. 2019 tritt Apache 207 als Vorakt von Bausa in Deutschland auf.
Apache erzählt den Fans, dass er gerne mehr erzählen würde, jedoch habe er ein volles Programm heute Abend und er wolle keine Zeit mit Reden verlieren. «Ich liebe euch Zürich», schreit der Künstler. Er wird mit BHs von den Fans beworfen und muss einfach lachen. Seine sympathische Art ist auf jeden Fall einzigartig. Im Hallenstation wird es dunkel. Volkan Yaman begibt sich in ein Boot, welches durch die ganze Menschenmasse segelt. Dabei singt er Boot für seine Fans. Es ist unglaublich, wie er das ganze Stadion nutzt, um seinen Fans eine einzigartige Show bieten zu können. Das witzigste Ereignis dieses Abends ist meiner Meinung nach die Rückkehr zur Hauptbühne. Der berühmteste Titanic-Song My Heart will go on wird in voller Lautstärke gespielt, während er zurücksegelt. Er geniesst seine Momente und lächelt das Publikum ständig an. Die Fans scheinen von dieser Überraschung völlig begeistert zu sein, denn alle singen mit. Ich glaub ist schon speziell, wenn Rap- oder Hip-Hop-Fans voller Elan dieses hochemotionale Lied mitsingen.
Dieser Auftritt wird einfach nicht langweilig. Zurück auf der Hauptbühne folgt das Lied Thunfisch & Weinbrand. Mit seinen schwarzen, schulterlangen Haaren, seinen Sonnenbrillen und seiner Lederbekleidung trinkt er gemütlich einen Schluck seines Ingwerwassers. Alle Fans warten gespannt, was als nächstes kommt, doch was kommt hätte ich niemals erwartet. Er zündet sich in aller Ruhe eine Zigarette auf der Bühne an und spielt das Lied Rhythm of the Night. Er tanzt und geniesst seine Zigarettenpause. Er sagt sogar schmunzelnd: «So sieht die Raucherpause bei meiner Arbeit aus».
Sein Humor auf der Bühne geht weiter, denn Titanic und eine Raucherpause reichen nicht aus. Er sagt, er müsse jetzt erst Mal ein bisschen trainieren, denn das Tour-Leben sei unglaublich anstrengend. Der zwei Meter grosse Künstler dehnt sich auf der Bühne und macht ein paar wenige Übungen in seinen Lederhosen und performt anschliessend kurz darauf seinen nächsten Track. Die Fans schreien und schauen seinem Workout liebend gern zu. Er schafft es einfach immer und immer wieder, die Fans auf eine neue Art und Weise zu begeistern.
Das Konzert ist ein voller Erfolg. Apache 207 ist wohl einer der beliebtesten Rapper Deutschlands, aber er ruht sich nicht auf seinem Ruhm aus. Mit sehr viel Sympathie, Talent und Bescheidenheit ist dieser Musiker alles andere als langweilig. Es ist grossartig zu sehen, wenn ein Künstler seine Momente auf der Bühne geniesst und sich Zeit für seine Fans nimmt. Dies hat der deutsche Star definitiv gemacht. Er nutzt das ganze Stadion, ermöglicht vielen im Publikum, durch seinen Auftritt den Arbeitsalltag zu vergessen und sich vollkommen auf die Show zu fokussieren. Dies ist bei mir der Fall gewesen. Diese zwei Stunden sind im Flug vergangen und Zeit für andere Gedanken gibt es für mich nicht. Auch wenn Hip-Hop vielleicht nicht deine Lieblingsmusik ist, würde ich es dennoch einmal empfehlen, an ein Apache 207-Konzert zu gehen. Er wird dich mit seinem Charme sicherlich nicht enttäuschen.
Eventdatum: 06.10.2022
Fotograf: Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Location: Hallenstadion, Zürich
Veranstalter: Mainland Music
Zuschauerzahl: ca. 12000
Wir mussten die Bilder - ohne vertragliche Vereinbarung - zur Freigabe ans Management schicken. Wir betrachten deshalb die Aufforderung als nicht bindend, sondern als Bitte ihrerseits. Da wir aber eine Woche nach dem Konzert noch immer keine Rückmeldung erhalten haben und wir unsere Berichte so zeitnah wie möglich veröffentlichen wollen, haben wir dem Management erneut geschrieben und ihnen mitgeteilt, dass wir ihre stillschweigende Zusage annehmen werden, falls wir bis Mittwochabend nichts Gegenteiliges hören.
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Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Marcel Kaul
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