Spanischer Abend in der Halle 622 mit Alvaro Soler
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Wenn Musik sprachliche Barrieren überwindet, braucht es offenbar nicht immer Worte, um zu verstehen. In der Halle 622 dürften eine Vielzahl an Besuchern anwesend sein, die kein spanisch sprechen. Und trotzdem geniessen sie die Melodien, die uns Alvaro Soler und Greg Taro spielen.
Alvaro Soler kommt nicht nur auf seinen Touren in der Welt herum. Auch privat lebte er schon in den verschiedensten Ländern. Aufgewachsen ist er in Barcelona, bis seine Familie 2001 nach Tokyo zog. Dort machte er seine ersten musikalischen Schritte, als er Klavierunterricht nahm und in einer Schülerband spielte. 7 Jahre später ging es zurück nach Barcelona, wo er ein Jahr später Industriedesign zu studieren begann. Während des Studiums gründete er gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Greg Taro und zwei Freunden die Band Urban Lights. Sie gewannen einen Unitalentwettbewerb, was ihnen den Anstoss zum Einstieg ins Musikbusiness gab. Sie veröffentlichten eine Single und ein Album und standen bei einer spanischen Castingshow im Finale.
Zwei Jahre später wurde er als Solokünstler unter Vertrag genommen und zog nach Berlin. Dort nahm er sein erstes Album «Eterno agosto» auf. Bisher hat Alvaro Soler drei Studioalben herausgebracht, die im deutschsprachigen Raum allesamt unter den Top 10 gelandet sind. Bei den Singleauskopplungen sieht das etwas anders aus, hier war die erste Single El mismo sol direkt ein Hit, die interessanterweise nicht in Spanien oder Deutschland, sondern zuerst in Italien veröffentlicht wurde. Obwohl diese Ende April 2015 erschien, scheint das ein Sommerhit gewesen zu sein, der in Italien innerhalb von zwei Wochen und später auch in der Schweiz auf Platz eins schoss und in Italien sogar 6x Platin abräumte. Ein Jahr später wiederholte er das mit seinem meistverkauften Titel Sofia, der insgesamt mit 14x Platin ausgezeichnet wurde. Die Singles seit 2019 dümpeln in den Charts eher in den hinteren Rängen und sind auch bei weitem nicht mehr so oft verkauft worden.
Früher selbst Castingstar, sass er 2016 selbst in der Jury bei The X Factor in Italien und gewann mit der von ihm betreuten Band Soul System. Er war ebenfalls Teil von Sing meinen Song - Das Tauschkonzert und 2021 nochmal hinter dem Pult bei The Masked Singer und die letzten 2 Jahre im Coach-Stuhl von The Voice Kids.
Greg Taro eröffnet den Abend
Wer es nicht weiss, würde es nicht merken. Vor allem nicht anhand des Namens, denn Greg Taro ist der jüngere Bruder von Alvaro Soler. Im Anschluss an sein Studium in Barcelona arbeitete er in verschiedenen Jobs, nach einem Motorradunfall entschied er sich aber ebenfalls für die Musik und zog nach Berlin.
Er begrüsst das Publikum und fragt, ob wir Bock auf Musik hätten. Und hakt bei der Galerie nach, die zuvor eher verhalten geantwortet hatte. Greg ist sehr authentisch, steigt sogar ins Publikum runter, weil ein Fan irgendwas geschrieben/gezeichnet haben will für ein Tattoo. Greg meinte, er schreibe schlimmer als jeder Arzt. Dennoch nimmt er den Zettel und meint, er mache das später, jetzt wolle er erst ein wenig singen, sei ja sonst langweilig.
Wieso er einen anderen Namen hat? Eventuell möchte er einfach sein Ding machen, ohne mit dem grossen Bruder verglichen zu werden. Er macht auch kein Namedropping, sagt bloss, er sei dankbar, im Vorprogramm von Alvaro Soler auftreten zu dürfen. Seiner Stimme hat eine angenehme Rauhe. Er spricht ebenfalls perfekt deutsch und macht viele lustige Bemerkungen. Natürlich erzählt er auch etwas zu den Hintergründen seiner Lieder. Wie zum Beispiel Volveré, in dem es darum geht, wie er die Liebe zur Musik entdeckt. Ich muss gestehen, mir gefällt Gregs Stimme fast besser als die seines Bruders.

Main Act: Alvaro Soler
Nach seinem 30-minütigen Set übernimmt Alvaro Soler. Vor Manila erzählt er uns, er habe heute Mitten in Zürich ein Fondue gegessen. In Gesellschaft. Und natürlich kam dann Ray Dalton für den Song auf die Bühne. Es werden Aufgaben verteilt. Mal sollen nur die Frauen singen, und danach die zahlreichen Kids. Alvaro macht jeweils vor, was man nachsingen soll. Bei den Kindern verstellt er die Stimme und tönt wie ein Kind, als er die Strophe vorgibt. Zucker! Am Ende des Songs hängt er ein astreines „Dankä, Züri“ an. Ok, nebst italienisch kann er also auch noch ein paar Worte Schweizerdeutsch.
Dann kündigt er seinen Lieblingssong an, der in der Schweiz entstanden ist. «Das ist der romantische Moment. Ihr könnt euch küssen umarmen, was auch immer ihr wollt», sagt er. Ich sag euch, der Typ neben mir hat vielleicht doof gekuckt, als ich… nein, Spass. En tu piel ist tatsächlich ein ruhiger Song, den dann auch viele Familien als Ausstieg nutzen und heimgehen, was zu trinken holen und vor allem sich laut zu unterhalten.

Alvaro wird etwas nachdenklich. Er spricht darüber, dass er nicht verstehen kann, was momentan gerade auf der Welt geschieht. Und er denkt, weil wir in der Schweiz tausend Sprachen sprechen, offen seien und respektvoll miteinander umgehen, würden wir alles richtig machen. Offen und respektvoll? Wenn auf meiner FYP auf TikTok manchmal Videos auftauchen, in denen Expats nach mehreren Jahren in der Schweiz noch keine Freunde gefunden haben oder selber weiss, wie schwer es ist, Freunde zu finden, würde ich das mit dem «offen» etwas in Frage stellen. An «respektvoll» können wir auch noch arbeiten. Und was die Sprachen betrifft: wir lernen ja nicht alle vier Landessprachen in der Schule (also ich schon, hahaha, aber habe vieles vergessen).
«Ich finde es unfassbar, wie viele Leute an einem spanischen Konzert sind, obwohl sie wahrscheinlich die Sprache gar nicht verstehen» - Alvaro Soler
Er spielt akustisch einen traditionellen Titel in spanisch, den er spontan ausgesucht habe. Alvaro findet es sowieso unfassbar, dass so viele Leute an einem spanischen Konzert seien und die Sprache vermutlich nicht können. So klar wie Alvaro singt, dürfe aber jeder mit rudimentären Kenntnissen alles verstehen. Wir sind jetzt mit Alma de Luz erst in der Hälfte seines Sets und ich werde seine bekanntesten Hits verpassen. Aber mir geht es von einer Minute auf die andere nicht mehr so gut, drum trete ich heute verfrüht den Rückzug an. Aber Alvaro Soler hat schon zu Beginn des Konzerts gemeint, 3 Jahre seien eine zu lange Zeit gewesen. Vielleicht werde ich bei seinem nächsten Halt in Zürich den ganzen Auftritt geniessen können.
Eventdatum: 28.09.2022
Fotografin: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Halle 622, Zürich
Veranstalter: Gadget abc Entertainment AG
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/911-spanischer-abend-in-der-halle-622-mit-alvaro-soler#sigProId69b7c3a625
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