Spannungsaufbau in den letzten Minuten
Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Der EHC Kloten verliert ein spannendes Heimspiel gegen den Lausanne HC. Der Entscheid fällt erst in den letzten Minuten.
Heute kam die Frage nach den kurzen Hosen gar nicht erst auf, denn die Temperaturen sind mittlerweile eher eishockeytauglich. Noch nicht optimal, aber auf dem besten Weg dazu. Eines kann ich somit schonmal vorwegnehmen: heute gab es keine Nebelschlacht. Dafür muss Anspiel muss wiederholt werden, nachdem den Schiedsrichtern eine Unstimmigkeit aufgefallen ist. Somit wird die Uhr um sechs Sekunden zurückgestellt auf 20:00. Auch das zweite Anspiel geht an die Gäste und es dauert nur 23 Sekunden und Juha Metsola wird ein erstes Mal geprüft. Noch keine Minute durch und auch Kloten erhält die erste Torschussmöglichkeit. Aber die beiden Torhüter sind noch frisch und lassen kein Jubeln der Fans zu. Apropos Fans, die Lausanne-Ecke ist praktisch leer. Es stehen eine Handvoll Leute dort. Es folgt jetzt eine längere Phase ohne Spielunterbruch. Ein unerlaubter Befreiungsschlag beschert den Lausannern ein Bully im Klotener Drittel. Mit 5:43 Spielzeit auf der Uhr leuchtet die Torlampe hinter Metsola. #19 Michael Hügli findet die Lücke und eröffnet den Score. Während auf dem Eis in der Mitte angespielt wird, läuft ein kleiner Junge neben mir vorbei, der ein #10 Mbappé Spielershirt trägt. Irgendjemand sollte ihm sagen, dass er am falschen Spiel ist. Es folgt eine erste Strafe gegen die Gastgeber. Nicholas Steiner muss wegen eines Stockhaltens für zwei Minuten auf die Strafbank. Die Lausanner bauen ihr Powerplay auf und stehen im gegnerischen Drittel. Kloten kann die Scheibe raushauen und so müssen sich die Waadtländer hinter dem eigenen Tor frisch aufstellen. Während sie nach vorne passen, kommt #8 Marc Marchon an die Scheibe und fährt in Penaltymanier auf #74 Ivars Punnenovs zu. Er lässt diesen kurz alt aussehen und versenkt die Scheibe zum Shorthander. Das erste Powerplay für den EHC gibt es in der 13. Minute. Irgendwie will es mit dem Abschluss noch nicht ganz funktionieren. Krampfhaft versuchen sie den Pass in eine noch bessere Schussposition zu bringen, können aber das Überzahlspiel nicht ausnutzen. Knapp drei Minuten vor Drittelsende hat Miro Aaltonen dann das 2:1 auf dem Stock, verfehlt aber das Tor und wir gehen mit dem 1:1 in die erste Pause.
Inzwischen haben auch noch ein paar weitere Lausanne-Fans den Weg ins Stadion gefunden. Die Gastgeber kommen mit viel Elan aufs Eis zurück und verbuchen nach nur 14 Sekunden bereits zwei Torschüsse. Doch leider sind es nur Schüsse aufs Tor und noch keine Tore selbst. Gleich darauf sieht es auf der anderen Seite nicht anders aus, auch die Lausanner können die Torschussstatistik füttern. Wir sehen zwei weitere Powerplays, beide Mannschaften erhalten jeweils eine zwei-Minuten-Strafe. Die Gäste für Behinderung, die Gastgeber für Haken. Sowohl #17 Ken Jäger als auch #10 Jonathan Ang können sich ausruhen, ohne dass auf dem Eis sich der Spielstand ändert. Das Spiel hat ordentlich Tempo, doch beide Offensive-Blöcke haben Verbesserungspotential. Im Gegensatz zeigt dies aber, dass die Defense ihren Job gut macht. Alles in allem würde ich sagen, dass die ersten 10 Minuten im Mitteldrittel vor allem eine starke Klotener Offensive zeigt. Doch die Kraft bröckelt und so können die Lausanner vermehrt wieder in Richtung Metsola aufbrechen. Zwischen den beiden Powerplays wird kurz vor der Spielhälfte ein Bully im Klotener Drittel gespielt. Lausanne gewinnt es und die Scheibe kommt zu #3 Christian Djoos, welcher eine Direktabnahme vollzieht und den Puck auf Metsola pfeffert. Unglückliche Situation in der 35. Minute: #67 Lucas Ekestahl-Jonsson kurvt durchs eigene Drittel und lässt die Scheibe liegen. Ob er sie an einen Mitspieler abgeben wollte, kann ich nicht sagen, aber es sieht etwa so aus. Doch hinter ihm steht kein Mitspieler, sondern #4 Antti Suomela der die Scheibe sofort an den etwa 5 Meter vor ihm stehenden #14 Jason Fuchs abgibt. Obwohl sich Juha Metsola schon längst im Eck verbarrikadiert hat, findet Fuchs die kleine Lücke und schiebt dort den Puck ins Tor. Nach weiteren actionreichen aber torlosen Minuten fahren die Spieler vom Eis und begeben sich in die Kabinen zur zweiten Drittelspause.
«Gebt dem Torhüter die Chance, den Puck reinzulassen, also schiesst doch einfach» - Andrea Rutschmann
Die Pausenuhr hat noch 1:20 drauf und schon stehen die ersten Klotener wieder auf dem Eis. Wir sehen einen relativ ausgeglichen Start in den letzten Spielabschnitt. Nach etwas mehr als sechs Minuten kann sich der Lausanne HC bei den Klotenern im Drittel festbeissen. Sie können powerplaymässig spielen und mehrere erfolgreiche Passspiele vollziehen. Kurz darauf sieht man Juha Metsola beinahe eine halbe Minute lang ohne Stock sein Tor verteidigen. Dieser wurde ihm unglücklich von einem eigenen Mitspieler aus der Hand geschlagen. Juha übersteht die Situation jedoch unbeschadet und erhält dann den Stock von einem anderen Mitspieler wieder in die Hand gedrückt. In der 48. Minute segelt der Puck über die Scheibe ins Publikum raus. Da heute Abend nicht so viele Leute anwesend sind, landet die Scheibe in einer leeren Stuhlreihe. Dennoch schaut kurz ein Security ums Eck, ob eventuell jemand vom Puck getroffen wurde. #96 Andrea Glauser erhält hierfür eine zwei-Minuten-Strafe wegen Spielverzögerung. Ein weiteres Powerplay für die Klotener. Und wieder wird nur die Scheibe hin- und hergeschoben, statt dass man aktiv selbst schiesst. Wenn man die Möglichkeit zum Schuss hat, soll man diese doch nutzen und nicht nochmals und nochmals abgeben. Denn so geht auch dieses Powerplay wieder leer für die Gastgeber aus. Ich verschiebe mich hinunter an die ach so wunderbar saubere Scheibe und möchte noch ein Paar Actionshots machen. Die Scheibe liegt aktuell hinter dem Tor und ein Lausanner kontrolliert sie. Just in diesem Moment wechsle ich die Kamera, während die Scheibe hinter dem Tor hervorgespielt wird. Leider verfehlt sie ihr Ziel und landet auf #29 Niko Ojamäki’s Stockschaufel. Er muss nur noch abdrücken und der Puck zappelt im Netz. Es wird nochmals spannend, sogar noch spannender, als #3 Christian Djoos für seinen Haken auf die Strafbank geschickt wird. Nutzen die Gastgeber diese Powerplay-Chance aus? Nein. Erneut wird gepasst statt geschossen. Hier muss Gerry Flemming sofort ran und diesen Missstand verbessern. Ein weiter Passversuch aus den Tiefen des Klotener Drittels nach vorne kommt nicht ganz an und führt wegen unerlaubtem Befreiungsschlag zu einem Bully vor Metsola. Die Fans sehen dies anders, denn sie hatten das Gefühl, dass der Klotener die Scheibe noch erreichen hätte können, wenn der Abpfiff nicht gewesen wäre. #4 Makai Holdener stochert die Scheibe hinter die Torlinie und die Gäste gehen 111 Sekunden vor Spielende wieder in Führung. Für die letzten 63 Sekunden verlässt Juha Metsola seinen Arbeitsbereich und fährt zur Bank. Dieses 6:5-Überzahlspiel endet aber weder mit dem Ausgleichstor noch mit einem Shorthander.
Etwas unglücklich muss so die Heimmannschaft die zweite Heimniederlage und die dritte Niederlage in Serie hinnehmen. Wie schon gesagt, die Mannschaft hat noch viel Potential nach oben. Wir haben ja erst 4 Spiele durch und die Saison dauert noch lange. Nicht mehr lange dauert es bis zum nächsten Heimspiel, denn dieses findet bereits am Dienstag gegen den HC Ajoie statt. Sie konnten heute Abend den EHC Biel im Penaltyschiessen mit 6:5 bezwingen, sind also nicht zu unterschätzen.
EHC Kloten vs. Lausanne HC: 2:3 (1:1 | 0:1 | 1:1 )
Schüsse aufs Tor: 26:28 (9:13 | 7:8 | 10:7)
Details zum Spiel: Gamecenter SIHF
Aufstellung: TeamRoster
Eventdatum: 22.09.2023
Fotograf: Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Location: Stimo Arena
Veranstalter: EHC Kloten
Zuschauerzahl: 4835
https://www.szenemagazin.ch/sport/item/1130-spannungsaufbau-in-den-letzten-minuten#sigProId3396c07cd9
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Marcel Kaul
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