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Angstgegner? Von wegen - die Lions gewinnen mit 4:1 gegen den EHC Biel-Bienne

Angstgegner? Von wegen - die Lions gewinnen mit 4:1 gegen den EHC Biel-Bienne Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Wir werden Zeuge eines Allzeit-Tiefs und neuen Tricks, die Trainer Marc Crawford den Lions im Sommertraining beigebracht hat. Die Partie beginnt harzig, abwechslungsreich wird es erst gegen Ende des Schlussdrittels.

Wer schon etwas früher in der SwissLife Arena eingetroffen ist, hat eventuell das Aufwärmen beider Mannschaften mitverfolgt. Die Lions haben dafür speziell für diesen Abend entworfene Shirts mit kariertem Muster getragen. Insider wissen, weshalb. Heute wird Peter «Schräge» Schrager geehrt, der seit 50 Jahren Materialwart bei den ZSC Lions ist. Sein Markenzeichen: karierte Hemden. Vor der Partie schreitet er mit seiner Frau über den auf dem Eis ausgerollten roten Teppich, wo Ehemalige wie Edgar Salis, Mathias Seger, Mark Streit im karierten Tenue Spalier stehen. Während die Spieler auf der blauen Linie ihre Plätze einnehmen, rutschen wir Fotografen übers Eis zum Mittelkreis. Die einen eleganter, die anderen… sagen wir’s so: meine nigelnagelneuen Turnschuhe ohne Profil waren nicht sehr hilfreich. «Nur nicht ausrutschen, bitte keinen Faceplant oder Popoknaller hinlegen», war mein Mantra. Einmal bin ich sogar fast stehend ausgerutscht und hätte mir gewünscht, ich könnte im Eis versinken. Bruno Vollmer hält eine Laudatio auf Schräge, der am Ende sichtlich gerührt einen Geschenkkorb überreicht bekommt. Im Hintergrund hält der Limmatblock ein Transparent hoch: «50 Jahr für de Verein g’chrampft & gläbt! Dankä Schräge!».

Diejenigen, die durch das Matchprogramm geblättert haben, werden den Artikel gesehen haben: Die vergangenen Begegnungen mit dem EHC Biel-Bienne liefen für die Hausherren nicht optimal. Manche spekulieren, ob die Spieler das aus ihren Gedanken verbannen und mit freiem Kopf spielen können. Die Saison hat gerade erst begonnen und es scheint, als müssten sich die Teams neu kennenlernen. Bei den vielen Wechseln und Neuzugängen ist das auch nicht weiter verwunderlich. Für den Youngster Danill Ustinkov kommt eventuell auch noch der Druck dazu, dass auf den Pressebalkonen diverse Scouts sitzen, die seine Einsätze mit wachsamem Auge verfolgen.

Im ersten Drittel gibt es da jedoch nicht viel zu sehen, ausser einer Strafe wegen Beinstellens in der 5. Minute passiert nicht viel. Mein Blick schweift deshalb öfters durch die Halle als sonst. Mich dünkt, das Zürcher Publikum ist noch nicht in Hockeylaune. Viele leere Plätze und nur eine Handvoll Bieler Fans. «9167 Zuschauer» heisst es später auf dem Videowürfel. Rekordtief, was Zuschauerzahlen anbelangt. Darin enthalten sind 8500 Saisonkarten, die auch no-shows sein können und trotzdem dazuzählen. Ich hoffe, das ändert sich im Verlauf der nächsten Partien und die Zahl steigt wieder über 10000. Die Stimmung in der Zürcher Fanzone ist trotzdem lautstark, der Limmatblock macht seinem Namen Ehre und steht dichtgedrängt auf der Tribüne. Und obwohl die ersten 20 Minuten torlos verstreichen, stimmen sie ihre Gesänge zahlreich an.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch) 

 

Obwohl die Lions insgesamt nur bei einem der 5 Powerplays ein Tor erzielen, habe ich den Eindruck, sie haben intensiv Powerplaysituationen geübt. Die Kunst des Boxplays haben sie deswegen aber nicht verlernt. Wenn Letzteres passiert, ist das eigentlich keine Überraschung, das sind wir uns seit Jahren gewohnt. Dennoch ist der Jubel im Publikum jedes Mal riesig, wenn sich die Lions in Unterzahl befreien können und einer der Spieler im Alleingang vors gegnerische Tor loszieht. Die Zürcher überstehen insgesamt 9 Powerplays ohne Treffer. Die Bieler verpassen aber auch sonst ein paar gute Chancen. 6 Minuten vor Ende des Mitteldrittels scheint bei Damien Brunner - trotz des Ausgleichs seiner Mannschaft zum 1:1 - einen Wutanfall auszulösen. Er fährt zur Bank, drischt seinen Schläger auf die Bande. Dann holt Brunner zum zweiten Schlag gegen die Bank aus - der Hockeystick bleibt ganz, was ihn wohl noch mehr in Rage versetzt. Denn jetzt schlägt er wutentbrannt gegen die Plexitür bei den Sitzbänken und entzweit sein Spielgerät. Jemand neben mir meinte sogar, ein Teil des zerbrochenen Stocks hätte das Bein des Materialwarts getroffen. Zweites Heimspiel, zweiter Schläger, der in der Gegend rumgeworfen wird - ist das der neue Trend diese Saison? Nein, ich habe auch dieses Mal kein Foto. Meine ansonsten gute Reaktionsfähigkeit wurde von Fassungslosigkeit überdeckt. Ob für ihn ein Platz im Anger Managementkurs gebucht wurde? Wer weiss.

Apropos Treffer: In dieser Begegnung fallen mir die Neuzugänge und schon fast in den Himmel gelobten Spieler ehrlich gesagt nicht grossartig auf, obwohl sie zumindest Assists verzeichnen. Tor 1 und 2 wird Mikko Lehtonen gutgeschrieben, der dritte Treffer geht auf das Konto von Juho Lammiko. Einzig der Shorthander zum 4:1 liefert Newbie Nicolas Bächler. Alte Muster machen sich bemerkbar, dass man erst im Verlauf des letzten Drittels aufdreht. Ja, die Lions haben gewonnen, aber eine wirklich attraktive Partie war es nicht. Das nächste Heimspiel ist am Samstag gegen den HC Fribourg-Gottéron. Bleibt zu hoffen, es werde eine etwas spannendere Begegnung vor mehr Zuschauern.

 

   

ZSC Lions vs. EHC Biel-Bienne: 4:1 (0:0 | 1:1 | 3:0)
Schüsse aufs Tor: 34:18 (12:7 | 7:5 | 15:6)
Details zum Spiel: Gamecenter SIHF 
Aufstellung: TeamRoaster 

Eventdatum: 19.09.2023
Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location:  Swiss Life Arena, Zürich
Veranstalter: ZSC Lions
Zuschauerzahl: 9167

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Sport

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