Matchpunkt ZSC Lions – gibt es nochmal ein Heimspiel?
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Es wurde viel gemunkelt. Gewisse Sachen kann man mit Fakten und Videos belegen, andere sind reine Spekulation. Sicher ist: je nach Ausgang der heutigen Partie könnte es das letzte Heimspiel in der Finalserie sein. Aber so weit sind wir noch nicht.
Wie schon am vergangenen Samstag spielen auch heute die vier Trompeter rund um Pietro Locati das ZSC-Intro «Narcos» und Tanja Chandler singt auf dem Eis die Nationalhymne. Der Limmatblock hat seinerseits eine beeindruckende Choreo vorbereitet, die buchstäblich das halbe Stadion mit einbindet. Die Anleitung klebt bei allen Aufgängen und auf den Sitzen ist blaues und weisses Papier verteilt worden. Auf der ganzen Stadionbreite werden Buchstaben hochgezogen, auf denen «DURREKÄMPFT» steht, beim Limmatblock ist ein Biker mit der Nummer eins auf seiner Jacke kurz vor dem Ortsschild «Züri» zu sehen.
Noch ist die Meisterschaft nicht in trockenen Tüchern. Ob es das letzte Heimspiel hätte sein können, wenn da nicht all die Fehlentscheide der Unparteiischen in Lausanne gewesen wären? Hätte man noch eine Verlängerung in Lausanne erzwingen können? Man weiss es nicht. Hätte, wäre, könnte zählt nun mal nicht. Fakt ist: nachträglich wurde noch eine Strafe ausgesprochen gegen Glauser wegen des Schlags gegen das Knie – trotz Review während des Games. Auch die Strafe gegen Derek Grant kurz vor Schluss war fehl am Platz. Ein später aufgetauchtes Video, das zeigt, wie ein Lausanner Spieler den Puck von der Bank ins Publikum schmeisst und Grant dafür keine Strafe wegen Spielverzögerung hätte bekommen dürfen. Das spricht nicht für Fairness der Spieler und auch nicht für die Aufmerksamkeit der Schiedsrichter. Klar, Grants Ausraster war over the top, aber das erklärt auch die Verwirrtheit bei den Lions, dass überhaupt eine Strafe ausgesprochen wurde. Ob das alles dazu beigetragen hat, dass die Herren in Schwarzweiss für die verbleibenden Partien nicht mehr eingesetzt werden?
Der Spielverlauf ist schnell erzählt: Willy Riedi schiesst uns in der 5. Spielminute in Führung. Kurz nach der ersten Pause erhöht Nicolas Bächler auf 2:0. Und ja, die Saison war lange und wir sind alle ein wenig müde. Aber… auf dem Würfel wird eine Strafe gegen die Nummer 86 der ZSC Lions angezeigt, während Lausannes Nr. 86 auf der Bank sitzt. Dieser darf erst 21 Sekunden vor Ablauf der Strafe wieder aufs Eis, nachdem Yannick Zehnder in der 37. Spielminute das dritte Tor realisiert - im Powerplay, kein Shorthander.
In der 45. Minute ist Gavin Bayreuthers Stock zu hoch und trifft Yannick Webers Gesicht. Dieser fährt gebückt vom Eis, das hat sichtlich weh getan. Aber sicherlich nicht ganz so deftig wie bei Gavin Bayreuther zweieinhalb Minuten vor Spielschluss, der einen vom abgeprallten Puck auf die Nase bekam – oder war es doch der Stock eines ZSC-Spieler? Die Schiedsrichter liessen jedenfalls vorerst weiterspielen. Aber hat so dermassen geblutet, dass danach die ganze Strecke bis zur Spielerbank gereinigt werden musste – und auf dem Videowürfel sah es ganz danach aus, als würde man ein Stück des freigelegten Nasenrückens sehen. Mit einem bequemen Vorsprung von 3:0 im Schlussdrittel spürt man immer mehr, wie die Luft aus dem Spiel ist. Die Lions verwalten nur noch und von Lausanne kommt scheinbar kein grosser Gegenwind. Hie und da ein kurzes Aufbäumen, mehr nicht. Noch 6:55 Minuten verbleiben, da checkt Bayreuther Christian Marti gegen die Scheibe in der Zürcher Zone und diese springt aus der Schiene. Dies wurde zunächst nicht bemerkt von den Schiedsrichtern, führte dann aber zu einem kurzen Unterbruch, bis die Scheibe wieder in Position war. Früher als gewohnt wird Kevin Pasche schon in der 56. Spielminute durch einen Feldspieler ersetzt. Auf einmal kommt Bewegung in die Partie. Gavin Bayreuther erzielt innert 30 Sekunden den ersten Treffer für Lausanne HC. Es dürfte nochmal spannend werden, denn noch immer sind vier Minuten zu spielen. Doch auch mit einem Spieler mehr als die Zürcher können die welschen Löwen nichts mehr reissen.
Partie vier geht damit an die Lions und das Endergebnis dieser Begegnung lautet gleich wie dasjenige in der Serie: es steht 3:1. Was jetzt genau die Gründe für das eher verhaltene Spiel bei den Gästen war, ist nicht klar. Allerdings ist die Verletzungsliste beim Lausanne HC sehr lang: insgesamt 9 Spieler werden im Roster unter diesem Punkt aufgeführt. Ob die Romands davon ausgingen, keine Punkte aus Zürich heimzubringen? Waren wirklich alle verletzt oder wollte man sie nochmal ein Game aussetzen lassen, damit sie am Spiel diesen Donnerstag auskuriert auf dem heimischen Eis agieren können? Ich jedenfalls gehe davon aus, dass Lausanne in Spiel 5 alles tun wird, um zu gewinnen. Wäre mir ehrlich gesagt auch recht, weil dann am Samstag einerseits definitiv letzte ZSC-Heimspiel der Saison stattfinden würde und falls sie die Partie gewinnen auch grad am richtigen Ort wären für die Meisterfeier. Aber vielleicht wiederholt sich ja die Geschichte wie in der vergangenen Saison, wo der Titel erst im siebten Spiel gewonnen wurde. Darum heisst es weiterhin: es bleibt spannend, wann, wo und von wem die gelbe Blumenvase schlussendlich in die Höhe gestemmt werden kann.
ZSC Lions vs. Lausanne HC: 3:1 (1:0 | 2:0 | 0:1)
Schüsse aufs Tor: 18:35 (6:14 | 7:7 | 5:14)
Details zum Spiel: Gamecenter SIHF
Aufstellung: TeamRoster
Eventdatum: 22.04.2025
Fotografin: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Swisslife Arena, Zürich
Veranstalter: ZSC Lions
Zuschauerzahl: 12'000
https://www.szenemagazin.ch/sport/item/1406-matchpunkt-zsc-lions-gibt-es-nochmal-ein-heimspiel#sigProId6059501788
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Michelle Brügger
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