Ein Mix aus Mundart, deutschem Pop und House am City Beats
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Bisher waren es stimmige Themenabende, den Samstagabend kann ich jedoch nicht einordnen. Ausser, dass die (schweizer-)deutsche Sprache überwiegt. Von Pop über Hip-Hop/Rap zu House ist alles vertreten.
Simon Sandman
Der Zürcher Simon Sandman ist musikalisch seit den 90ern unterwegs, Dancing on the Beach war 1997 den ganzen Sommer über in den Charts (17 Wochen, um genau zu sein). 2008 lieh er die Vocals für DJ Antoines Titel Stop, der einen Swiss Music Award abräumte.
Er macht heute nicht nur den Auftakt. Es sei auch eine Art Neustart, nachdem er lange abgetaucht war, verrät er uns. Mit dem undankbaren Slot um 17:30 Uhr ist der Stadtplatz aber noch menschenleer, die wenigen Zuschauer haben sich seitlich in den Schatten gesetzt. Er versucht, die Leute dazu zu animieren, vor die Bühne zu kommen und gesteht auch offen: vor leerem Platz zu spielen, ist scheisse. Irgendwann denkt er sich «wenn das Publikum nicht zur Bühne kommt, komm ich halt zum Publikum», schwingt sich über die Abschrankung und dreht eine Runde. Am Ende des Sets will er W.Nuss vo Bümpliz anstimmen, aber es gab wohl eine technische Panne mit seinem Mikrophon und er hat noch ein paar Takte a capella gesungen, bevor er sich dann verabschiedete.
Während des kurzen Unterbruchs zwischen seinem Auftritt und dem von Michael Schulte war er auf dem Platz unterwegs und hat in kleinen Gruppen weiter Stimmung gemacht und gemeinsam mit ihnen gesungen.
Michael Schulte
Vor Jahren habe ich Michael Schulte auf Youtube entdeckt, wo er Coversongs veröffentlichte. Später war er Kandidat bei The Voice of Germany (3. Platz) und vertrat 2018 Deutschland beim Eurovision Song Contest. Die Schweiz hat ihm 12 Punkte für seinen Song gegeben, erinnert er uns.
Die Lieder des deutschen Singer-Songwriter sind meistens in Englisch. In einem Interview verriet er, dass ihm die englische Sprache für die Emotionen und seinen Pop-Stil natürlicher erscheint. Der 36-Jährige ist inzwischen 2-facher Vater. In seinem 7. Studioalbum «Remember Me» von 2023 thematisiert er die Frage, was von einem übrigbleibt, wenn man mal nicht mehr da ist, und ob sich jemand an einen erinnert. Vor knapp 2 Monaten kam sein neustes Album «Beautiful Reasons» heraus, welches er seiner Frau und den Kindern widmete. Einer der 16 Songs ist Beautiful Reason, den ich seit gut 2 Jahren in meiner Playlist habe.
Zu Beginn seines Sets sind gegen 30 Leute auf dem Platz – 18 Uhr ist noch immer zu früh, es ist schönes Wetter und Samstagnachmittag so scheint es. Doch offenbar waren viele einfach noch im Foodcorner, der seit heute zum öffentlichen Bereich gehört. Die Eintrittskontrolle findet erst beim Konzertbereich statt. Das freut die Anbieter über mehr Umsatz, es hat dadurch aber auch ein paar zusätzliche Zaungäste mit freier Sicht auf die Bühne.
Er fragt, wer aus Kloten sei. Weil nur wenige Hände in die Luft gehen, erweitert er es auf Zürich. Auch da strecken nur ein paar auf. Schulte macht dann eine Aussage, die ich insgeheim auch schon getätigt hatte: «Es braucht mehr Werbung für dieses Festival, damit mehr Leute davon wissen. Und nächstes Jahr sind hoffentlich mehr da.» Innert ein oder zwei Songs füllt sich der Platz und Michael baut Canons und Sprungtraining mit ein, was zu Beginn noch nicht zur Diskussion stand. Bei ihm kam dreimal eine Konfettikanone zum Einsatz. Die Papierschnipsel haben danach den ganzen Abend für Spass gesorgt – nicht nur bei den kleineren Gästen.
Jule X & Vokuhila Mafia
Der Berner Rapper ist mit seiner Truppe Vokuhila Mafia am Start. Die Texte sind oft überspitzt und dürfen nicht immer bierernst genommen werden. Suufe ame Zistig ist einer der Partysongs mit Club-Beats. So richtig bekannt wurde er mit Dr DJ isch. Jule X erhöht das Stimmungsbarometer nochmal ein gutes Stück und wie er selber sagt, macht das Publikum alles, was er ihnen sagt. Bis auf den einen Moment, bei dem ein paar Männer das «nein» als «ja» interpretieren und im exklusiv für Frauen gedachten Moshpit mitmischen. Zwei Mal stoppt Jule X seinen Song, schickt sie aus dem Kreis und erst beim dritten Anlauf klappt es. Natürlich wird danach wieder gemeinsam gemoshed.
Er habe mal in Glattbrugg in einer WG gewohnt, erzählt er uns. Im Tagesanzeiger war im Februar in einem Artikel zu lesen, er sei noch m Zivildienst für 6 Monate und «am Montag schaue ich wieder zu Schulkindern». Aber was er nebst der Musik macht, die sich wie bei seinen Kollegen der Vokuhila Mafia noch aufs Wochenende und Feierabend beschränkt, finde ich schlichtweg nicht raus.
Dass er in Kloten gut ankommt und das Publikum bei jedem Song abholt, ist unbestritten. Die einzigen, die keine Miene verziehen, sind die beiden von der Polizei, die ab und zu von Gästen von der Seite angequatscht werden. So natürlich auch bei Schmier. Da drehen sich einige Zuschauer um, um deren Reaktion zu sehen. Doch sie scheinen eher einen Song von Lady Gaga zu summen und zeigen uns nur ihr Pokerface.
Fritz Kalkbrenner
Auf der grossen Bühne steht ein DJ-Pult, Notebook, Mikro und Fritz Kalkbrenner. Hinter ihm werden Visuals auf die Leinwand projiziert, das Licht wird minimal eingesetzt. Mehr braucht es nicht für seinen Auftritt. Der Stadtplatz verwandelt sich so in einen Club, in dem Tech House und melodische Electronica läuft. Ab und zu spricht er einen Satz ins Mikro, singt Passagen, aber meistens lässt er seine Musik für sich sprechen.
Fritz hat gemeinsam mit seinem älteren Bruder Paul den Song Sky and Sand für den Soundtrack von «Berlin Calling» aufgenommen, in dem Fritz mitspielte. Das ist wohl die einzige Gemeinsamkeit, die ihre Musik hat. Fritz Kalkbrenner setzt mehr auf souligeren und vokalorientierten Sound mit Melodie. Er bereitet primär eigenes Material vor, das er teilweise live arrangiert. Das unterscheidet ihn von klassischen DJs, die Tracks anderer Produzenten mixen und Musik anderer interpretiert. Das macht er zwar teilweise auch, aber die Gewichtung ist ganz klar auf Live-Performance.
Es trifft auf jeden Fall den Geschmack des Publikums, das mit jedem Beat mitgeht. Nach elf Uhr gönnt man den Anwohnern Nachtruhe und damit geht der dritte Tag des City Beats Kloten zu Ende. Am Sonntag bin ich nicht vor Ort, aber wenn es nächstes Jahr in die zweite Runde geht, bin ich auch wieder am Start.
Eventdatum: 06.06.2026
Fotos: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Stadtplatz, Kloten
Veranstalter: TIT-PIT GmbH
Zuschauerzahl: unbekannt
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/1535-ein-mix-aus-mundart-deutschem-pop-und-house-am-city-beats#sigProId678344db2a
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Michelle Brügger
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