Punktverlust 61 Sekunden vor Schlusspfiff
Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Nach dem Sieg gegen Lausanne HC ist die Erwartung an den EHC Kloten gross. Doch der HC Ajoie ist und bleibt ein Angstgegner für die Flughafenstädter, was sich Sekunden vor Spielende wieder mal bewahrheitet.
Das Spiel beginnt und bereits nach 15 Sekunden wird der Puck ein erstes Mal in Richtung Tor geschmettert. Es ist Robin Louis des HC Ajoie, welcher sich am Toreschiessen versucht. Sein Schuss geht aber am linken Pfosten vorbei. Der erste Schuss in Richtung Ajoie-Keeper kommt von Reto Schäppi aus der beinahe selben Position wie Robin Louis, einfach auf der anderen Seite der Eisfläche. Obwohl heute mit noch knapp 12 Grad und leichtem Regen eher Eishockeywetter herrscht, ist es gespenstisch ruhig im Stadion. Bei mir kommen Vibes hoch, die ich zuletzt während der Coronazeit hatte. Die angegebene Zuschauerzahl von 3725 stimmt definitiv nicht. Es wurden höchsten so viele Tickets verkauft, aber durch den Streik der Stehplatz-Fans sind geschätzt etwa 2500 Personen anwesend. Einige Zuschauer auf den Sitzplätzen versuchen dann doch, das Stadion mit etwas Sprechgesang zu füllen. Sie scheitern jedoch kläglich. Ich finde es schade, dass man die Anzahl verkaufte Ticket kommuniziert, denn der Verband legt dies als anwesende Zuschauer aus. Das erste Drittel ist relativ ausgeglichen, beide Seiten haben ihre Chancen, die sie nicht verwerten. Besonders auch das erste Powerplay für die Gastgeber geht torlos vorüber.
Die erste Strafe gegen den EHC Kloten wird in der 24. Minute ausgesprochen. Benjamin Winkler ist mit dieser Strafe nicht ganz einverstanden und fragt beim Schiedsrichter nochmal nach. Trotzdem muss Nicholas Steiner für zwei Minuten auf die Bank wegen eines Hakens. Auch dieses Powerplay geht torlos vorbei. Erst in der 34. Minute erlöst Noah Delémont den EHC Kloten mit dem 1:0. Vier Minuten darauf muss Nicholas Steiner erneut auf die Strafbank, dieses Mal für Beinstellen. Auch diese Strafe können die Gäste nicht in ein Tor ummünzen. Somit können die Gastgeber mit einem Treffer Vorsprung für den Pausenunterbruch in die Kabine gehen. Das Momentum und die Shots on Goal gehen auch im Mitteldrittel an den EHC Kloten. Sie können fünf Schüsse mehr auf Benjamin Conz feuern, was nach viel tönt, aber da der HC Ajoie nur deren vier platzierte, ist es doch wieder wenig.
Zu Beginn des letzten Drittels passiert nicht viel. Beide Teams bekämpfen sich und es dauert über drei Minuten, bis es zum ersten gefährlichen Torschussversuch kommt. Max Lindroth versucht, Benjamin Conz mit einer Direktabnahme von Axel Simic nochmals zu bezwingen. Der harte Schuss geht aber rechts am Tor vorbei. Die Zeit rennt regelrecht, da es wenige Unterbrüche gibt. Erst knapp nach der Hälfte des Drittels muss Gaël Christe für ein Beinstellen in die Kühlbox. Die Fans haben aber schon vorher ein Eingreifen der Unparteiischen gefordert, doch diese lassen ihn ihren Augen zu viel laufen. Wir kennen das Powerplayspiel der Klotener, es ist bescheiden und bringt auch kein weiteres Tor hervor. Etwa drei Minuten vor Spielende fordert mein Fotokollege ein weiteres Goal der Klotener, um die Sache klarzumachen. Ich kontere darauf mit: «Sie werden eher noch eines kassieren, wenn sie so weitermachen.» Als ob er es gehört hat, fängt Benjamin Conz immer wieder an zu winken, weil er einem sechsten Feldspieler Platz machen möchte. 78 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit wird seinem Wunsch entsprochen und er verlässt das Eisfeld. Dann dauert der Spielaufbau der Jurassier gerade mal 16 Sekunden und die Scheibe zappelt hinter Davide Fadani im Netz. Der Ausgleich ist da. Daraufhin meint mein Fotokollege zu mir: «Und jetzt hätte ich noch gerne die Lottozahlen.» Es geht in die Verlängerung.
Bei drei gegen drei fährt Robert Leino mit dem Puck ins gegnerische Drittel und gibt sich bereits im Fall befindend noch einen Schuss ab. Den Abpraller übernimmt Petteri Puhakka, welcher zum Game Winning Goal für den EHC Kloten versenkt.
Über das ganze Spiel gesehen hat der Gastgeber heute den dritten Punkt nicht kurz vor Spielende verloren, sondern bei den vielen Schüssen aufs Goal, die einfach nicht zum Überqueren der Torlinie durch den Puck geführt haben. Der EHC Kloten hat also noch viel Arbeit vor sich, besonders das Powerplay muss endlich besser werden. Ich will auch nicht den fehlenden Fangesängen die Schuld geben, dass die Motivation bei den Spielern vielleicht etwas gefehlt hat. Dennoch behaupte ich, sie hätten gutgetan. Hoffen wir mal, dass sich die Ungereimtheiten zwischen dem Club und den Fans wieder legen und wir ein vor Stimmung kochendes Stadion erleben dürfen. Davor müssen die Spieler jedoch zuerst in Bern gegen den SCB antreten, bevor die SCL Tigers am Samstagabend in der SWISS Arena begrüsst werden.
EHC Kloten vs. HC Ajoie: 2:1 n.V. (0:0 | 1:0 | 0:1 | 1:0)
Schüsse aufs Tor: 34:20 (14:7 | 9:4 | 10:9 | 1:0)
Details zum Spiel: Gamecenter SIHF
Aufstellung: TeamRoster
Eventdatum: 23.09.2025
Fotograf: Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Location: SWISS Arena
Veranstalter: EHC Kloten
Zuschauerzahl: 3725
https://www.szenemagazin.ch/sport/item/1453-punktverlust-61-sekunden-vor-schlusspfiff#sigProId59c7d647ca
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Marcel Kaul
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