Ausverkauftes Heimspiel der ZSC Lions
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Einmal mehr spielen die ZSC Lions vor 12'000 Zuschauern in der Swiss Life Arena. Während der Fansektor deutlich dem HCD zugeordnet werden kann, scheinen sich die übrigen Fans das Spiel getarnt anzusehen. Spätestens beim zweiten Tor des HC Davos ist aber klar, für welche Seite sie jubeln.
Beim Aufwärmen fahren die HCD-Spieler in grünen Tenues aufs Eis. Okay, gelb und blau ergibt grün, aber die Farbwahl hat einen anderen Hintergrund: Greenhope. Das ist eine Organisation, die Events für krebskranke Kids organisiert, an denen ihre Krankheit in den Hintergrund und der Spass in den Vordergrund tritt. Greenhope unterstützt auch junge Leistungssportler und Jungmannschaften. Der HCD führt immer wieder Charity-Games durch. Während des Spengler-Cup werden Greenhope-Familien zu den Spielen eingeladen. Doch bevor der Spengler-Cup losgeht, finden noch ein paar reguläre Spiele in der National League statt.
Ehrung Lukas Flüeler
Bevor das Spiel beginnt, wird Lukas Flüeler für seine Zeit beim ZSC geehrt. Der rote Teppich ist ausgerollt und Walter Frey verliert ein paar Worte. Lukas Flüeler war von 2007 bis 2022 beim ZSC unter Vertrag. In diesen 15 Jahren stand er sagenhafte 555 Spiele im Tor und gewann 4 Meistertitel mit den Lions. Für seine Verdienste gesellt sich Flüelis Banner zu Suli und Segi unters Dach der Arena. Umrahmt wird die Ehrung mit einer Choreo des Fanclubs, die im neuen Stadion einiges besser zur Geltung kommt, als das früher im Hallenstadion möglich gewesen wäre.

Die Ränge in der Swiss Life Arena sind gefüllt und mir fällt auf, dass im oberen Bereich Geländer montiert wurden. Damals bei der Führung hiess es ja, dass noch nicht alles 100%ig fertig sei. Die Geländer sind wohl eines davon. Uns wurde auch gesagt, dass man mit der Gastronomie noch Erfahrungen sammeln müsse. Da die Gänge extra breit gestaltet wurden, damit man in den Pausen trotz der anstehenden Leute gut durchkommt, scheint hier aber noch Potential für Verbesserungen zu bestehen. Einerseits erstaunt es mich, dass sich eine einzige Schlange bildet, die natürlich im Handumdrehen bis zur Wand reicht. Hat es etwa nur eine Kasse pro Stand?
Immerhin muss man im öffentlichen Bereich sein Essen nicht reservieren lassen, damit man in den Genuss von Verpflegung kommt. Es ist aber deswegen nicht einfacher, während der Pausen gemeinsam etwas zu essen. Es ist wohl auch nicht im Sinne des Erfinders, dass man Mehrfach anstehen muss, weil es an einem Stand nur Pommes gibt und man für eine Wurst an einem anderen Ort nochmal ansteht. Die Getränke muss man wenigstens nicht an einem weiteren Ausschank holen gehen. Die Ansteherei hat aber zur Folge, dass ich mich an der Wand hinter der Menge durchquetschen darf. Immerhin habe ich kein Bier in der Hand wie andere, die leicht genervt versuchen, mit den Getränken unbeschadet durch die Menge zu kommen.
18. Spiel für den ZSC
Die Zürcher haben rund 3-4 Partien weniger gespielt als alle anderen Mannschaften. Das letzte Spiel gegen den HC Davos ist rund einen Monat her. Damals haben die Lions mit 0:5 gegen ihren Gastgeber gewonnen. Da ich nach der Ehrung von Lukas Flüeler schon in der Spielhälfte des Gästesektors bin, positioniere ich mich an der Bande für den Spielbeginn auf Höhe der HCD-Fans. Das Spiel findet allerdings mehrheitlich in der anderen Hälfte des Eisfelds statt. In der 10. Spielminute versenkt Simon Bodenmann auf Pass von Alexandre Texier und Christian Marti zum 1:0. Ich packe meine Sachen, gehe die Treppen rauf und runter, um bei einem anderen Eingang wieder zum Eisfeld zu gelangen. Glück gehabt, nichts verpasst. Wieder Action vor dem Bündner Tor. Andreas Ambühl kann den Puck abwehren, passt zu Fora, der den Puck fast in den eigenen Kasten befördert. Gilles Senn kann grade noch seinen Schoner an den Pfosten schieben, um das zu verhindern. In der 16. Spielminute muss Andres Ambühl wegen Beinstellens für zwei Minuten vom Eis. Doch das Powerplay der Zürcher kann nicht in ein weiteres Tor umgemünzt werden.
Im Mitteldrittel schaue ich dem Spiel mehrheitlich zu, weil es wiederum im Davoser Bereich vonstatten geht. Ich habe aber keine Lust auf eine Wanderung durchs halbe Stadion und bleibe auf der Seite des Zürcher Fanblocks. Mir ist aufgefallen, dass die Netze in den Torbereichen nicht so lose montiert sind, wie damals im Hallenstadion und die Pucks deshalb nicht ausserhalb des Rinks landen. Aber wenn man natürlich seitlich draufhaut, kann der durchaus in Reihe 12 der Zuschauer landen. Das passiert heute Abend gleich zwei Mal. In der 30. Minute kassiert Tim Minder deswegen eine 2-Minutenstrafe für Spielverzögerung. Allerdings verstreicht auch dieses Powerplay torlos. In der 33. Minute versenkt Willy Riedi mit Assist von Lukas Wallmark und Mikko Lehtonen zum 2:0 zwischen Gilles Senns Schonern hindurch. Dieser wird wenig später von Wallmark über den Haufen gefahren. Aiaiai. Keine 6 Minuten später erhöht das Dreiergespann zum 3:0, als Mikko Lehtonen einnetzt.

Heute scheint das Motto «Kuriose Einlagen vor dem Tor» zu sein, bei dem auch ein Unparteiischer partizipiert. Er wollte eigentlich nur den Puck einsammeln, der neben dem Tor liegt. Er verliert das Gleichgewicht, kracht seitlich ins Netz und knallt mit dem Kopf gegen den Pfosten. Wer jetzt gelacht hat, kommt in die Hölle – ich zeige euch den Weg. Bisher wurden im gesamten Spiel nur zwei Strafen ausgesprochen. Der Austausch von Nettigkeiten zwischen Tim Minder und Jérôme Bachofner werden beide Male nicht geahndet.
Langsam erkenne ich ein Muster: Tore fallen erst ab der Drittelhälfte. Dieses Mal ist es aber Davos, das punktet. Marc Wieser erwischt Simon Hrubec in der 51. Minute zwischen den Schonern und erhöht zum 3:1. 5 Minuten später hätte ich einen Abpfiff erwartet, als Sven Andrighetto vor dem Davoser Tor mit dem Schläger in den Rücken gecheckt wird. Notabene in voller Sicht der Schiedsrichter. Da hat aber alles Ausrufen nichts gebracht, es wird keine Strafe ausgesprochen. Die Davoser setzen Druck auf und knapp 2 Minuten vor Schluss befördert Simon Knak die Scheibe ins Zürcher Tor.
Der HC Davos nimmt ein Timeout. Ich spekuliere, ob sie ihre Pizzabestellung für die Heimfahrt aufgeben oder tatsächlich eine taktische Besprechung haben. Gilles Sennes wird jedenfalls durch einen 6. Feldspieler ersetzt. Es geht heiss zu und her, zwei Mal wird das leere Tor verfehlt und dann passiert es 15 Sekunden vor Schlusspfiff: Dennis Rasmussen gleicht aus. Die Zürcher versuchen zwar noch, einen vierten Treffer zu erzielen, aber die Verlängerung kann nicht mehr abgewendet werden.
Spielentscheidung im Shootout
Drei Minuten Verschnaufpause auf beiden Seiten, bevor es mit Overtime und 3 gegen 3 weitergeht. Auch wenn das Spiel schnell ist, resultieren die Angriffe nicht in Toren. Deshalb wird das Eis wird fürs Penaltyschiessen präpariert. Die beiden ersten Schüsse können von den Keepern abgewehrt werden. Danach treffen Leon Bridstedt als auch Sven Andrighetto. Andres Ambühl verzieht. Lukas Wallmark tänzelt vor dem Keeper herum, trifft dann aber nicht. Habe ich das grad richtig gesehen oder hat Gilles Senn seine Kelle extra so positioniert, um Wallmark den Haken zu stellen? Enzo Corvi versenkt, Denis Hollenstein kurvt elegant umher und versenkt. Ich suche auf dem riesigen Würfel vergebens nach einer Anzeige, wie viele Versuche die Mannschaften noch haben. Ob das auch etwas ist, das noch angepasst wird? Oder ist der Videowürfel in der Swiss Life Arena zu klein, um das einzublenden? Es steht glaube ich 2:2, als Matej Stranskys Schuss wird abgewehrt wird. Wenn Justin Azevedo jetzt trifft, haben die ZSC Lions gewonnen. Azevedo trifft, ich habe korrekt mitgezählt und das Spiel wird abgepfiffen. Die Lions gewinnen damit ihr erstes Heimspiel gegen den HC Davos mit 4:3 nach Shootout.
Für die Zürcher geht es am Dienstag bereits weiter. Sie bestreiten in der Champions Hockey League das Rückspiel gegen Skellefteå AIK.
ZSC Lions vs. HC Davos: 4:3 SO (1:0 | 2:0 | 0:3 | 1:0)
Schüsse aufs Tor: 29:36 (11:6 | 8:10 | 6:17 | 4:3)
Details zum Spiel: Gamecenter SIHF
Aufstellung: TeamRoaster
Eventdatum: 19.11.2022
Fotografin: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Swiss Life Arena, Zürich
Veranstalter: ZSC Lions
Zuschauerzahl: 12'000
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Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Michelle Brügger
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