So war die Gymotion 2023
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Nicht weniger als 24 Vorführungen wurden dem Publikum im Hallenstadion präsentiert. Getreu dem diesjährigen Motto «Feel the rhythm» wurde Gymnastik mit Musik verbunden. Und als i-Tüpfelchen ist am Ende der Weltrekord an gestandenen Doppelsalti auf dem Trampolin gebrochen worden.
Die Nachmittagsvorstellung der Gymotion 2023 ist gut besucht. So gut, dass vor der ausfahrbaren Tribüne noch eine Reihe mit Stühlen aufgestellt wird. Da rund um den Showbereich zahlreiche Boxen aufgestellt sind, dürften die Zuschauer in diesen Bereichen oftmals nur die Oberkörper der Athleten und Athletinnen sehen. Wenn überhaupt, denn teilweise findet die Show für den Grossteil des Hallenstadions hinter bereits aufgestellten Gerätschaften statt. Das Vorprogramm des Teensgym TSV Rohrdorf beispielsweise haben vermutlich die wenigsten tatsächlich gesehen, denn es war eingekesselt von Barren, Ringen und dem TV-Kran.
Im Hauptprogramm wechseln sich Vorführungen mit Showacts ab, während die Gerätschaften in Windeseile abgebaut und etwas anderes aufgebaut wird. In der ersten Hälfte bewegte ich mich mehrheitlich auf der gegenüberliegenden Seite des TV-Krans, damit ich selbigen nicht im Bild hatte. Wir Fotografen wechselten ständig die Standorte nach den Vorführungen, da der nächste Act in einem anderen Bereich der Arena stattfand. Wir kauerten uns zwar auf den Boden, aber für die Zuschauer in der Stuhlreihe war das sicherlich ein zusätzliches Übel zur verminderten Sicht. In der zweiten Hälfte stand ich auf der gegenüberliegenden Seite und bekam so den Auf- und Abbau hautnah mit.
Aber was genau haben wir jetzt gezeigt bekommen? Alles, was in den Sammelbegriffen Geräte- und Bodenturnen zusammengefasst werden kann, unterlegt mit Livemusik. Grob gesagt waren es Vorführungen an den Schaukelringen, am Barren, Gymnastik, auf dem Trampolin, am Reck, Bodenturnen, mit Rhönrad und Trampolinsprünge über Barren. Für den Gesang sorgten Künstler wie Jesse Rich, einfachBEN, Edita Dieski, Elle und Michael Lukas. Die Flying Drummer verbinden Musik mit Bewegung, denn ihr Name ist Programm: sie schweben an Seilen in der Luft, während sie trommeln. Oftmals sieht man auch nur LED-Strips, die unter der Deckenhalle tanzen.
Nach anderthalb Stunden wird eine Pause eingelegt. Ich bin froh um diese kurze Auszeit, um die Reizüberflutung etwas abflauen zu lassen. Es passiert so viel gleichzeitig, dass man den Blick dauernd hin- und herschweifen lässt, um nichts zu verpassen. Und mit einer Kamera im Anschlag ist das doppelt herausfordernd. Es wechseln sich wieder Shows mit Einlagen am Boden mit Vorführungen an Geräten ab. So gesehen läuft ununterbrochen etwas, das für Unterhaltung sorgt. Vermutlich fragen sich einige, wieso ausgerechnet ich an eine Turnveranstaltung gehe. Nun… es ist schon lange her, aber in der Primarschule war ich im Turnverein Regensdorf und hab mich auch an all diesen Geräten versucht. Ich habe sogar mal eine Weile Basketball gespielt, wofür ich jetzt auch nicht gerade die idealen Körpermasse habe. Aber es hat Spass gemacht und das ist das Einzige, was zählt. Bis auf das eine Training, wo ich mich an den Ringen nicht mehr halten konnte, hinten am höchsten Punkt einfach losliess und mich zum Horror der Trainer recht unelegant aufs Gesicht gepflanzt habe.

Ich habe mich noch nicht entschieden, was mir an der Gymotion am besten gefallen hat. Aber die Einlagen an den Barren, die Trampolinsprünge und Bodenturnen mit einem Hauch Cheerleading gehören definitiv zu meinen Favoriten. Das soll die sportliche Leistung der anderen nicht herabsetzen. Sie waren für mich teilweise einfach optisch einen Tick weniger attraktiv, aber dennoch äusserst beeindruckend.
Als letzte Darbietung wird uns ein Weltrekord-Versuch angekündigt. Da sollen 250 Athleten und Athletinnen innerhalb von 3 Minuten mehr als 300 Doppelsalti auf 12 parallel aufgestellten Trampolinen hinbekommen. Tönt einfach? Jeder einen bis zwei Sprünge stehen und gut ist? So gesehen: ja. Aber innerhalb von 180 Sekunden auf 12 Geräten heisst das, dass alle 7.2 Sekunden pro Trampolin ein Sprung sauber gestanden werden muss. Und ein Salto muss abgeschlossen sein, bevor mit dem nächsten gestartet werden darf. An der Nachmittagsvorstellung in Zürich zählten schlussendlich 462 Doppelsalti.
Dieselbe Vorführung und der gleiche Versuch wird abends nochmal stattfinden – und dann würde auch jemand vom Guinnes Buch der Rekorde anwesend sein. Aber der Probelauf hat schon mal bestens funktioniert. Um halb fünf strömt das Publikum aus der Halle, während die ersten Zuschauer schon für den Einlass der Abendvorstellung eintreffen. Und sie werden Zeuge des Weltrekords von 659 sauber gestandenen Doppelsalti, die von 200 Turnenden aus 13 Vereinen absolviert werden. Das lässt den bisherigen Eintrag aus den USA mit 300 Doppelsalti doch relativ lahm aussehen. Wer jetzt findet: «Och, ich hab was verpasst», hat am 19. Januar 2023 nochmal die Chance, sich die Teilaufzeichnung auf SRF 2 anzuschauen.
Eventdatum: 07.01.2023
Fotografin: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Hallenstadion, Zürich
Veranstalter: Schweizerischer Turnverband STV
Zuschauerzahl: unbekannt
https://www.szenemagazin.ch/sport/item/996-so-war-die-gymotion-2023#sigProId0a288ac96c
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Michelle Brügger
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