Ein Schweizer und ein Ire begeistern am vierten Festivaltag
Reto Turotti, szenemagazin.ch
Gross war die Enttäuschung nach der gestrigen Absage von Florence + The Machine. Doch Faber zeigt allen Anwesenden, dass er ein mehr als adäquater Ersatz ist. Irische Songwriter ziehen am Zürich Openair, denn nach Lewis Capaldi 2022 begeistert Dermot Kennedy dieses Jahr die Massen.
Nach dem vorzeitigen und teilweise bei den Besuchern unverständlichen Abbruch gestern läuft es am vierten Festivaltag wieder rund. Die Schweizer Künstlerin Dana weiht die Main Stage heute gebührend ein und beweist, wieso sie im vergangenen September «SRF Best Talent» war. Die Zuschauer bekommen einen wundervollen Eindruck in Danas Vielschichtigkeit und ihrer kollaborativen Musik, für die sie mit Künstlern von New York bis Berlin zusammenarbeitet. Der gelungene Auftritt sorgt für gute Stimmung unter den schon anwesenden Festivalbesuchern. Mit Caity Baser geht es mit Frauenpower weiter. Ihre Songs Feels This Good, Dance Around It, und Pretty Boys werden monatlich von über 2 Millionen Fans gehört. Und dann ist auch schon 19:40 Uhr und Zeit für den heutigen Headliner. Auf der offiziellen ZOA Website steht in der Timetable immer noch «Florence + The Machine».
Doch anstelle der Londoner Indie-Rock Band steht der Zürcher Faber auf der Main Stage. Viele Fans kritisierten im Vorfeld die träge Kommunikation des ZOA Organisationskommittees, da eine Absage von «Florence + The Machine » doch bereits vor längerer Zeit absehbar gewesen sei und Faber kein adäquater Ersatz für die britischen Weltstars. Das kann wohl auf dem Papier so argumentiert werden, denn fast 19 Millionen Menschen hören «Florence + The Machine » monatlich auf Spotify, während Faber von knapp einer halben Million gehört wird.
Der 30-jährige Zürcher eröffnet das Konzert mit Highlight, gefolgt von Es könnte schöner sein. Nach den ersten zwei Songs sprich Faber zum ersten Mal zum Publikum, das sich immer mehr vor der Main Stage einfindet. Seine Worte wirken fast wie eine Entschuldigung: «Ich bin etwa gleich überrascht wie ihr, dass ich heute hier bin». Damit meint er nicht am ZOA, sondern auf der Bühne, denn eigentlich hätte er geplant, heute mit einer guten Freundin gemeinsam «Florence + The Machine» zu sehen. Er bedankt sich vielmals dafür, heute hier sein zu dürfen, auch wenn es unter traurigen Umständen sei. Und das Publikum scheint genauso Freude an seinem Auftritt zu haben, denn sie quittieren das Statement mit lautem Jubeln. Es folgen Jung und dumm, Das Leben sei nur eine Zahl, und Van Noten. Währenddessen fängt es immer stärker an zu regnen. Hinter der Main Stage ziehen in regelmässigen Abständen Blitze durch und die Stimmung wird mystisch. Als Faber der Regen auffällt, sagt er nur «Jetzt regnets wie in einem Comic, wenn jemand schlecht singt».

Pünktlich nachdem Dario für uns die Regenjacken geholt hat, lässt der Regen auch wieder etwas nach. Nach Sag mir wie du heisst und Vivaldi gesteht Faber, dass er und seine Band seit ziemlich genau einem Jahr keine Auftritte gemacht haben. Stimmt, da war doch letztes Jahr was. Am letzten Tag der 2022-Ausgabe des ZOAs reihte sich Faber zusammen mit Kygo, Lewis Capaldi und Rita Ora in ein mit Stars gespicktes Lineup. Damals aber noch deutlich früher und auf einer der beiden Nebenbühnen. Die Band gibt aber alles und die Tatsache, dass sie seit einem Jahr nicht mehr zusammen auf der Bühne standen, fällt überhaupt nicht auf. Der Zürcher überzeugt mit seiner authentischen Art und den lyrisch durchdachten, auch wenn oft melancholischen bis fiesen Songtexten. Neben seinen vorwiegend deutschen Liedern spielt Faber auch seine schweizerdeutschen Hits, wie E Nacht a de Langstrass. Und immer wieder bedankt er sich für die Möglichkeit, zur besten Zeit auf dieser Bühne stehen zu können. Durch die kurzfristige Anfrage passt das Programm nicht ganz perfekt. Faber beendet den Auftritt mit Top, nachdem er uns mitteilt, dass die Organisatoren sagen, dass sogar noch Zeit für ein weiteres ungeplantes Lied sei. Auch hier zeigt sich wieder, dass Faber mit seiner ehrlichen Art ein sehr adäquater Ersatz ist. Daher lieber Faber: Vielen herzlichen Dank, dass du trotz der kritischen Stimmen die Herausforderung angenommen hast und uns den Regen vergessen lässt!
Etwas durchnässt bewegen wir uns nun zur Tent Stage, wo M83 spielt. Die Menschenmenge steht bis vor dem Zelt und hört gebannt die Musik der französischen Dream-Pop Gruppe. So langsam wird es auch hier ziemlich matschig am Boden, doch die meisten sind gut ausgerüstet. Wir sehen aber auch ein paar Menschen in Birkenstocks mit ziemlich Schlamm zwischen den Zehen. M83 spielt in einer unglaublichen Lautstärke viele ihrer bekannten Songs. Ob die Menschen ganz vorne nach dem Konzert noch was hören bei dieser Lautstärke im geschlossenen Zelt ist wohl fraglich. Die Show von M83 ist knapp vor Dermot Kennedy fertig. Daher dauert es einen Moment, bis alle von der Tent Stage zur Main Stage pilgern, der rutschige Untergrund hilft dabei bestimmt nicht.
Auf der Main Stage steht bereits Dermot Kennedy mit Band bereit. Der Ire startet direkt mit einem Knaller: Power over me. Dass die ZOA-Besucher auf Irische Musiker abfahren, scheinen die Organisatoren zu wissen. Letztes Jahr holten sie bereits Lewis Capaldi und dieses Jahr wird die Tradition mit dem nächsten Superstar aus Irland weitergeführt. Auf den Opener folgen One Life und An Evening I Will Not Forget. Dermot Kennedy bedankt sich beim Publikum dafür, dass sie heute so zahlreich erschienen sind. Der Gesang des Iren mit seiner grossen Range ist nicht nur in den Aufnahmen seiner Welthits, sondern auch live extrem beeindruckend. Geschickt reiht Dermot einen Hit an den anderen. Uns fällt aber auf, wie viele «Fans» während des gesamten Konzerts rumlabern müssen. Irgendwie wirkt das sehr respektlos gegenüber dem Act, aber auch den Besuchern, die sich die Auftritte gerne ungestört anhören wollen. Doch die breite Masse ist voll dabei! Bei Outnumbered hält auch der/die Hinterletzte den Rand beziehungsweise singt den Text mit. Dermot Kennedy stellt seine Band vor, hier freut sich das Publikum über den Schweizer Keyboarder Benjamin Leuenberger. Es folgt der nächste Welthit Kiss me und dann überbringt Dermot bereits die Hiobsbotschaft: Wir sind beim letzten Lied angelangt, Something to Someone. Der Sänger gibt dem Publikum bereits vor dem Lied den wichtigen Textteil mit zum Mitsingen und kostet es am Schluss richtig aus, als alle mitmachen.

Um 00:30 Uhr sorgen The Chainsmokers auf der Main Stage für ein fulminantes Ende des vorletzten Festivaltags. Bis 2 Uhr heizt das amerikanische DJ-Duo dem Publikum mit ihrem EDM-pop und unzähligen Special Effects ein. Dampfwolken, Pyros gehören ja mittlerweile zum Standard. Doch The Chainsmokers ballern ordentlich Feuerwerk in die Luft und organisieren einen gigantischen Mosh Pit. Die DJs zeigen auch hier, wieso sie gemäss Forbes die Bestbezahlten sind (und dabei Calvin Harris vom Thron verstiessen). Schade, konnten wir nicht beide am gleichen Openair erleben. Beim Auftritt von Faber heute haben wir aber gelernt gelernt: Teilweise sollten wir dankbar sein, so viele Topacts erleben zu dürfen, anstatt immer etwas zum Rumnörgeln zu suchen.
Eventdatum: 24.08.2023
Bericht: Sarah Morgenroth / szenemagazin.ch
Fotograf: Reto Turotti / szenemagazin.ch
Location: Glattbrugg
Veranstalter: ZOA
Zuschauerzahl: unbekannt
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/1121-ein-schweizer-und-ein-ire-begeistern-am-vierten-festivaltag#sigProId1c42447db9
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Reto Turotti
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