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Paul – Live Mit Uns in The Hall: Sido begeistert Jung und Alt

Paul – Live Mit Uns in The Hall: Sido begeistert Jung und Alt Dario Stähelin / szenemagazin.ch

Sido macht auf seiner «Paul – Live Mit Dir 2023» Tour halt in der Dübendorfer The Hall. Obwohl seine Fans nur das Eine (Lied mit A…) wollen, bietet der Berliner eine Zeitreise von seinen Anfängen bis zur Neuzeit. Die Kombination aus Rüpel-Rapper und Mainstream scheint zu ziehen, denn das Konzert ist restlos ausverkauft.

 

Paul Würdig aka Sido macht heute in The Hall halt, um sein viertes Konzert auf seiner «Paul – Live Mit Dir 2023»-Tour zu feiern. Seine Rüpel-Rapper Zeit hat der Berliner zwar mittlerweile etwas hinter sich gelassen. Nach «Scheiss In Dein Ohr» und «super-intelligentes Drogenopfer» steht Sido nun eher für Pop-Rap. Die Single Mein Block, die den Start seiner grossartigen Karriere markierte, wurde vor 19 Jahren veröffentlicht und brachte ihm eine Goldene Schallplatte ein. Auch seine Maske trägt Sido heute nicht mehr, sondern Bart. Sido gehört auch zu den beliebtesten Deutschen Rapper in der Schweiz. Sein drittes Solo-Album Ich und meine Maske erreichte in der Schweiz Platin-Status und wurde mit dem Swiss Music Award ausgezeichnet. Kein Wunder also, dass sich Sido immer wieder gerne für ein Konzert in die Schweiz verirrt. Und wer auch immer wieder einmal den alten, rüpeligen, kontroversen Sido sehen will, geht an eben solch einen Gig. Darum ist der heutige Abend auch restlos ausverkauft.

Vor dem Konzertsaal fällt einem schon der Mix aus jüngeren und älteren Gästen auf. Kein Wunder, denn Sido ist bereits 42 Jahre alt und einen Grossteil davon im Rap-Geschäft tätig. Pünktlich um 20 Uhr beginnt die Show. Doch anstatt Sido betritt zuerst ein Standup Comedian die Bühne. Seinen Namen haben wir leider verpasst. Bevor Sido auftritt, müsse er zuerst einen Crowd Check machen. Das Publikum soll zudem erraten, was er beruflich denn machen würde. Natürlich spielt er mit seinem Erscheinungsbild und so ruft die Menge: Dönermann, Handyverkäufer, Türsteher. Bei einem vorherigen Konzert habe eine Oma sogar Enkeltrickbetrüger gerufen. Das Publikum lacht. Nach der kurzen Comedy-Einlage wird die Bühne für UVT freigemacht. Kennt ihr nicht? Klar, denn die beiden Deutschen sind das neuste Signing von Def Jam Records. Auch Shazam findet ihre Songs nicht, denn es wurden noch keine veröffentlicht. So neu und frisch ist UVT also und wärmt das Publikum mit drei Songs auf für den heutigen Main Act Sido. Es folgt nochmal ein kurzes Intermezzo mit Carsten Stahl, das eher für Verwirrung sorgt. Im Konzertsaal herrscht schon dicke Luft, denn es wird munter gekifft und geraucht. Irgendwie nicht so cool…

Und dann steht Sido endlich auf der Bühne. Die Menge jubelt. Er eröffnet das Konzert mit Bilder im Kopf, gefolgt von Löwenzahn und Ackan, beide von seinem Album «Sido IV». Die ersten vier Songs vergehen wie im Flug, denn Sido spielt jeweils nur den ersten Vers. Mit Fuffies im Club dreht Sido die Zeit ein erstes Mal zurück. Aus den Konfetti-Kanonen schiessen 50-EUR-Scheine und regnen über die Fans. Das ist auch unser Zeichen, denn wir dürfen erst ab jetzt für drei Songs fotografieren. Leider werden die Fotografen aber bereits nach Augen auf und Leben vor dem Tod wieder aus dem Graben verbannt. Schade, denn wirklich viel hat Sido währenddessen noch nicht geboten. Tolle Bilder hätte man vor allem später machen können. Denn die Bühne besteht aus einigen Würfeln, auf denen zwei Baground Vocals stehen und Sido auch immer wieder in die Lüfte befördert. Von der Decke hängen Lichter in TV-Bildschirm-Form. Auch die Interaktion mit dem Publikum fehlt etwas. Sido witzelt immer wieder über sein Alter und die Altersunterschiede im Publikum. Von grauen Haaren bis Zahnspange ist alles dabei.

 

Bild: Dario Stähelin (szenemagazin.ch)

 

Nach dieser kurzen Interaktion reiht Sido mit Ausnahme von Bergab eher neue Songs aneinander: Atmen, Versager, Sterne, Gar nicht mal so glücklich, Zwischen den Wolken, und Rollender Stein. Bei Herz und Mein Testament nimmt er jeweils eine kleine Text-Änderungen vor: Das braune Pulver kostet nicht 20 Mark, sondern Schweizer Franken (Herz) und «Alpa kriegt nix mehr (Ne)/ Das is‘ es mir nich‘ wert» (Mein Testament, anstatt «Alpa den Touareg / Ich hatte viele falsche Freunde, aber du warst echt»). Diese Anpassung nimmt Sido seit 2020 wegen seines Streits mit Alpa Gun bei Live-Auftritten vor. Er ist ja doch immer noch ein bisschen Rüpel. Und auch den Teil seines Testaments, in dem er seinen Hatern nichts Gutes wünscht, rappt Sido mit viel Wucht. Was würden wir dafür geben, hier Fotos zu machen. Sido steigt auf einem der Würfel in die Höhe und die Bühne wird komplett vernebelt, als würde er in den Himmel aufsteigen.

Es folgt wieder eine Reihe an Songs aus meiner «Post-Sido Zeit» mit denen ich leider eher wenig anfangen kann. Doch die Menge feiert den Berliner, egal ob mit grauem Haar oder Zahnspange. Der Rapper gibt Melatonin, Das Buch, Irgendwo wartet jemand, und Medizin zum Besten. Der Text zu Melatonin sorgt bei uns für Stirnrunzeln, denn der ergibt aus medizinischer Sicht keinen Sinn. Aber das ist wohl nur uns so wirklich aufgefallen. Sido interagiert ein weiteres Mal kurz mit dem Publikum. Er ruft «Prost Leute» und es hallt «Prost Sido» zurück. Mit Wasser zu prosten sei zwar nicht standesgemäss, aber er sei halt alt.

Dann endlich wieder altbekannte Songs: Straßenjunge und Mein Block. Sido unterbricht empört Mein Block und fragt «Seid ihr zu jung oder ist der Song zu alt?» Doch er identifiziert das Problem woanders: die Sitzplätze auf der Empore. So lässt er zuerst die Fans auf den Stehplätzen den Refrain rappen und dann die Empore. Sichtlich amüsiert macht Sido weiter, denn die Empore wurde lautstark von den Stehplätzen ausgebuht. Doch: Sido spielt beide Songs nicht komplett. Schade! Wir kommen irgendwie nicht so richtig zum Zug. Es folgen wieder neue Songs, wie Follow und Monet. Sido bemüht sich sichtlich, die unterschiedlichen Fan-Generationen anzusprechen. Und zum Schluss vereint er diese mit Tausend Tattoos und Astronaut. Bevor er seinen berühmt-berüchtigten Song mit A als zweite Zugabe spielt, singt das ganze Publikum bei Carmen mit. Neben dem roten Bühnenbild schiessen noch einmal rote Konfetti-Bänder in die Menge.

 

 

Eventdatum: 28.10.2023
Fotograf:  Dario Stähelin / szenemagazin.ch
Location:  The Hall, Dübendorf
Veranstalter: Mainland Music
Zuschauerzahl: unbekannt

 

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Dario Stähelin
Publiziert in Konzert

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