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All you need is love – das Beatles-Musical

All you need is love – das Beatles-Musical Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Wenn du viele Songs der Beatles kennst, aber zu jung bist, um sich mit ihnen befasst zu haben, bist du vermutlich ein Kind der 70er-Jahre.

Meine Erinnerungen an die Beatles sind aus der Kindheit. Bei uns zu Hause liefen die Songs in den 70ern auf 8-Spur-Kassetten rauf und runter, in der Schule haben wir diverse Beatles-Songs gelernt. Und mein süssester Blick in die Vergangenheit ist, wie mich meine Grosseltern nannten: Michelle, ma belle.

Ich habe schon sehr viele Musicals gesehen und ich war immer fasziniert von den Bühnenumbauten, Kostümen und Darbietungen. Ich würde «All you need is love » deshalb nicht als Musical bezeichnen. Es ist eher ein Beatles-Konzert der Band Twist & Shout aus Las Vegas mit vielen spannenden Einspielern der Beatles auf der Leinwand. Diese verschmelzen mit Livebildern der Musiker, die in Schwarzweiss eingeblendet werden. Zwischen den Songs erfährt man vom Erzähler Nicolai Tegeler ein wenig über den Werdegang der Beatles.

Einige Highlights werden zwar in Form eines kurzen Dialogs dargestellt, aber den Part könnte man mehr ausbauen und optisch spannender gestalten. Seitlich des Bühnenrands werden lediglich Elemente hingeschoben, die die Szene verdeutlichen sollen. Ich hätte vermutlich auch die Keyboard-Abdeckung mit etwas mehr Liebe gestaltet und im Hintergrund nicht nur antik angehauchte Lautsprecher hingestellt. Das Band-Setup mit Mikrofonständern bleibt jedoch die ganze Zeit über gleich. Sie ziehen sich immer wieder um und ihre Frisuren wechseln, wodurch man mit auf Zeitreise genommen werden soll. Aber das ist dann auch die einzige Veränderung und wirkt für mich deshalb trotzdem sehr statisch.

Durch die Einspieler und Dialoge lerne ich einiges über die Beatles, das ich nicht wusste. Zwischendurch ertappe ich mich, wie ich mich nur auf die Leinwand konzentriere und fast vergesse, dass uns auf der Bühne eine Liveperformance geboten wird. Persönlich hätte ich mir auch Interaktionen unter den Bandmitgliedern gewünscht. Im Musical hat es sich sehr auf die Meilensteine konzentriert. Ob das der Grund ist, wieso ich keine wirkliche Verbindung zur Liveband aufbauen konnte? Habe ich mehr erwartet? Definitiv. Versteht mich nicht falsch: das Material ist gut, hat aber eindeutig Potential zu mehr.  Die Musiker sind gut und das Publikum singt grosse Strecken mit. Sie bauen lokale Gags ein und die Zuschauer sind immer direkt am Start, wenn ihr Einsatz gefordert wird.

Würde ich mir das Musical «All you need is love» ein zweites Mal anschauen? Ich bin hin- und hergerissen, was ich von diesem Abend halten soll. Ehrlicherweise vermutlich nicht, weil wie oben erwähnt der Storyteil zu kurz kam, der für mich den Unterschied zu einem Konzert ausmacht. Würde ich an ein Konzert von Twist & Shout gehen, wenn sie Beatles-Songs performen? Vermutlich schon. Der Cast bekommt jedenfalls Standing Ovations mit viel Applaus. Und wenn ich mich so im Saal umsehe, blicke ich in begeisterte Gesichter, der Grossteil eher im Alter meiner Eltern. Es verwundert mich beim Schlussapplaus dann auch wenig, dass jemand einen Gehstock in der Luft hin- und herschwenkt. Wer sich ein eigenes Bild machen möchte, hat bis zum 2. Juni 2024 die Gelegenheit, die Show in der Maag Musichall in Zürich zu besuchen.

 

 

Eventdatum: 21.05.2024

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Maag Music Hall, Zürich

Veranstalter: Maag Moments

Cast: Twist & Shout (USA) mit Alan LeBoeuf (Paul McCartney), Howard Arthur (John Lennon), John Brosnan (George Harris), Carmin Francis Grippo (Ringo Starr), Nicolai Tegeler (Roadie/Erzähler), Kenneth Iain Duncan (Tony Sheridan & Brian Epstein)

Zuschauerzahl: unbekannt

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Konzert

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