Ein Blick hinter die Kulissen des Heimweh-Konzerts im Theater 11
Reto Turotti / szenemagazin.ch
Mit neuen Liedern und Geschichten aus dem Leben der Sänger ist Heimweh auf Tour. Heute steht der erfolgreiche Männerchor auf der Bühne des Theaters 11 in Zürich. Ich darf mich auch Backstage umsehen.
Ein leichter Regen begleitet mich auf dem Weg zum Theater 11 nach Zürich. Ein Stau in Richtung Parkplatz macht mich stutzig. Warum sind hier so viele Menschen unterwegs? Hat Heimweh so viele Fans, dass sich ein langer Stau vor dem Theater 11 bildet? Ja sicher, aber nicht so viele, die ans Konzert von Nickelback im Hallenstadion wollen. Am Eingang des Theaters 11 empfängt mich die Tourmanagerin von Heimweh und führt mich in die Katakomben, wo sich die Protagonisten des Männerchors Heimweh vorbereiten. Als erstes kommt mir Bernhard Betschart entgegen und begrüsst mich. Er erklärt mir kurz den Ablauf des heutigen Programms und widmet sich dann der Setliste. Ein weiterer Blick in die nächste Box, wo sich Ricardo Sanz einen Scherz erlaubt mit dem Bassisten der Truppe. Auf dem Flur kommt mir der Appenzeller Fredi Koller mit einem Lächeln entgegen und begrüsst mich: «Schön, dich wiederzusehen». Letztmalig habe ich Heimweh am Swiss Music Award gesehen, wo wir das heutige Treffen vereinbart haben. Im nächsten Raum geht es ruhiger zu, denn Jens Stössel zupft gerade sein Bühnenkostüm zurecht und lacht frech in die Kamera. Auf dem Weg in den Aufwärmraum kommt mir Ralph Güntlisberger entgegen. Plötzlich stehe ich da in der Lounge der Musiker und Markus «Stadi» Stadelmann der Fels in der Brandung vor mir und wir begrüssen uns.
Nach und nach kommt der Rest des Chors zusammen und sie singen sich warm. Bernhard gibt den Ton vor und schon erklingen die Stimmen des Chors. Auf dem Tisch liegen noch die zu signierenden CDs, die für spezielle Gäste des Anlasses sind. Jetzt sind es noch gut 20 Minuten bis zum Auftritt. Auch ich mache mich bereit und kann einen Blick von hinter der Bühne erhaschen und sehe, wie sich das Theater 11 langsam füllt. Vorab habe ich von Stadi noch die Setlist erhalten, damit ich den Ablauf der Show habe. Die Begleitmusiker machen sich auf der Bühne bereit und ich beziehe auf der Seite der Bühne Position. Pünktlich um 20:00 Uhr betreten die acht Sänger in ihren traditionellen Bühnenoutfits die Stage. Mit Muotathal beginnen sie das Repertoire. Das ist ein Titel aus der gleichnamigen Tour «Freud am Läbe». Bernhard begrüsst das meist ältere Publikum im Saal in seinem unverkennbaren, lässigen Muotathaler Dialekt. Zusammen mit Jens Stössel und Daniel Arnold geben sie den Song So wie mis Land zum Besten und die Besucher danken es mit Applaus.
Hinter jedem Titel der Truppe steht eine Geschichte, die von jedem einzelnen erzählt wird. Die Geschichten gehen unter die Haut, denn es hat auch Schicksalsschläge dahinter. Wie zum Beispiel die Geschichte von Fredi Koller, der als Dachdecker aus acht Meter Höhe auf den Boden gefallen ist und heute wieder gesund und munter auf der Bühne steht - und das mit 64 Jahren, Respekt. Weiter geht es mit der Geschichte von Daniel Arnold, dem Urner in der Truppe, und dem Song Us alte Ziite. Nun ist Ralph Güntlisberger an der Reihe, eines der Gründungsmitglieder. Heimweh wurde 2014 vom damaligen Produzenten und Komponisten Georg Schlunegger unter dem Namen Schluneggers Heimweh ins Leben gerufen. Ziel war es damals, aus der ganzen Schweiz passende Sänger zu finden. Am 4. August 2016 fand die Premiere am Donnschtig-Jass auf SRF mit dem Song Rosmarie statt. Das Lied ging durch die Decke und war sofort ein riesen Hit.

Zurück zur Show. Ralph präsentiert seine Geschichte zum Titel Liebe Schatz, ein sehr gefühlvoller Song. Kommen wir zur Geschichte des Luzerner Patrick, Mit Glück & Zfrideheit. Zu diesem Song wird ein Paar im Saal geehrt, das seit über 60 Jahren verheiratet ist. Besser kann dieser Song nicht passen. Das Publikum gibt dafür tosenden Applaus. Der letzte Song vor der kurzen Pause ist Heimatgefühl. In der Pause haben alle ihr eigenes Ritual und ich gönne mir eine Erfrischung und diskutiere dabei mit dem immer lachenden Jens Stössel. Stadi kommt dazu und frag mich: «Und wie gefällt es dir?» Für mich ist es ein Erlebnis, eine Band so nahe zu begleiten und Eindrücke hinter und vor der Bühne aufzunehmen und zu verarbeiten.
Die Pause geht langsam zu Ende und Bernhard stimmt seine Kollegen nochmals ein und dann geht es ab auf die Bühne zum zweiten Teil. Mit Liebi Cheibe und der bereits erwähnten Geschichte von Fredi geht es weiter. Nun hat Jens seinen Auftritt und erzählt, dass die meisten Sänger folgende Frage ans Publikum richten: «Seid ihr noch alle da und geht es euch gut?» Und die Leute reagieren laut mit «JA», sodass Jens ein Kribbeln am Arm hat und sich die Haare aufrichten. Wow, mit dem hat niemand gerechnet und es wird kurz emotional. Zusammen mit Bernhard besingen sie den nächsten Song Tief i mim Härz. Jetzt wird es dunkelblau auf der Bühne und der Mond zieht durch, wo dann Ralph den Song Dunkle Wermueth zum Besten gibt. Es ist ein leiser, gefühlvoller Song, der Anlass zum Nachdenken gibt. Nun wird es wieder schneller und der ganze Chor nimmt Fahrt auf Richtung Endspurt. Alle sind in Bewegung und tanzen hin und her und das Publikum macht das Gleiche, denn es hält (fast) keinen mehr auf den Sitzen.
Freud am Läbe & Jungi Spatze sind dann die letzten Titel des Abends. Die Sänger verabschieden sich, aber die Zuschauer fordern eine Zugabe. Klar kommen sie nochmals auf die Bühne und geben zwei Zugaben: Dazumal & Rosmarie. Ich bahne mir kurz einen Weg durch die erste Reihe und kann so die finalen Bilder einfangen, als sich der Chor unter Standing Ovations des Publikums verabschiedet. Ja, das wars dann und ich begebe mich wieder in den Backstage-Bereich, wo ich mich von allen verabschiede. Aber das war es noch nicht. Denn kurz danach sitzen alle artig in Reih und Glied vor ihren Fans am Tisch im Theater 11 und signieren alles, was die Leute so haben. Hier noch ein Selfie, da noch eine Unterschrift.
An dieser Stelle möchte ich mich bei Hitmill.ch, der Tourmanagerin Elvira, Bernhard & Stadi bedanken, die mir diesen Einblick gewährt haben.
Eventdatum: 01.06.2024
Ort: Theater 11, Zürich
Veranstalter: Hitmill.ch
Fotograf: Reto Turotti / szenemagazin.ch
Zuschauer: 1100
Backstage
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/1270-ein-blick-hinter-die-kulissen-des-heimweh-konzerts-im-theater-11#sigProId73dbcf4894
Show
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/1270-ein-blick-hinter-die-kulissen-des-heimweh-konzerts-im-theater-11#sigProId28f833bff8
Sänger
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/1270-ein-blick-hinter-die-kulissen-des-heimweh-konzerts-im-theater-11#sigProId82d14f3a97
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Reto Turotti
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