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Songs mit Tiefgang und Leichtigkeit im Plaza

Songs mit Tiefgang und Leichtigkeit im Plaza Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Es kommt nicht immer vor, dass Hauptact und Opener mir gleichermassen zusagen. Luca Fogale ist der perfekte Support für Dotan. Am intimen Konzert im Plaza Zürich könnte man stellenweise eine Stecknadel fallen hören. Oder eine umfallende Flasche.

Es ist das einzige Konzert in der Schweiz, das Dotan auf seiner Tour eingeplant hat. Als Opener kommen wir in den Genuss der Musik von Luca Fogale. Der Kandadier hatte 2020 mit seinem Album «Nothing ist Lost» Bekanntheit erlangt, das 2022 für den Juno Award nominiert war. Seine verträumten Lieder und die leicht rauhe Stimme lösen bei mir romantische Gefühle aus. You‘re the one ist nur einer der Songs, die mich träumen lassen.

Auf der Stage stehen Lichtständer mit grossen Glühbirnen, die vorerst noch ausgeschaltet sind. Schon fast scheu betritt Luca die Bühne und bedankt sich als erstes mit leiser Stimme fürs frühe Erscheinen. Und genauso bescheiden und zurückhaltend ist sein Set. Luca mit seiner Gitarre und gedämpftes Licht. Zwischendurch meint er, es sei so still und andächtig im Raum, dass man hört, wie die Pet-Flaschen zugedreht werden. Und das sei wunderbar. Das zeige ihm, dass wir voll und ganz bei ihm und der Musik sind. Es sei das zwölfte Konzert, meint er. Und er habe jeden Abend Dotans Auftritt gesehen. Nein, langweilig werde es nicht, im Gegenteil. Er werde mit jedem Mal noch ein grösserer Fan.

Der Umbau ist schnell erledigt: Mikroständer und Pedal austauschen. Fertig. Die Band ist in Position, Dotan begibt sich ans Mikrofon. Das Publikum ist absolut still. Er holt tief Luft und man hört ein paar leise Lacher aus der Menge. Auch Dotan startet sanft, das Licht gedämpft. Bevor A light in the dark startet, gibt er uns Instruktionen zum Lämpchen, das jetzt einige hervorkramen. Das hat man bekommen, wenn man sich für den Newsletter eingetragen hat. Dotan erklärt uns, wir können es einsetzen, wann immer wir wollen. Allerdings sei es zu spät, wenn man «A Light in the dark» hört. Selbstverständlich könne man auch das Handylicht benutzen, aber es wäre toll, wenn wir das kleine Lämpchen verwenden. Es sei hart genug gewesen, die durch den Schweizer Zoll zu bringen.  

Bei jedem Song wird das Licht etwas heller und mehr - auch der Rhythmus legt zu. Dotan bedankt sich beim Publikum für die Resonanz. Er habe wenig Energie gehabt zu Beginn, aber wir hätten ihn aufgepuscht. Auch er bedankt sich dafür, dass wir bei seinen Liedern etwas fühlen. Sein Album «7 Layers» hat er in seinem Wohnzimmer geschrieben, erzählt er uns. Einer der Titel ist Hungry, der bei den Zuschauern immer gute Laune verbreite. Ausser bei ihm, sein Magen habe sich jeweils zusammengezogen. Damals, so Dotan, habe er nicht an die Liebe geglaubt. Pessimistisch, bitter, voller Schmerz. Heute liebe er die Liebe. Dann übergibt er die Show an Julian im Publikum. Denn dieser macht seiner Lucia einen Antrag. Ob es am vollen Saal liegt, dass ihn Dotan auffordern muss, dafür aufs Knie zu gehen? Ich hab weder den Antrag noch ihr Ja gehört, aber anhand des Applauses hat sie den Antrag wohl angenommen. Dotan meinte in ihre Richtung: «Ich habe für einen Moment Angst gehabt, du sagst nein!!». Statt wie üblich widmet er den Song heute nicht nur der Liebe, sondern Lucia und Julian und wünscht ihnen alles Gute.

Wir erfahren noch so viel mehr über Dotan. Er habe sich während der Highschool immer am falschen Ort, nicht zugehörig gefühlt. Er habe zu viel gefühlt und sei als komischer Kerl angeschaut worden. Irgendwann realisiert er, dass man seine Gefühle in Texten verarbeiten kann. Einige seiner Songs hätten ihm wortwörtlich das Leben gerettet, sagt er. Deswegen und nach viel Therapie sei er heute glücklich. «A Little Light in the Dark» ist sein erstes Album, das er als Independant Artist veröffentlicht. Das habe ihm ermöglicht, das zu tun, was er will und wie er es möchte. Niemand, der ihm sagt, wie seine Lieder tönen oder wie er sich zeigen müsse. Deshalb sei diese Platte auch sehr speziell für ihn und noch näher am Herzen.

Der Hintergrund von Amsterdam: diesen Titel singen sie oft Backstage vor dem Konzert. Auch Luca kommt auf die Bühne und stehen gemeinsam in einem Halbkreis. Ein feiner, leiser Song, bei dem man die Lüftung fast lauter hört als die Musiker. Nach dem dritten Vers ersetzen sie «Amsterdam» durch « You look like Zurich the summer» und man hört einige Lacher aus dem Publikum. Dann erzählt uns Luca eine sehr intime Geschichte über sich und seinen Freund, mit dem er jetzt 6 Jahre zusammen sei. Der erste Besuch bei dessen Eltern stand an – Weihnachten. Sein Partner hatte sich zu dem Zeitpunkt noch nicht geoutet und er hatte Angst vor der Reaktion des Vaters. Als Hintergrund: Grant ist aus South Carolina, arbeitet auf einer Farm und reitet – das sei sexy. Da seien auch viele Waffen, das findet Dotan weniger sexy. Ein paar Wochen vor Weihnachten ruft Grant seine Eltern an und erzählt von Dotan. Sein Vater habe reagiert, wie befürchtet und Dinge wie «wieso tust du uns das an?» gesagt. Ein paar Tage vor den Festtagen haben sie nochmal angerufen und der Vater habe zumindest für ein Frühstück zugesagt.

Daraus wurden 3 Tage, in denen Dotan wie ein kleines Hündchen hinter dem Vater hergelaufen sei. Sie hätten sich über Hühner, Traktoren und Landwirtschaft unterhalten. Dinge, von denen Dotan keine Ahnung hatte. Als sie mit dem Truck unterwegs sind, bemerkt Dotan, wie der Vater ihn im Rückspiegel beobachtet und ihm eine Träne über die Wange kullert. Ihm fallen die Waffen wieder ein und wird unruhig. Dann sagt der Vater, er komme aus einer kleinen Welt, habe nicht viel gesehen. Vieles habe sich verändert und er müsse sich daran gewöhnen. Aber er habe seinen Sohn noch nie glücklicher gesehen und man spüre die Liebe, die sie füreinander empfänden. Er werde sie ab sofort überall verteidigen. Dann ist es Sonntag und die Mutter fragt, ob er mit in die Kirche käme. Einzige Regel: kein Küssen und kein Gefummle. Daraus entstand dann der Song No Kissing on Sunday, der ihm sehr am Herzen liegt.

Es ist wieder komplett still im Raum. Nach der ersten Strophe geht prompt ein Telefon los. Dotan stoppt, Gelächter im Raum. Er fängt nochmal von vorne an und hat einmal mehr die volle Aufmerksamkeit des Saals. Drown me in your River sei auf dieser Tour ein Favorit geworden, meint er. Ein Titel mit hohem Energielevel, seine Erwartungen seien hoch. Wir sind gespannt! Es sei so still, meint er, stimmt mit «Lalalalalala» an und eine Flasche fällt um. Erneut Gelächter im Saal, Dotan fängt nochmal an. Und tatsächlich! Die Energie geht durch die Decke, die Leute klatschen und - soweit das in einem so vollen Saal möglich ist - tanzen.

Numb war in der Schweiz sehr erfolgreich. Das sei einer der Songs, die er am tiefsten Punkt geschrieben habe und ihm das Leben gerettet habe. Danach sei so viel von ihm abgefallen, als er das Thema zu Papier gebracht habe. Dies war der letzte Titel auf der Setlist, doch natürlich gab es noch drei Zugaben. Für die erste 7 Layers kam er ins Publikum und spielte unplugged. Nun… ich stand bei den Ausgängen und habe so schon nicht viel von der Show gesehen mit meinen 1.61m, aber diese Performance habe ich definitiv nicht mitbekommen. Danach ging es vom Wohnzimmer ins Festivalzelt. Zu Louder wolle er die Freitagsenergie spüren. Als letzten Titel spielte er Home, aber vermutlich sind noch ganz viele geblieben für die anschliessende Party und das ein oder andere Wort mit Luca und ihm bei den Merch-Ständen.

 

 

Eventdatum: 15.11.2024

Fotografin:  Michelle Brügger/ szenemagazin.ch

Location:  Plaza, Zürich

Veranstalter: Mainland Music

Zuschauerzahl: ausverkauft

 

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Konzert

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