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Jake Isaac begeistert im Papiersaal

Jake Isaac begeistert im Papiersaal Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Auf seiner aktuellen Tournée legt Jake Isaac einen Stopp im Zürcher Papiersaal ein. Im intimsten Rahmen tauchen wir in Jakes musikalische Welt ein.

Eröffnet wird der Abend von der Londonerin Sophie Faith. Ihr Set enthält 7 Songs ihrer veröffentlichten EPs. Vor Dopamine legt sie ihre Sonnenbrille weg und erzählt uns, dass sie jetzt gut ein Jahr trocken sei. Wer sie von Basel her kenne, wisse, wie hart sie damals feierte. Das liegt in der Vergangenheit und sie habe viel mehr Energie als früher. 

Sophie fühlt jeden ihrer Songs und fügt die charakteristischen Schnörkel ein, die sie mit Handgesten unterstreicht. Man spürt die Leichtigkeit und Freude, mit der sie performt. Ihre Natürlichkeit spiegelt sich in ihren Liedern wider, deren Text sie auch spontan an die aktuelle Lebenslage anpasst. Ihr ist warm, weshalb sie sich zwischen den Songs mit einem Fächer abkühlt. Mangels Ablagemöglichkeiten, versucht sie ihn jeweils möglichst unauffällig hinter sich fallenzulassen - was natürlich jeder mitbekommt.

Als letzten Song trägt sie Temperature High vor - weil sie uns für Jake Isaac einheizen wolle. Der Fächer kommt da nochmal gekonnt zum Einsatz, bevor Sophie mit gebührendem Applaus verabschiedet wird.

 

Neues Album, neuer Start

Seine Leidenschaft zur Musik konnte der Londoner schon früh ausleben: als 3-jähriger Drummer in der Kirche. Während der Schulzeit brachte er sich das Piano- und Bassspielen bei und lehrte andere Schlagzeug spielen. Mit 19 studierte er Marketing und arbeitete als Songwriter und Session-Künstler (Bass und Schlagzeug) für andere Musiker. Er begann, Songs für sich zu schreiben. Auf den ersten EPs und seinem Debütalbum «Our Lives» spielte er alle Instrumente selber. Teils veröffentlichte er die EPs selber, Nummer vier brachte ihm einen Auftritt am Glastonbury Music Festival ein. Daraufhin wurde er vom Label Rocket Music unter Vertrag genommen, das keinem geringerem als Sir Elton John gehört. 

Wer jetzt annimmt, Jake würde alleine auf der Bühne stehen, liegt falsch. Mit auf Tour sind zwei Vocalists, Gitarrist, Bassist und Drummer, die als erstes auf die Stage im Papiersaal kommen. Jake Isaac stösst während des Intros dazu. Im Anschluss legt er die Grundregeln des heutigen Abends fest - es sei ja quasi unser erstes Date:

  1. Egal was du tust und heute passiert: hab Spass!
  2. Sing mit! Wenn du den Text nicht kennst, erfinde ihn
  3. Tanze!
  4. Und am wichtigsten: hab Spass!

Wie viele Musiker möchte uns Jake ein paar Hintergrundinformationen zu seinen Songs und seinem aktuellen Album «Benjamin» geben. Er verrät uns damit nicht nur seinen zweiten Vornamen. Es enthält Live-Aufnahmen, die eine Seite von ihm zeigen soll, die noch niemand kannte. Jedenfalls bis jetzt nicht. Er habe in der Vergangenheit viele Popsongs gespielt und dabei seine karibischen Wurzeln vergessen.  Jake habe dem Label mitgeteilt, er wolle R&B-Songs einspielen, es sei ihm egal, ob sie die Lieder mögen oder nicht. Aber sie fanden sie toll. Und wir scheinen sie auch zu mögen, fügt er an. 

«It feels like I start again!» - Jake Isaac 

Es fühle sich an wie ein Neustart, weil er seinen Namen mit dieser Art von Musik quasi neu in die Welt tragen müsse. Der Papiersaal ist ja an sich schon sehr intim, aber Jake geht noch mehr auf Tuchfühlung. Das Acoustic-Set umfasst 3 Songs, die er kurzerhand im Publikum spielt. «Diejenigen, die vorher vorne waren, sind jetzt halt hinten», meint er. Nicht ganz, er steht ja in einem Kreis. Und als wäre es das Normalste der Welt, stellen sich kurzerhand ein paar Zuschauer auf die Bühne für eine bessere Sicht. So sehen die seitlich stehenden Zuschauer definitiv gar nichts mehr und müssen sich umpositionieren.  Mir rutscht ein hörbares „Ernsthaft?!“ raus, als immer mehr Leute raufgehen. Zum Glück war niemand so schusselig, über Kabel, Boxen oder anderes Equipment zu stolpern.

Vor Thinkin 'Bout You gibt er uns eine Aufgabe: es gäbe 5 Punkte, wenn man den Hook «I'll be thinking 'bout you» mitsinge und seiner Begleitung tief in die Augen blicke. Wer das bei jemand Fremdem mache, bekomme 10 Punkte. Das sei dann sozusagen Tinder live. Ich beobachte ein junges Paar direkt am Bühnenrand, das sich verliebt lächelnd ansingt und ein wenig zu tanzen beginnt. Das hat Jake Isaak eventuell inspiriert, denn er ist der Meinung, es sei Zeit für Regel Nummer 3: tanzen! 

Ob wir noch Lust auf zwei weitere Songs hätten, fragt er. Das Echo ist eindeutig und er reagiert mit einem seiner überrascht klingenden “Ooookeeeeey….?”. Nach Good Man verlassen alle die Bühne, aber lange muss das Publikum nicht bitten. Jake kommt allein zurück und für einen Moment scheint es, als hätte er eine Änderung im Kopf. Andere Gitarre, anderen Song? Was ist es? Aber bevor er etwas sagen kann, kommt ein Wunsch aus dem Publikum: «Still! Play Still». Jake hält inne und meint, dann würde er diesen Song performen und fügt an, sie solle ans nächste Konzert kommen. Fun fact: der Titel stand auf der Setlist als Zugabe.

Auch wenn wir insgesamt 15 Songs geniessen konnten, hätte ich noch viel länger zuhören können. Nicht nur wegen Jake. Sondern wegen der ganzen Band respektive seiner Familie, wie er sie nannte. Sie alle waren mit so viel Freude und Energie dabei, die es vermutlich nicht nur mir unmöglich gemacht hat, im Takt der Musik zu wippen und ein Lächeln auf den Lippen zu haben. Zumindest dann, wenn wir nicht mitgesungen oder getanzt haben. Denn dann ist daraus ein breites Grinsen geworden.

 

    

Eventdatum: 17.02.2025

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Papiersaal, Zürich

Veranstalter: Just Because

Zuschauerzahl: unbekannt

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Konzert

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