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Kylie Minogue: fast so viele Outfits im Gepäck wie Songs

Kylie Minogue: fast so viele Outfits im Gepäck wie Songs Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Kylie und ich kennen uns schon lange. Jedenfalls fühlt es sich so an, weil sie ab 1989 gut 3 Jahre zusammen mit Jason Donovan von Montag bis Freitag in meinem Wohnzimmer gastierte. «Wie bitte, was??» Natürlich nicht persönlich, sondern in der australischen Serie «Neighbours».

Interessanterweise stieg Kylie tatsächlich schon 1988 aus, um ihre Musikkarriere zu verfolgen. Aber genau deshalb kam im deutschsprachigen Raum zu dem Zeitpunkt das Interesse an der Daily Soap auf. Damals hatte BRAVO eine Leseraktion gestartet, mit der sie das ZDF überzeugen wollten, die bis dahin bereits 300 Folgen einzukaufen. Es war dann schlussendlich nicht das ZDF, sondern Sat 1 - und sie haben die Soap erst ab Folge 171 ausgestrahlt, in der Kylie Minogue erstmals auftauchte. Sie verliess «Nachbarn» nach Folge 523, in der sie in der Rolle von «Charlene» und Jason Donovan in der Rolle als «Scott» geheiratet haben und sie dann an seinen Arbeitsort in Brisbane zieht. Da die Soap in einem fiktiven Vorort von Melbourne spielt, wo Scott weiterhin lebt, ist sie ab da nicht mehr zu sehen. Finde den Fehler in diesem Drehbuch. Aber wen interessiert das heute noch? 1993 war sie schon ein halbes Jahrzehnt als Popstar erfolgreich.

Wenn jemand findet «du, ich will nur übers Konzert lesen», der kann die historische Aufbereitung hier mit einem Klick überspringen.

 

Vom Popsternchen zur Pop-Ikone

Der Australierin gelang ihr musikalischer Durchbruch vor 38 Jahren, für den das Produzententeam Stock Aitken Waterman (SAW) ein entscheidender Faktor war. Sie gaben ihr den eingängigen Pop-Sound und produzierten ihre 1987 veröffentlichte Debütsingle Locomotion, eine Coverversion von Little Eva aus den 60ern. In ihrem Heimatland stieg der Titel direkt auf Platz 1, hielt sich dort mehrere Wochen und wurde zu einer der meistverkauften australischen Singles.

Zusammen mit Jason Donovan nimmt sie 1989 einige Duette auf, eines davon Especially for you. Ich habe rund 20 Minuten mit ChatGPT und Google AI diskutiert, weil die mir eine Ausgabe nach der anderen von «Bravo Hits» angegeben haben, auf der der Titel angeblich sein soll. Pustekuchen. Zum Glück prüfe ich - im Gegensatz zu diesen heutzutage gängigen «Recherchetools» - die ausgespuckten Fakten. Schlussendlich habe ich es dann Oldschool mit einer Google-Suche gefunden: auf Kuschelrock 3 ist der Song einer von 36 Titeln – und bei der Durchsicht der Tracks auf der Doppel-CD kann ich direkt jeden kurz ansingen. Und ja, diese Ausgabe wurde 1986 veröffentlicht.

Mitte der 90er verlässt sie SAW und ändert sowohl ihr Image als auch ihren Stil. Vom Mainstream-Pop verlagert sie sich zu Indie-Elektro-Pop. Der in dieser Zeit resultierende Hit Where the Wild Roses Grow im Duett mit Nick Cave wird Kult und zeigt ihre düstere, tiefgründigere Seite und wird als ernstzunehmende Musikerin gefeiert. Anfang der 2000er findet sie zurück zum Pop und zeigt sich in ikonischen Outfits. Can’t Get You Out Of My Head schiesst 2001 in über 40 Ländern auf Platz eins und wird ihr bisher erfolgreichster Song.

Nach ihrem erfolgreichen Kampf gegen ihren Brustkrebs ist sie 2006 zurück. Sie pflegt ihr Image, erfindet sich immer wieder neu, bleibt dabei aber sich selbst. In verschiedensten Kooperationen mit anderen Musikschaffenden und Modedesignern zeigt sie ihre Wandelbarkeit und geht mit der Zeit. Pandam Padam von 2023 ist dafür ein grossartiges Beispiel, der generationenübergreifend viral ging.

 

Das erste Mal in all den Jahren…

… hiess es, wir dürfen einen Tritthocker mitbringen, weil wir nicht im üblichen Fotograben, sondern weiter hinten positioniert würden für die erlaubten 3 Songs. Schon witzig, wenn jeder der sieben Fotografen mit dem gleichen Modell antrabt. Weniger lustig fanden wir es dann jedoch, dass kurzfristig entschieden wurde, dass der nicht benutzt werden darf. Die Begründung war mehr oder minder zu wenig Platz (wenn man draufsteht, braucht man genau gleich viel Platz) und die Leute würden im Parkettbereich ja sitzen. Das Grinsen auf unseren Gesichtern war unisono: die bleiben nie und nimmer alle auf ihren Stühlen.

Wir sollten leider recht behalten, denn kaum waren die Musiker auf der Bühne, standen alle auf und streckten ihre Handies in die Luft. Ich hatte zum Glück einen der wenigen Stellen mit Frontsicht auf die T-Stage – und davor waren keine Stühle platziert. Ausser dem Security und dem Crewfotografen war also niemand im Bild, solange sie mittig auf der Bühne stand.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

Auftritt Kylie: sie sitzt auf einer Trapezstange unter der Bühnendecke, umrahmt ist sie von einer Art Lichtflacon, mal im Scheinwerferlicht, mal im Dunkeln, mal im Strobolicht. Auf der Bühne sind Treppen, die ins Nichts führen, seitlich Podeste, auf denen die Musiker positioniert sind. Kylie und die Tänzer nutzen die gesamte Fläche inklusive der Treppen für ihre Performance im ersten Outfit. Während des Medleys aus vier Songs dürfen wir fotografieren, danach werden wir aus der Halle geführt.

Den Rest der Show verfolge ich von den Rängen aus und ich bemerke, dass die Elemente rollbar sind und die Podeste mit den Musikern an einem anderen Ort positioniert sind. Kylie ist nicht mehr auf der Bühne, es flimmert ein längeres Video über den Schirm, bis sie im roten Glitzer-Overall zurück ist.

 

Singt sie tatsächlich live oder ist das Teil- oder Voll-Playback?

Manchmal hält sie das Mikrophon einen Tick zu spät hoch, aber man hört wen singen. Das macht mich stutzig. Ist das etwa Playback? Meine Vermutung: nein. Aber weil die Lautstärke ihres Mics nicht wirklich höher ist als das der Backgroundsängerinnen, ist manchmal nicht eindeutig, wen man gerade hört. Bass und Drums übertönen den Gesang für meinen Geschmack auch viel zu sehr.

Kylie interagiert mit dem Publikum – manchmal kaufe ich ihr aber die Emotionen nicht ganz ab, die sie uns zeigt. Die Art und Weise, wie sie reagiert, erinnert mich an jemanden, der die Zeichnung eines kleinen Kindes wie ein Kunstwerk eines Ausnahmekünstlers goutiert. Ihr wisst, was ich meine, wenn ihr auch schon mal «Oh, DAS ist aber TOLL….!!!» gesagt habt und einfach nett sein wolltet. Ein paar der hochgehaltenen Schilder sind aber tatsächlich sehr cool, eins davon im T-Stagebereich war sogar mit Lichteffekten ausgestattet. Oben auf den Rängen hält eine junge Frau ein Plakat mit «Break my Tension by giving me a hug» in die Luft. Kylie sieht es und fragt: «Wie machen wir das jetzt?» und holt sie spontan auf die Bühne. Hannah ist ebenfalls von Kopf bis Fuss in Rot gekleidet und übergibt Kylie noch ein Buch, bevor sie ein Selfie von sich und Kylie schiesst und das Konzert weitergeht. Der junge Mann in der Nähe der Stage mit Leuchtschild ist aber sicher enttäuscht, dass sie nicht ihn auf die Bühne geholt hat.

 

Wechsel zur C-Stage in Hallenmitte

Es folgt ein relativ langer Gesprächsteil, wo sie sehr weit in die Vergangenheit ausholt – eine Überleitung zu Locomotion. Zu diesem Song bildet sie mit Tänzern und Backgroundsängerinnen eine Bolognese (oder halt eine Zugsformation) zur C-Stage in der Mitte des Stadions. Als nächstes meint sie: «Wir sind hier, ihr seid hier, wir haben eine Gitarre. Wünsche?». Nach langem Rumfragen spielen sie dann ein paar Takte eines gewünschten Tracks an, bevor Kylie anfängt, rote Rosen zu verteilen.

Während des sogenannten «Wild Rose Moment» fragt sie denn auch «Who‘s gonna be my wild rose tonight?». Sie sucht sich einen Fan mit Plakat aus, der so aufgeregt ist, dass das Papier und die weisse Rose in seiner Hand für alle sichtbar zittert. Dies und die Freude in seinem Gesicht löst ein «aaaaaaaaaaw»-Raunen in der Halle. Herzallerliebst!

Bei Say something wird die Diskokugel über der C-Stage gesenkt, die auch beim nächsten Track noch dreht und mit zusätzlichen Lasereffekten und 8 Tänzern in silbrig reflektierenden Outfits um die Wette strahlt. Da ich hier schon längst nicht mehr fotografieren darf, habe ich den Moment mit meinem Handy festgehalten und auf meinem Instagram-Account als Reel veröffentlicht. Danach geht‘s zurück zur Hauptbühne.

 

Viel Zwischengeplämpel

Wie erwähnt redet Kylie relativ ausgedehnt zwischen den einzelnen Songs, meistens interagiert sie dabei aber wenig mit dem Publikum. Ich habe Mühe, sie zu verstehen und weiss nicht, ob es an der generell schlechten Akkustik liegt. Kylie begeistert das Publikum inzwischen schon 70 Minuten lang - und wir sind grade mal in der Hälfte der Setlist angelangt. Dann geht’s aber auf einmal Ruckzuck und innerhalb von 7 Minuten sind weitere 6 Titel gespielt (wie geht das? Ist meine Uhr stehengeblieben?).

Für den 5. Abschnitt ihres Konzerts wechselt Kylie erneut das Outfit und erscheint in einem schwarzen Kleid mit bodenlangem Umhang. Die Musik ist nicht mehr lockerflockig, als sie Confide In Me performt, aber nach Slow ist wieder die gewohnte Popmusik am Start. Ein weiterer Outfitwechsel vom schwarzen zum pinken Discokleid erfolgt, doch das ist nach dem langen Video-Intro zu Tension im letzten Abschnitt vor den Zugaben schon wieder mit einem schwarzen Glitzerfetzen ausgetauscht worden.

 

Zwei Zugaben

Noch bevor die Zugaben starten, lichten sich die Sitzreihen. Um 22:22 Uhr startet sie die erste gemeinsame Gesangseinlage am Ende von Can‘t get you out of my head. Das Set schliesst mit All The Lovers und weissen Konfettifontainen, bevor nach 2 Stunden Konzert die beiden Zugaben folgen - selbstverständlich in einem anderen Outfit.

Nach Padam Padam und Love at first sight knallt es nochmal mit gelben Luftschlangen, bevor Kylie sich vom Zürcher Publikum verabschiedet. Ach, und… im Parkettbereich hat sich während des Konzerts niemand mehr hingesetzt, auf den Rängen haben es sich die meisten gemütlich gemacht und sind nur zwischendurch für ein Tänzchen aufgestanden.

 

 

 

Eventdatum: 06.07.2025

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Hallenstadion, Zürich

Veranstalter: TAKK ab Entertainment AG

Zuschauerzahl: unbekannt

 

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Konzert

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