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Cats – entweder man liebt es, oder nicht

Cats – entweder man liebt es, oder nicht Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Ich war schon mehrfach in London und New York, aber habe es bis jetzt noch nie an eine Show geschafft. Was ich dennoch von meiner Bucketlist streichen kann, ist das Musical «Cats» von T. S. Eliot und Andrew Lloyd Webber. Das gastiert nämlich derzeit bis zum 21. September im Theater 11 in Zürich.

Das Musical wurde 1981 im Londoner West End uraufgeführt und seither von über 73 Millionen Zuschauern weltweit besucht. In der Schweiz gastierte es erstmals 1991, ebenfalls im Theater 11 in Zürich – und das für 1000 Aufführungen, die gemäss Zeitungsartikeln von über einer Million Zuschauern besucht wurden. Nach 1991 bis heute kam das Musical insgesamt fünf Mal in die Schweiz. Obwohl ich dachte, zu einer Minderheit zu gehören, die Cats noch nie gesehen haben, ist der Premierenabend gut besucht: am Dienstagmittag waren noch knapp 200 Plätze im Verkauf.

Als ich mich mit Bekannten über Cats unterhalten habe, stellte ich fest: Das Musical ist eine Art «Röstigraben». Nicht geographisch, sondern im übertragenen Sinn, denn da scheinen sich die Geister zu scheiden. Salopp gesagt, entweder man liebt es oder kann überhaupt nichts mit Cats anfangen. Liegt es daran, ob man zum Team «Hund» oder «Katze» zählt? Mitnichten. Liegt es daran, dass Tiere dargestellt werden? Nein – sonst würden sie Musicals wie «Lion King» auch nicht mögen. Vielleicht kann ich später die Aussage «ich weiss auch nicht, ich mochte es einfach nicht» deuten. Ich bin jedenfalls gespannt, zu welchem Lager ich nach der Aufführung zähle.

 

Die Handlung in 5 Sätzen zusammengefasst

Das Musical spielt sich in einer einzigen Nacht auf einer Müllkippe ab, wo sich der Stamm der Jellicle-Katzen zum alljährlichen «Jellicle Ball» versammelt. Dort entscheidet ihr Anführer Old Deuteronomy, welche Katze in den «Heaviside Layer» aufsteigen und ein neues Leben beginnen darf. Jede Katze stellt sich mit einem eigenen Lied vor und präsentiert ihre besondere Persönlichkeit und Geschichte. Die ältere, verstossene Grizabella wird zu Beginn abgelehnt, bis sie die anderen mit ihrem Lied über Erinnerung und Sehnsucht berührt. Am Ende wird sie vom Anführer auserwählt, um wiedergeboren zu werden.

 

Behind the Scenes

Was wir meistens nicht sehen, ist der Aufwand vor, während und nach der Aufführung. Für eine Show wie in Zürich ist ein Ensemble von 32 Personen und zusätzlichem technischem Personal im Einsatz. Allein für den Transport von Bühne und Technik werden 5 grosse LKWs benötigt. Das technische Grundsetup inkl. Licht- und Audioequipment dauert 60-75 Minuten respektive weitere 30-45 Minuten, falls man den Lastwagen nicht direkt an der Bühne entladen kann. Die Requisiten werden auf der Bühne vorerst auf einen vorläufigen Platz gestellt. Danach folgen Aufbau, Positionierung und Feinjustierung der Bühnenelemente, Requisiten und des Sounds. In der Regel ist also alles in rund 8 Stunden bereit für die Show. Und wie lange dauert es, bis die Trucks wieder abfahrbereit sind? Die Hälfte der Abbauzeit: rund 4 Stunden.

Parallel dazu bereiten Kostümbildner und Assistenten den Backstagebereich vor. Jeder Darsteller hat eine sogenannte Kostümstation, an der alles für die Rolle bereitliegt. Das Kostümdesign wurde von John Napier entworfen. Es verbindet Katzen- und Menschenelemente und lässt den Tänzern die benötigte Bewegungsfreiheit. Die sogenannten Unitards sind individuell handbemalt, die meisten haben Fellapplikationen, Arm- und Beinwärmer sowie Perücken mit Katzenohren. Die Hauptcharaktere haben passend zu ihrer Persönlichkeit zusätzlich Mäntel und weitere Accessoires. Die ganze Koordination wird von den Kostümbildnern und Assistenten übernommen, damit jeder zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.

Hinzu kommt das Makeup, das je nach Charakter und Komplexität zwischen 30 Minuten bis zu 2 Stunden in Anspruch nehmen kann. Je routinierter ein Darsteller ist, umso schneller ist er bereit für die Show. Bei einer internen Challenge schafften es einige, ihr Jellicle-Makeup in unglaublichen 7 statt 20-30 Minuten fertigzustellen. Im Backstagebereich werden alle Makeup-Produkte und Utensilien vorbereitet. Dank eines gestaffelten Zeitplans muss niemand lange auf einen freien Schminkplatz warten.

Was man während des ganzen Musicals nur zu hören, aber nicht zu sehen bekommt, ist das Liveorchester hinter den Kulissen. Da ich sie nicht gesehen habe, muss ich mich auf Angaben aus dem Internet verlassen, dass bei kleineren Tourproduktionen 10-12 Personen für die Musik sorgen.

 

Und auf welcher Seite stehe ich jetzt?

Nun… ich bin geteilter Meinung. Aber ich kann definitiv den Finger drauflegen, weshalb ich eher Team «ich weiss nicht» bin. Für mich hatte es ganz klar zu wenig Dialog – mehrere Szenen haben die Geschichte rein mit Lichtführung, Musik und Tanz erzählt. Meine Aussage darf man auf keinen Fall abwertend deuten. Man hat definitiv mitbekommen, dass es sich gerade um eine sehr dramatische Passage handelt oder eine eher traurige Szene stattfand.

Ja, das Ganze hat sich natürlich in der Nacht abgespielt, weshalb auch meistens nur ein oder zwei Personen im Scheinwerferlicht standen, der Rest in blaues Licht getaucht. Macht absolut Sinn, nur ist das bei einer zweistündigen Vorstellung relativ ermüdend für die Augen. Jedenfalls war das bei mir so.

Wie in jedem Musical hat es Darsteller, die einem mehr zusagen als andere. Das gilt auch für Gesangsstimmen. Grizabella (Lucy May Barker) schwingt da ganz oben heraus. Sie ist nicht die Einzige, die Memory anstimmt an diesem Abend, aber nur sie singt den Song zwei Mal. Und beide Male packt sie mich komplett, wenn sie von sanft zu inbrünstig wechselt, bevor sie den Schluss nur noch ganz leise singt. Das bedeutet nicht, dass die anderen nicht auch wunderbar gesungen haben, aber Lucy May Barker schwang definitiv obenaus. Allerdings ist es auch nicht ganz einfach, anhand eines Portraitfotos rauszufinden, wie der Charakter ausgesehen hat (auch wenn es natürlich im Cast aufgeführt ist), um hier nicht falsche Namen zu erwähnen – abgesehen von den Hauptfiguren versteht sich.

Unter dem Strich gesehen war ich sehr begeistert von den Szenen mit Worten, während ich die Abschnitte ganz ohne Gesang als zu lang empfand. Das ist meine ganz persönliche Meinung und gehöre damit sicherlich zur Minderheit, sonst wäre dieses Musical nicht seit über 30 Jahren immer noch ein Kassenschlager. Deshalb kann ich auch definitiv nicht sagen: «Nein, schau dir das nicht an». Geschmäcker sind verschieden und vielleicht gefällt es ja jemand anderem sehr gut, der dann meinetwegen eventuell nicht hingehen würde. So oder so: Cats gastiert vom 10.-21. September 2025 im Theater 11 in Zürich.

Was ich auch noch hervorheben wollte, weil es absolut nicht selbstverständlich ist: eine Person wurde von Sanitätern auf einem Rollbett in den Saal gebracht, damit sie sich die Vorstellung ansehen konnte. Ich finde es absolut grossartig von Freddy Burger Management, dass sie das ermöglicht haben. Da können sich andere Veranstalter eine Scheibe abschneiden, die teilweise bei Anlässen ohne Bestuhlung nicht mal eine erhöhte Rampe oder ähnliches zur Verfügung stellen, damit zum Beispiel Rollstuhlfahrende nicht einfach von der Menge umrundet sind und weder etwas sehen oder hören.

Und wer sich wundert, weshalb keine Fotos im Bericht sind: irgendwas scheint bei den vorhergehenden Vorstellungen fototechnisch nicht ganz so toll gewesen zu sein, weshalb sie alle Fotozusagen zurückgezogen haben. Schade für mich, aber verstehe, dass ihnen der Aufwand zu gross ist, sich jeweils die Arbeiten der Fotografen vorgängig anzusehen, um zu wissen: ok, das kommt gut. Ja, sie waren strikt mit dem «keine Fotos und Videos» für alle im Saal und sobald ein zu heller Bildschirm sichtbar wurde, kam jemand mit einer Taschenlampe und hat der Person ins Gesicht geleuchtet. Beim Schlussapplaus habe ich mir dann aber doch erlaubt, ein Handyfoto zu machen.

 

 

 

Eventdatum: 10.09.2025

Handyfoto Schlussapplaus:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Theater 11, Zürich

Veranstalter: FBM Entertainment

Zuschauerzahl: fast ausverkauft

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Konzert

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