Diese Seite drucken

LOVE: Tribute-Konzert, Musical, Comedy? Grandios!

LOVE: Tribute-Konzert, Musical, Comedy? Grandios! zvg

LOVE: Tribute-Konzert, Musical, Comedy? Grandios!

Im Vorfeld habe ich immer erzählt, ich gehe ans ABBA-Musical. Doch ist es wirklich ein Musical? Immerhin heisst es «LOVE – Das Mundart-ABBA-Tribute» des Secondhand Orchestras. Also ein Konzert. Oder? Nun…

Eine klassische Tribute-Show ist es definitiv nicht. Denn es werden nicht nur ABBA-Songs gespielt und gesungen, wie das zum Beispiel bei One Vision of Queen feat. Marc Martel der Fall ist. Es ist aber auch kein Musical. Nicht, weil es kein Bühnenbild gibt, das war bei All you need is love – das Beatles-Musical oder Elvis – Das Musical auch nicht so wirklich der Fall. Allerdings hatten diese zwei eine zusammenhängende Geschichte. Was ist es denn dann? Ich kann euch das in einem Wort sagen: grandios! Oder wie meine Cousine während der Vorstellung ständig wiederholte: sensationell!

Das Secondhand Orchestra besteht aus Roman Riklin, Daniel Schaub, Frölein Da Capo (Irene Brügger) und Adrian Stern – vier eigenständigen Musikern beziehungsweise dem Duo Riklin & Schaub, allesamt versierte Multiinstrumentalisten. Immer wieder überraschen sie mit spielerischer Leichtigkeit: Plötzlich sitzt jemand anderes am Schlagzeug, die Gitarre weicht Tuba und Trompete, das Cello wird beiseitegelegt, damit alle acht Hände gemeinsam am Klavier Platz finden.

Sie haben die ABBA-Hits nicht nur mit schweizerdeutschen Texten unterlegt (aka «neu interpretiert»). Sie haben eigene Lieder dazukomponiert, um Überleitungen zu schaffen, Kontext zu liefern und die Geschichte zu erzählen. Wobei das mehrheitlich der Radiomoderator FM François Mürner übernimmt, den man – selbstverständlich – über ein auf der Bühne stehendes Radio hört, das ich währenddessen automatisch angestarrt habe. Ok, es wurde auch jeweils mit einem Spotlight angestrahlt, aber… ihr wisst, was ich meine.

Tönt doch eigentlich nach einem Tribute-Konzert, nicht wahr? Sicher, sicher. Aber erstens sind die Texte nicht gaaaaaaanz getreu dem Original übersetzt worden, die Interpretationen beinhalten manchmal nur Teile des Lieds. Und am allerwichtigsten: die liebevoll gestalteten Elemente machen es zu einer kunstvollen Show mit Überraschungsmomenten am laufenden Band. Durch die interaktiven Darstellungen wird der Text zum Leben erweckt. Manchmal sind versteckte Referenzen drin, z.B. die Yellow Submarine im Aquarium ist sicher kein «oh, das war Zufall»-Moment. Es sorgt für Begeisterungsrufe und viele Lacher im Publikum. Ich möchte eigentlich nicht alles verraten, aber die letzten Vorstellungen sind am Freitag und Samstag diese Woche. Danach ist für LOVE «Aus die Maus». Das Secondhand Orchestra wird aber im Herbst 2027 mit einem neuen Programm zurück sein. Und das lasse ich mir definitiv nicht entgehen.

Deshalb… wer am Freitag oder Samstag noch vorhat, eine der beiden Vorstellungen zu besuchen: ACHTUNG, SPOILER ALERT – erst nach der Show weiterlesen!

So, da wir nun unter uns sind und nur noch diejenigen weiterlesen, die entweder schon das Vergnügen hatten, es live zu erleben oder es leider verpassen werden: die Kombination aus Musik/Comedy/Storytelling ist gelungen. Der Einsatz von Requisiten, um uns die gesungenen Worte visuell zu untermalen, sucht seinesgleichen. Da werden zum Beispiel interaktive Kinderbücher verwendet, wo Frölein Da Capo an den Laschen zieht, um uns bildlich darzustellen, was sie zur Melodie von Money, Money, Money singen. Sie spielten immer wieder mit Schatten und Projektionen, mit Illusionen und Gags, die das Thema des Lieds meistens auf die Schippe nahm. Und obschon man es nach einer gewissen Zeit eigentlich erwarten konnte, man wurde immer wieder überrascht. All diese Elemente sind immer über eine Kamera auf der Leinwand hinter ihnen projiziert worden.

Wo das Aquarium zum Einsatz kam? Natürlich bei Waterloo! Bei diesem Song änderte sich dann auch auf einmal die Art, wie sie sangen, als das Wasser immer höher stieg. Einmal musste sogar ein Krankenwagen auf die Bühne fahren, um ein gebrochenes Herz zu reanimieren. Nicht zu vergessen sind die beiden Zuschauer Manuela und Stefan, die von verschiedenen Ecken aus dem Publikum auf die Bühne geholt wurden. Nur, um dann als Marionetten zu dienen für einen Dialog über Liebe auf den ersten Blick zu führen - inklusive Heiratsantrag und einer Unterhaltung über Kinderwünsche.

Ja, wir haben auch ein wenig etwas über ABBA gelernt. Denke ich zumindest, denn bei den Infos in der Rubrik Facts&Fakes gab es keine Auflösung, um was es sich schlussendlich handelt. So oder so war es ein unglaublich unterhaltsamer Abend mit guter Musik, lustigen Texten und noch witzigerer Show. Fotografieren war leider nicht erlaubt, aber die Vorstellung wurde aufgezeichnet. Vielleicht kann man sie bald mal irgendwo nochmal schauen, halt einfach nicht live. Das ist und bleibt glaube ich die coolste Art, ihre Kunst zu geniessen. Bis dahin kann man die Musiker «in ihren Einzelteilen» geniessen, wie sie meinten. Denn Riklin&Schaub, Frölein Da Capo und Adi Stern sind auch weiterhin als Solo resp. Duo-Acts unterwegs.

 

 

Eventdatum: 18.12.2025

Fotos:  Zur Verfügung gestellt

Location:  Theater 11, Zürich

Veranstalter: Second Hand Orchestra

Zuschauerzahl: unbekannt

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: zvg
Publiziert in Konzert