Zum 100. Mal «One Vision of Queen» feat. Marc Martel
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Freddie Mercury ist mittlerweile vor knapp 34 Jahren gestorben – seine Legende lebt weiter. Nebst unzähligen Tribute-Bands gibt es eine offizielle Tribute-Band, in der Marc Martel von 2012-2017 mitwirkte. Nach einem Zwischenstopp folgte die Eigenproduktion «One Vision of Queen».
Die Musik von Queen begleitet mich schon mehr oder weniger mein Leben lang. Allerdings habe ich die Band nie live erlebt. Für das Musical «We Will Rock You» bin ich 2013 nach Basel gefahren. Die Tribute-Show mit Marc Martel möchte ich seit 2020 sehen, doch damals wurde sie auf 2021, 2022 und schlussendlich auf den 25. Oktober 2023 verschoben. Damals konnte ich nicht dabei sein, auch nicht im September 2024, als sie erneut in der Schweiz gastierten. Jetzt, exakt 2 Jahre später hat es geklappt und ich kann mir selber ein Urteil bilden, ob Marc Martels Stimme tatsächlich so klingt, wie die von Freddie Mercury.
Wie wurde Marc Martel die Stimme von Freddie Mercury?
Gute Musik, so Martel, werde über Generationen weitergegeben. Der gebürtige Kanadier erzählt uns während des Konzerts, dass er nicht mit Queens Musik aufgewachsen sei. Er habe bis weit über zwanzig gar nichts über diese Band gewusst. Als er damals mit seiner eigenen Band auftrat, seien nach den Auftritten immer mehrere Leute auf ihn zugekommen, dass seine Stimme wie die des 1991 verstorbenen Freddie Mercury klinge. Daraufhin habe er sich Queen angehört und dachte: «Es stimmt, der klingt tatsächlich wie ich».
Im Saal sind viele Kinder, manche knapp 5 Jahre alt. Das bestätigt seine Aussage – allerdings widerspricht es dem darauffolgenden Satz, dass das Erbe von Queens Musik hoffentlich noch weitere 50 Jahre weitergetragen werde, wir das aber wohl alle nicht mehr erleben würden.
Marc Martel will wissen, wer schon mal an einem Konzert von One Vision of Queen war. Spannenderweise sind das weitaus weniger als erwartet, fast ein Drittel sind zum ersten Mal hier. Und wer habe Freddie live erlebt? Es schnellen ein paar Hände in die Höhe - auch welche von Kids hinter mir, die ich so zwischen 12 und 14 Jahre alt schätze, aber hey… Freddie ist seit 1991 tot, vielleicht sind sie reinkarniert und waren tatsächlich mal an einem Queenkonzert mit Freddie, wer weiss das schon. Später habe ich sie gefragt und beide meinten, sie hätten die Frage falsch verstanden.
«Queen made it easy for us. We travel the world and play their songs and makes everybody smile» - Marc Martel
Queen Extravaganza ist ein Tribute-Projekt, das von Roger Taylor ins Leben gerufen wurde. 2011 wurde Martell für Freddies Part in einem Casting auserkoren und trat von 2012 bis 2017 in über 160 Shows auf. Seit 2018 ist Alirio Netto deren Leadsinger. Darauf folgte Martels Eigenproduktion «The Ultimate Queen Celebration» und 2020 schlussendlich «One Vision of Queen».
Für die Queen-Biographie «Bohemian Rapsody» wurden 2018 Gesangsstämme von Masterbändern verwendet, für fehlende Teile wurden aber auch Neuaufnahmen mit Marc Martel gemacht. Dafür erhielt er 2019 einem Golden Globe.
Tribute-Show «One Vision of Queen»
Im deutschsprachigen Raum wurde die Tribute-Show das erste Mal 2020 aufgeführt. Der in der Schweiz vorgesehene Tourtermin musste dann aus bekannten Gründen bis 2023 verschoben werden. Inzwischen haben DACH-weit eine Viertelmillion Menschen die Show gesehen, europaweit finden dieses Jahr 32 Konzerte in 8 Ländern statt.
Am heutigen Abend wird der Tourmanager Andreas Schröder geehrt, der als erster an der 100. Show von One Vision of Queen mit dabei ist. Faktisch hat er keine einzige Show verpasst und Martel erwähnt seine wertvolle Arbeit im Hintergrund. Er bekommt ein Shirt mit dem «One Vision of Queen»-Logo, dem Tourbus mit seinem Namen als KfZ-Schild und Destination Zürich.
Er wäre heute nicht auf dieser Bühne ohne Roger Taylor oder Brian May, so Martel. Nein, Martel tritt nicht in der gelben Jacke oder in kurzen Boxern auf. Er legt Wert darauf, keine Kopie von Freddie zu sein, er komme als sich selbst, wie wir auch. Seine Stimme habe er und es gehe schlussendlich um die Musik. Aber klingt er jetzt wirklich wie Freddie?
Das ist so nah am Original, dass nicht nur Zuschauer, sondern auch Roger Taylor sagt: wenn man die Augen schliesst, könnte man meinen, Freddie singt.
Ist es nur eine zum Verwechseln ähnliche Kopie?
Seine Stimme ist ein Teil, aber die Musik von Queen muss so gespielt werden, wie Queen selbst. Viele Tribute- und Coverbands haben das versucht, scheitern aber. Das ist nicht meine Aussage, sondern die von Marc Martel. Und fügt an, dass einige in der Band von Queen gelernt haben, wie man Queen spielt.
Auf der Setlist stehen selbstverständlich die grössten Hits wie Somebody To Love, I Want To Break Free, Another One Bites The Dust, We Will Rock You, We Are The Champions und natürlich auch Bohemian Rhapsody, die am 31. Oktober vor 50 Jahren released wurde.
«Ihr habt viel Geld bezahlt, um Songs von Queen zu hören und die Leute auf der Bühne sind nicht mal Queen. Danke dafür!» - Marc Martel
Eine Kopie ist es definitiv nicht, sonst würde sich Marc Martel auch visuell wie Freddie stylen. Martel bringt seine eigene Art mit und ich spüre den Spass, den er und die Band auf der Bühne haben. Ist er ein genauso leidenschaftlicher Performer wie Freddie? Dessen Persönlichkeit zeigte 2174% an Gigs, aber er hatte auch nicht den – vielleicht unterbewussten – Druck, konstant vom Publikum mit einem der grössten Sänger dieses Jahrhunderts verglichen zu werden. Als Künstler hat er praktisch keine Möglichkeit, sich aus dem Schatten als «sehr gute Kopie» zu lösen. Deshalb verstehe ich auch, dass er seine Eigenständigkeit zumindest optisch klarmachen will.
Ich für meinen Teil habe das Konzert in vollen Zügen genossen und bin sehr dankbar, dass ich in Zürich - pardon, Dübendorf - dabei sein durfte. Und ja, ich habe zwischendurch meine Augen geschlossen und Freddie gesehen. Seine Musik lebt nicht nur auf Aufnahmen und unseren Erinnerungen weiter – und obwohl Freddie schon seit 34 Jahren verstummt ist, ist sie Dank Marc Martel immer noch live erlebbar.
Eventdatum: 25.10.2025
Fotos: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: The Hall, Dübendorf
Veranstalter: act entertainment ag
Zuschauerzahl: unbekannt
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/1469-zum-100-mal-one-vision-of-queen-feat-marc-martel#sigProId1270b8d2d9
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Michelle Brügger
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