Mighty Oaks spielen vor ausverkauftem Haus
Michelle Brügger (szenemagazin.ch)
«Treffen sich ein Amerikaner, ein Engländer und ein Italiener in einer Bar», könnte der Anfang eines Witzes sein. Oder der Anfang der Geschichte von Mighty Oaks, die sich an Gigs in Hamburg kennenlernten.
Genauso vielseitig ist auch ihre musikalische Arbeit. Sie nahmen Alben im eigenen Wohnzimmer auf, schrieben Filmmusik, spielten erst als Supporting Acts und dann auf Solo-Touren in der deutschsprachigen Region und nahmen letztes Jahr am Free European Song Contest teil. «Back to the roots» haben sie - coronabedingt - ihr aktuelles Album «Mexico» wieder zu Hause aufgenommen, dieses Mal aber im Keller. Ihr Sound ist geerdet, braucht keine Spezialeffekte, reduziert auf das Wesentliche.
Auch bei ihrem heutigen Auftritt landet man bei ihren sanften Titeln im Nullkommanichts in der Chillzone. Augen schliessen, geniessen, träumen. Wenn da nicht die Band auf der Bühne wäre, denen ich so gerne zuschaue. Dann wieder schnellere Takte, doch meine Schuhe kleben leider so fest am Boden, dass ich die Füsse fast nicht anheben kann. Jedenfalls nicht geräuschlos. Vor mir sagt jemand, das sei ein Zusatzinstrument, wenn man die Sneakers im Takt hochreisse. Ian Hooper meint zwischendurch, er hätte nicht gedacht, dass sie vor vollem Haus spielen könnten. Ich lehne mich hier vielleicht weit aus dem Fenster, aber ich würde sagen: Da geht noch mehr, Freunde.
Ich filme kurz durch den Saal und bereite den Post vor, da höre ich von rechts «Coole Insta-Story». Ob das ironisch gemeint war? Er erzählt mir, er habe die Band online entdeckt, per Zufall das heutige Konzert gesehen und ein Ticket ergattern können. Dafür ist er extra aus Thun angereist. Als «Brother» angestimmt wird, leuchtet sein Gesicht auf - sein Lieblingssong. Damit ist er nicht alleine, das sehr gut gefüllte x-Tra teilt seine Meinung und stimmt unisono mit ein. Mir wird einmal mehr bewusst, wie sehr mir das in den letzten 2 Jahren gefehlt hat. Nichts ist vergleichbar mit der Stimmung an einem Live-Event mit Publikum. Sei das nun Musik oder Eishockey. Während ich hier die ausgelassene Stimmung geniesse, kommt mir kurz der ZSC-Match in den Sinn. Vielleicht ist das wirklich das letzte Heimspiel im Hallenstadion. Vielleicht auch nicht. Hab ich schon erwähnt, dass die Herren neben mir Eishockeyspieler der mySports-League sind?

Ian Hooper richtet das Wort immer mal wieder ans Publikum. So richtig emotional wird es, als er über seine 2012 verstorbene Mama spricht. Sie war eigentlich gegen die Musikkarriere ihres Sohnes, hat ihm aber auf dem Sterbebett noch ihren Segen gegeben. Wie wichtig ihm das ist, merkt man seinen Worten an. Und wir merken, wie viel ihm und seinen Bandkollegen die Musik bedeutet. Die Freude und Energie schwappt von der Bühne unweigerlich auf das Publikum über. Sie singen mehrheitlich dreistimmig, was ihren Liedern viel Fülle gibt. Immer mal wieder tauschen sie ihre Instrumente und zeigen ihre vielseitigen Talente. Sie tauschen die Plätze, Gitarre gegen Klavier. Oder legen die Gitarre weg und begleiten auf den Drums weiter. Für den letzten Song des Abends, «Driftwood Seat», kommt das Banjo zum Einsatz.
Was ich eingangs schon erwähnte, haben Mighty Oaks bei ihrer ersten Zugabe auch selbst bestätigt: Für «All things go» setzen sie sich mit ihren Gitarren um ein einzelnes Mikrofon.
«Wir möchten mit dem Song beweisen, dass wir keine Zaubertricks verwenden» Ian Hooper
Nebst ihren eigenen Songs warten sie auch mit zwei Coverversionen auf: Bei «Stay» von Rihanna & Mikky Ekko ist der ganze Saal wieder mit am Start. Die zweite Zugabe kündigt Ian Hooper mit den Worten an, sie würden sich damit weit aus der Komfortzone begeben. Wieder mit auf der Bühne ist ihr Opener, Christof van der Ven. Und dann schmettern sie «Watermelon Sugar» von Harry Styles raus. Da wagen sich Mighty Oaks, was mächtige Eichen bedeutet, auf die Äste heraus. Aber sie sind stark genug und das Publikum feiert sie dafür.
Ich bin nicht die Einzige, die Mighty Oaks noch viel länger zuhören könnte und der Abend viel zu schnell zu Ende ging. Danke für die Emotionen, die vielen Lächeln, die ihr mit eurer Musik in unsere Gesichter gezaubert habt. Und kommt bald wieder. Bitte!
Eventdatum: 31.03.2022
Fotografin: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: x-Tra, Zürich
Veranstalter: gadget abc entertainment group ag
Supportact: Christof Van der Ven
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/775-mighty-oaks-spielen-vor-ausverkauftem-haus#sigProIdd9f9cefbd8
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Michelle Brügger
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