Kodaline lässt Herzen höherschlagen
Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Wie habe ich den heutigen Tag herbeigesehnt. Endlich wieder mal Kodaline in Natura sehen. In der Corona-Zeit hatten sie jeden Donnerstagabend per Instagram Livestream-Musik gemacht und meine Tochter und ich haben zusammen geschaut. Es geht ein Traum in Erfüllung, heute live zu sehen.
Wir waren schon an ein paar Konzerten von ihnen und sind immer mit warmen und seligen Gefühlen nach Hause gegangen. Der Sänger Steve Garrigan sagt ja immer wieder: «Musik ist nicht einfach nur Musik, sondern eine Art Therapie für uns». Wie für mich die Konzerte. Wie wird die Songauswahl sein? Das neue Live-Album «Our Roots Run Deep», das sie in Dublin aufgenommen haben, läuft bei mir Nonstop.
Night like this hat St. Lundi seiner Freundin gewidmet!
Der Singer-Songwriter St. Lundi von England macht heute den Auftakt. Seine erste Single Night like this veröffentlichte er im März 2020 und die EP «Heavy Words» folgte im August. Nach 12 Millionen Streams und 96'000 Shazams seit Veröffentlichung, wurde die Single in der britischen Reality Show Love Island eingesetzt. Dies bringt ihnen in der UK und den irischen Shazam Charts gute Plätze ein. Ich bin gespannt, denn ich mag seine Stimme und sein Writing. Mein Kollege und ich sind so 40 Minuten vor Einlass da. Es gibt noch Tickets an der Abendkasse. Drinnen sehen wir, dass der Balkon oben leider geschlossen ist. Der Raum ist dreiviertel voll, als Punkt 20 Uhr St. Lundi auf die Bühne kommt und sich ans Keyboard setzt. Er stellt sich vor und begrüsst uns. Bei seinen Songs wie Lost In Love, To Die For war die Stimmung eher verhalten. Aber bei Nights Like This gab es doch ein Lichtermeer. Seine Coverversion von Teenage Dirtbag war der Durchbruch und alle singen mit. Nach 26 Minuten hat er sein Set durch, bedankt sich fürs Zuhören und sagt, dass er draussen noch Autogramme verteilen würde.
Tränen fliessen beim Song Brother!
Sänger Steven Garrigan und Gitarrist Mark Prendergast kannten sich von Kindsbeinen her aus dem Schulchor. Ein paar Jahre später lernten sie den Schlagzeuger Vinny May und den Bassisten Conor Linnane kennen. Sie tauften sich 21 Demands. Im Jahr 2006 nahmen sie an der fünften Staffel beim irischen Fernsehen You’re a Star teil. Sie belegten den 2. Platz und der erste Nummer 1-Hit war in Irland geboren: Give me a Minute, der ausschliesslich als Download verfügbar war. Die Band war der Spitzenreiter ohne Plattenvertrag. Leider blieb das der einzige Erfolg und 2011 kam die Trennung von 21 Demands. Nach Conor Linnanes Ausstieg suchten sie einen neuen Bassisten. Mit Jason Boland an Board gründeten sie Kodaline. Im Jahr darauf machten sie mit dem Album «Kodaline» auf sich aufmerksam. Der Song All I Want wurde ein Hit und fand Verwendung in den Fernsehserien Grey’s Anatomy, Castle und The Vampire Diaries. Ihr Debütalbum «In a Perfekt World» wurde im Juni 2013 veröffentlicht. Daraus wurde All I Want zum Soundtrack des Filmes «Das Schicksal ist ein mieser Verräter». Der Song High Hopes gehört zum Soundtrack des deutschen Nummer 1-Hit «Fack ju Göhte».
Nach WC-Pause und Cola holen ist der Umbau der Bühne fertig und es kann losgehen. Die Location füllt sich, aber man hat noch gut Platz. Die beiden Gastmusiker Dave Predergast und David Doyle setzen sich schon mal hin. Das Bühnenbild besteht aus drei Leuchtrahmen und je fünf Glühbirnen und oben sieht es aus wie drei Regenschirme - sehr romantisch. Langsam kommen Mark, Conor, Vinny auf die Stage und Steven wird mit tosendem Applaus empfangen. «Hello Zürich», begrüsst er uns und der erste Song Wherever you are vom letzten Studio-Album «One Day At A Time» wird angestimmt.
Gott, ich habe gleich Gänsehaut, Stevens Stimme ist so klar und stark, einfach unglaublich berührend. Der Song Brother hat das x-Tra in ein Lichtermeer getaucht und mich zum Weinen gebracht. Es gibt nicht viele Künstler, die das bei mir schaffen, dass mein Herz mit so viel Liebe und Zufriedenheit erfüllt wird. Kodaline schafft das definitiv. Ihre Songs sind identisch mit Lebenserfahrungen und Steven erzählt, dass er den Song The One für seinen besten Freund zur Hochzeit geschrieben habe. Er hätte kein passendes Geschenk gefunden, nun sei es halt einen Song. Das sorgte für Lacher. Sie sind so gut drauf, reissen einen Witz nach dem anderen und Schlagzeuger Vinny kann fast nicht mehr vor Lachen. Auch das eher junge Publikum lacht und feiert die vier mit Klatschen und Kreischen. Zum Song Love Like This hat uns Vinny den Takt zu Klatschen beigebracht und etwa dreimal einen Testdurchgang gemacht, bis sie alle zufrieden waren.
Die Stimmung ist fantastisch. Wir dachten schon, dass es eher ruhig werden würde. Nun wurden wir eines Besseren belehrt und hätten gerne Ohrstöpsel. Mein absoluter Lieblingssong High Hopes wurde als «Last Song» angestimmt. Ich musste meinen Kollegen umarmen und meine Tränen kamen schon wieder. Einfach unglaublich diese Stimmen und der ganze Sound. Der Chorus ging durch die Fans weiter und Kodaline verlässt die Bühne. Es gibt tosenden Applaus, Gestampfe und Zugaberufe. Sie lassen sich viel Zeit, um zurück zur Bühne zu kommen. Sie noch vier Zugaben bis zum letzten Song All I Want. Noch einmal wird das x-Tra zum Lichtermeer. Und so kommt dann der Abschied und sie hoffen auf baldiges Wiedersehen. Die Songauswahl ist wirklich fast identisch mit dem Live-Album gewesen. Mein Kollege und ich hatten das auch gehofft. Wir gehen nach Draussen in die regnerische Nacht, lassen unsere Herzen noch ein bisschen schmelzen und verabschieden uns. Das Konzert hat mein Herz und Seele berührt.
Eventdatum: 20.11.2022
Fotograf: Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Location: X-Tra, Zürich
Veranstalter: Mainland
Kodaline
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/962-kodaline#sigProIdfde0bbeadc
St. Lundi
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/962-kodaline#sigProIdd823d58f0d
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Marcel Kaul
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